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Schuhe senden Signale - doch sind es die Richtigen?

Schuhe senden Signale - doch sind es die Richtigen?

Ihre Schuhe senden Männern Signale

Vor ein paar Tagen ruhte der Blick meiner Seelenfreundin Birgitta auf mir. Sie saß mir gegenüber und musterte mich von Kopf bis Fuß. Ich wurde ganz nervös und fragte: „Siehst Du was?“ Diese Frage ist eine Art Schlüsselsatz in unserer innigen Freundschaft. Sie zielt darauf, ob eine von uns bei der anderen zusätzliche Pfunde bemerkt. Wir wollen uns in dieser Hinsicht immer die Wahrheit sagen, so haben wir es uns versprochen. Manche Frauen belügen einander, was Gewichtszunahme angeht. Ich kenne Fälle, da steht die eine Freundin vor der anderen, man hat sich länger nicht gesehen, die eine hat zehn Kilo zugenommen, möchte bange wissen, ob das sehr auffällt, die gute Freundin sagt „Nein! Gar nicht!“

Die Freundschaft zwischen Birgitta und mir ist anders. Nicht umsonst tragen wir fast denselben Namen, nur Birgitta hat noch ein „a“ am Ende, vielleicht ein Zeichen dafür, dass sie manchmal mental schon etwas weiter ist als ich.

„Nein, ich sehe nichts“, antwortete also Birgitta. „Du bist schlank. Aber Du solltest flache Schuhe tragen.“ Ich hatte an dem Tag meine Lieblingsstiefel mit zehn Zentmeter hohen Absätzen an. Ich marschiere fast immer auf hochhackigen Schuhen durchs Leben. Styling-Experten behaupten, dass das streckt. Ich fühle mich zudem sexy in diesem Look. Und Männer mögen es auch, denke ich.

Ich war sehr irrtiert, dass meine Freundin, die mich nur mit hohen Schuhen kennt, plötzlich mit dieser Botschaft kam. Ich fragte: „Warum?“

Die Antwort: „Weil Männer dann Deine Seele besser erkennen. Du bist doch wirklich zart besaitet, wenn Du stets auf Deinen Higheels angestöckelt kommst, denken die Männer, dass Du eine tolle Sexbombe bist und auch sonst tough. Keiner merkt, wie schutzbedürftig Du bist. Folglich bietet man Dir eher Sex an, als eine starke Schulter zum Anlehnen. Und Du willst Dich doch mal anlehnen. Ich habe es selbst ausprobiert. Seitdem ich zu flachen Schuhen greife, bekomme ich mehr emotionale Aufmerksamkeit.“

Ich atmete tief durch. Auf diese Weise, wie man atmet, wenn man weiß: Hier sagt einer die Wahrheit, Donnerwetter, ändere Deine Gewohnheiten sofort! Du hast Dir etwas vorgemacht. Ich ließ die Worte in mir sacken. Oft verhält es sich so im Leben, dass, wenn einer einen großen Gedanken ausspricht, sich dieser mühelos verselbstständigt, als wolle er seine Qualität beweisen.

In den folgenden Tagen traf ich mehrere Frauen, die umgesattelt hatten, was ihr Schuhwerk angeht. Von niedrig auf flach. Ohne, dass eine von Birgitta gebrieft worden wäre. Alle wollten plötzlich so sein, wie sie tief im Inneren sind: Emanzipiert zwar, aber auch gefühlvoll und sensibel. Feine Pflänzchen, die gehegt und gepflegt werden wollen.

Die neue Liebesparole: Liebesbedürftig statt Sexbombe

Ich stellte mich vor den Spiegel und probierte zum sommerlichen Etuikleid FlipFlops an. Normalerweise trage ich dazu Pumps. Stimmt, ich sah sehr mädchenhaft aus, der Sexappeal war weg, etwas anderes war da. Etwas, das sehr viel mit meinem wahren Ich zu tun hatte.

Ich war überzeugt von der Schuh-Revolution, die Birgitta angezettelt hatte, ich ging in die Stadt, kaufte mir flache Stiefeletten und ziehe diese nun zu allem an, was ich habe. Wahrscheinlich selbst zu meinem Brautkleid, wenn ich eines Tages eines trage.

Ich gebe zu, ich muss mich an diese Neuerung in meinem Kleidungsleben gewöhnen. Ich komme mir manchmal vor wie eine Oma mit diesen rustikalen Tretern. Birgitta wiegelt das ab, sie meint, meine Zartheit setze sich aufs Vortrefflichste von den einfachen Schuhen ab. Zierliche Ballerinas, die ja ohne Frage eleganter sind, seien keine Lösung. In denen sähe man aus, wie jemand, der unbedingt verkrampft mädchenhaft sein will und muss, um Männer gleichsam mit dem Zaunpfahl darauf aufmerksam zu machen, dass einem schon ein Windhauch umpusten kann. Dass man nicht nur Sex will. Sondern Liebe, Nähe, Schutz. Bloß nicht wie eine Sexbombe rüberkommen, das ist also die neue Liebesparole! Aber wie eine Oma... Ist das besser? Vielleicht. Denn einer Oma hilft ein Mann möglicherweise wenigstens über die Straße.

Viel Spaß beim Schuheinkauf, Eure Birgit

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