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Schokoladensucht: Mäuse können süchtig nach Schokolade werden

Schokoladensucht: Mäuse können süchtig nach Schokolade werden
© picture-alliance/ dpa, Maxppp Claude Prigent

Mäuse riskieren Gesundheit für Schokolade

Italienische Forscher haben erstmals festgestellt, dass Mäuse süchtig nach Schokolade werden können. Die Erkenntnisse der Studie könnten eine wichtige Rolle bei der Therapie von Essstörungen beim Menschen bringen. Doch was macht uns abhängig?

Schokoliebhaber wissen es schon längst: Schokolade macht süchtig. Der süße Geschmack, das köstliche Aroma und der zarte Schmelz auf der Zunge sorgen dafür, dass Schokolade als Allheilmittel gilt. Je nach Situation tröstet oder beruhigt sie uns oder macht ganz einfach glücklich. Doch wie weit würden Sie eigentlich für ein Stückchen Schokolade gehen?

Mäuse jedenfalls nehmen dafür einige Strapazen in Kauf: Um in den Genuss der süßen Versuchung zu gelangen, ertragen sie sogar Elektroschocks. Dies haben italienische Forscher jetzt in einer Studie herausgefunden, in der sie den Zusammenhang zwischen zwanghafter Esslust und Stress untersuchten.

Rosella Ventura und ihr Team wollten wissen, ob Mäuse durch die stressende Erfahrung von Hunger sogar dazu bereit sind, eine angelernte Vermeidungsreaktion auf Schokolade zu überwinden. Dazu trainierten sie zwei Gruppen von Mäusen: Eine war wohlgenährt, die andere musste Kohldampf schieben. In einem Versuch mit zwei Kammern sollten die Nager immer diejenige finden, in der es als Belohnung Schokolade gab. Nachdem die Tiere dies gelernt hatten, wurde das Experiment geändert. Nun bekamen die Mäuse jedes Mal einen leichten Elektroschock verpasst, sobald sie die Schokoladenkammer betraten.

Das Ergebnis: Die Nager, die gut im Futter waren, lernten sehr schnell, auf die Schokolade zu verzichten. Ihre ausgehungerten Kollegen dagegen nahmen sogar den Elektroschock in Kauf, um in die Schokokammer zu gelangen.

Erkenntnisse hilfreich für Therapien bei Essstörungen

Da beim Menschen der im Stirnhirn ausgeschüttete Signalstoff Noradrenalin eine entscheidende Rolle für das Suchtverhalten spielt, führten die Forscher noch einen weiteren Versuch durch. Die ausgehungerten Mäuse wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Während die eine unbehandelt blieb, erhielt die andere ein Mittel, das die Ausschüttung von Noradrenalin hemmt. Wieder wurden beide Gruppen vor die Wahl gestellt: Entweder Schokolade und Stromschock oder aber leere und sichere Kammer.

Ergebnis: Die Mäuse der unbehandelten Gruppe nahmen weiterhin den Stromschock in Kauf, um an die Schokolade zu kommen, die andere Gruppe verzichtete auf Schmerzen und Nascherei. Wie die Forscher in der Fachzeitschrift ’BMC Neuroscience’ berichten, zeigen die ausgehungerten Mäuse Verhaltensmuster einer Essstörung – durch deren Zwanghaftigkeit nehmen sie selbst negative Konsequenzen in Kauf.

Die Erkenntnis, dass der Signalstoff Noradrenalin dabei eine Schlüsselrolle spielt, könnte bei der Suche nach neuen Therapiemöglichkeiten für Menschen mit Essstörungen in Zukunft hilfreich sein.

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