Schulen lehnen sechsjähriges Kind ab: Ben hat Diabetes

Weil er Diabetes hat wurde ein Sechsjähriger von zwei Grundschulen abgelehnt.
Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunkrankheit. Bislang ist unklar, warum das Immunsystem die eigene Bauchspeicheldrüse angreift. Betroffene müssen lebenslang Blutzucker messen und Insulin spritzen. © M&S Fotodesign - Fotolia

Sechsjährigem wird Einschulung verweigert

Ben hat Diabetes Typ 1. Durch die Zuckerkrankheit muss der Sechsjährige auf vieles verzichten. Ein völlig unbeschwertes Leben ist für ihn unmöglich, denn ständig muss sein Blutzuckerwert kontrolliert werden. Und weil er das mit seinen sechs Jahren noch nicht selber kann, haben sich zwei Hamburger Grundschulen geweigert, ihn einzuschulen.

Die Grundschulen sind der Meinung, es sei Aufgabe der Krankenkasse, dafür zu sorgen, dass der Blutzuckerwert des Kindes während der Schulzeit bestimmt wird und die Insulinpumpe entsprechend eingesetzt wird. Laut 'Hamburger Abendblatt' schrieb ein Schulleiter den Eltern: "Die Rechtsabteilung hat uns mitgeteilt, dass die Lehrkräfte medizinische Hilfsmaßnahmen nicht durchführen müssen."

Ben kann sich selbst in den Finger pieksen, so dass er einen Blutstropfen für das Blutzucker-Messgerät hat. Lesen kann Ben allerdings nicht - wie auch, wenn er noch nicht zur Schule gegangen ist. Ein paar Zahlen kennt der junge Mann zwar - jedoch nur bis zur Sechs. Damit ist er aber nicht in der Lage, seinen Blutzucker selbständig zu ermitteln. Nachdem die Schulen nicht helfen wollten, ruhte die Hoffnung der Eltern auf der Krankenkasse. Sie stellten einen Antrag auf Bezahlung eines Betreuers. Irgendwer müsste doch dafür zuständig sein, dass Ben lesen lernt und lernt, seine Krankheit selbst in Schach zu halten, hofften sie.

Das sieht die Krankenkasse aber anders: Die Kasse setzte den Medizinischen Dienst in Marsch und ließ ermitteln, ob Ben alleine essen und trinken kann. Kann er natürlich! Damit war der Fall für die Kasse erledigt: Keine Pflegestufe, kein Geld für Betreuer und – keine Einschulung!

Von wegen 'Inklusion'

Die Eltern sind frustriert. Bens Mutter, Claudia Schulze-Domnick, ist Anwältin und meint, womöglich hätte sie die Schule auch per Gerichtsurteil dazu verpflichten können, ihren Sohn aufzunehmen. Schließlich behaupten die Schulen ja, sie praktizierten 'Inklusion'. Das verwarf die Mutter jedoch: Man wolle sein Kind doch nicht in eine Schule hineinklagen, die es zuvor abgelehnt hatte, zitiert sie das 'Abendblatt'.

Mittlerweile haben die Eltern eine evangelische Schule gefunden, die etwas weiter entfernt liegt, die Ben jedoch gerne aufnehmen will und sich um das Kind kümmert. Traurig nur: Seine Spielkameraden aus der Straße sind dort natürlich nicht.

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