Schrifstellerin Sibylle Lewitscharoff: 'Retortenkinder' sind "Halbwesen"

Schrifstellerin Sibylle Lewitscharoff: 'Retortenkinder' sind "Halbwesen"
© dpa, Uwe Zucchi

"Halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas"

Wenn der unerfüllte Kinderwunsch zur unermesslichen Belastung wird, dann ist die künstliche Befruchtung für viele Paare die letzte Hoffnung – für heterosexuelle, aber auch für homosexuelle. Umso schmerzhafter ist es für all diese Eltern, wenn sie in diesen Tagen lesen, was die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff – Trägerin des Büchner-Preises - über ihre Kinder gesagt hat: Sie seien "Halbwesen" und "abartig".

In einer Rede, die sie im Dresdner Staatschauspielhaus hielt, brachte sie die Reproduktionsmedizin sogar mit den "Kopulationsheimen" der Nazis in Verbindung. Sie sagte, dass ihr "das gegenwärtige Fortpflanzungsgemurkse derart widerwärtig erscheint, dass ich sogar geneigt bin, Kinder, die auf solch abartigen Wegen entstanden sind, als Halbwesen anzusehen. Nicht ganz echt sind sie in meinem Augen, sondern zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas."

Lewitscharoff verteidigt ihre Rede

Sibylle Lewitscharoff stieß mit ihren Worten auf heftige Kritik – vor allem vom deutschen Lesben- und Schwulenverband. "Das ist ein fieser Angriff auf alle Familien, die wie viele Regenbogenfamilien auf dem Wege der Insemination Kinder bekommen", so Renate Rampf vom Lesben- und Schwulenverband.

Im Nachhinein verteidigte Lewitscharoff ihre Rede. "Darf ich in einer Rede nicht sagen, was ich denke?", sagte sie zur 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Sie habe zudem klar gemacht, dass die Kinder nichts dafür könnten. "Niemals würde ich einem Kind, das auf solchen Wegen entstanden ist und das mir sympathisch ist, meine Zuneigung verweigern."

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