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Schuldgefühle und eine dramatische Geburt: Das steckt hinter diesem Geburtsbild

Dieses Geburtsbild zeigt angeblich pornografische Inhalte
Dieses Geburtsbild zeigt angeblich pornografische Inhalte Francie wird von Facebook gesperrt 00:00:54
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Francie Webb lebte lange Zeit mit einer schweren Schuld

Vor ein paar Wochen postete Francie Webb aus New York ein Foto bei Facebook, das für mächtig Ärger sorgte: Darauf zu sehen war sie und ihr gerade geborenes Baby auf ihrem Bett, nach einer Hausgeburt. Auch die Nabelschnur des Babys war zu sehen, das blutverschmierte Laken und die nackte Francie inklusive Schambereich und Brüste. Als Konsequenz wurde Francie zunächst bei Facebook gelöscht. Jetzt erzählt die Amerikanerin, warum das Bild so eine große Bedeutung für sie hatte.

Für Francie war es wichtig, während der Hausgeburt zu dokumentieren, dass ihr Baby gesund ist. Sie brauchte das Foto, um ihre Panik in den Griff zu bekommen, dass ihrem Kind während der Schwangerschaft oder der Geburt etwas passiert sein könnte. Denn Francie hat schon einmal ein Kind verloren - ein Kind, auf das sie als Teenager aufpasste. Die Geschichte erzählte sie dem Magazin 'Elle'.

Das Unglück geschah, als Francie 14 Jahre alt war. Wie schon so oft passte sie abends auf zwei Kinder auf, auf einen zweijährigen Jungen und ein kleines Mädchen (11 Wochen alt). Sie brachte die beiden zu Bett und ging kurz darauf wieder nach Hause, als die Eltern der Kinder zurück kamen. Ein paar Stunden später erhielten Francies Eltern einen Anruf, dass Catherine, das kleine Mädchen, dass Francie eben noch zu Bett gebracht hatte, tot sei - Grund dafür war ein plötzlicher Kindstod.

Nach der Hausgeburt fand sie wieder Vertrauen in sich selbst

Obwohl Catherines Eltern der Schülerin nie die Schuld an dem Tod ihrer kleinen Tochter gaben, fragte sich Francie oft, ob sie an dem Abend vor ihrem Tod etwas falsch gemacht hatte. Während ihrer Schulzeit erzählte sie Menschen, die sie neu kennen lernte, stets sofort, was in der Nacht als sie zwei Kinder babysittete, passiert war. Sie wollte, dass die Leute wissen, wer sie war und selbst entscheiden, ob sie noch etwas mit der Schülerin zu tun haben wollen oder nicht. Aber vor allen Dingen hatte Francie nach dieser bitteren Erfahrung große Angst, ein eigenes Kind zu bekommen und auch dann nicht kontrollieren zu können, ob es überlebt.

Sieben Jahre nach der Tragödie empfahl ein Vertrauter Francie, die Eltern des toten Babys zu kontaktieren, um ihre Schuldgefühle endlich loszuwerden. Also schrieb sie der Familie, die sie seit Jahren nicht gesprochen hatte, einen Brief. Nadine, Catherines Mutter, schickte dem verzweifelten Mädchen auf den Wunsch ihres Mannes hin als Antwort sofort ein Flugticket, damit Francie zu Besuch kommen konnte. Und der Besuch war wie eine Heilung für Francie. Die Familie schaute sich zusammen mit ihr ein altes Video von Catherine an, das nur wenige Tage vor ihrem Tod aufgenommen wurde. Die schwangere Nadine erklärte ihr nochmals, dass sie an dem Tod keinerlei Schuld trägt! Die Familie glaubte inzwischen daran, dass der frühe Tod ihrer Tochter einfach vorherbestimmt gewesen sei.

Als Francie von dem Besuch zurückkam, hatte sie neuen Lebensmut geschöpft und wollte nun selbst Mutter werden. Doch als dann bei ihrer ersten Schwangerschaft im Krankenhaus Komplikationen auftraten, kam die Angst vor dem Verlust eines Kindes zurück - doch das Baby kam gesund zur Welt. Zwei Jahre später wurde Francie das zweite Mal schwanger und fasste den Entschluss, ihr zweites Kind zu Hause zur Welt zu bringen, damit ihr niemand wieder Angst machen könnte, dass es ihrem Baby nicht gut geht. Und obwohl sie eigentlich Unterstützung organisiert hatte, ging plötzlich alles ganz schnell, eine Stunde nach der ersten Wehe war ihre Tochter da - geboren im eigenen Schlafzimmer, gesund und glücklich! "Ich sagte zu dem Baby: Du musst gesund sein und du musst mir zeigen, dass es dir gut geht. Ich fotografierte, wie sie herauskam, glücklich und schreiend", erklärt Francie.

Was das Bild, dass sie ein Jahr nach der Geburt in eine Facebook-Gruppe zu Hausgeburten postete, auslösen würde, hätte Francie nie gedacht. Für sie zeigt das Bild einfach nur ihre Verwandlung - von einer traumatisierten, ängstlichen Frau, zu einer Frau, die endlich wieder an sich glaubt. An sich und das Wunder einer Geburt und eines kleinen Lebens. Und was soll daran falsch sein?

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