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Schönheitswahn: Verzerrte Selbstwahrnehmung

Spiegel
Wenn Schönheitswahn gefährliche Ausmaße annimmt, sollte das Umfeld reagieren. © Photographee.eu

Frauen mit verzerrter Selbstwahrnehmung

Sie sind attraktiv, haben tolle Figuren und hübsche Gesichter, aber sie finden sich selbst abgrundtief hässlich - Frauen, die an Körperdysmorphophobie leiden unter einer gestörten und stark verzerrten Selbstwahrnehmung. Der Spiegel ist ihr Feind, und trotzdem können sie nicht ohne ihn leben. In Großbritannien ist bereits eine von hundert Frauen von diesem Syndrom betroffen.

Von Merle Wuttke

Danielle, 27, trägt blonde lange Haare, ist schlank mit Kurven an genau den richtigen Stellen und hat ein wunderhübsches Lächeln. Das bemerkt jeder, der ein Foto von ihr sieht. Danielle selbst sieht auf dem Bild nur ihre angeblich viel zu große Nase und ein Kinn, das ihren Knien "Guten Tag" sagen will - so lang gezogen ist es - behauptet Danielle. Sie ist eine von vier Frauen, die für eine britische Zeitung, Fotos von sich selbst so am Computer verändert haben. Und zwar so, wie sie ihrer Meinung nach von anderen gesehen werden. Da wimmelt es nur so von breiten Hüften, Wabbel-Oberschenkeln und Schultern à la Terminator. Diese veränderten Bilder haben nichts mit dem wahren Aussehen dieser Frauen zu tun und genau das ist das Erschreckende.

Wenn sogar der Spiegel lügt

Danielle, Racheal, Cassi und wie sie alle heißen, sind nicht mehr in der Lage sich normal zu sehen. Sie hassen ihr Äußeres und schauen trotzdem über hundert Mal am Tag in den Spiegel. Wie um ihre vermeintliche Hässlichkeit zu bestätigen. Die meisten von ihnen, wie viele Patienten mit Dysmorphophobie, leiden bereits seit ihrer Pubertät an gestörten Selbstbildern. Meist beginnt es mit Essstörungen, Depressionen, viele von ihnen wurden in der Schule gemobbt. Fast alle fühlten sich immer ungeliebt und überflüssig.

Zum Schönheitschirugen statt zur Therapie

Schönheitswahn: Verzerrte Selbstwahrnehmung
Stark, klug und schön! © Nobilior - Fotolia

Und anstatt in einer Psychotherapie diese tief greifenden Persönlichkeitsprobleme aufzuarbeiten und ihnen auf den Grund zu gehen, lassen sich nicht wenige lieber vom plastischen Chirurgen "verschönern" - der Teufelskreis dreht sich immer schneller. Diesem Schönheitswahn hat jetzt eine amerikanische Bloggerin den Kampf angesagt: Caitlin, 25 aus Florida, startete . Caitlin hinterlässt an öffentlichen Orten, z.B. einer Damentoilette, Fitnessstudios oder auf Kosmetikanzeigen in Frauenzeitschriften, Klebezettel auf denen Nachrichten für anderen Frauen stehen, etwa "Hallo Du Schöne", "Sei gut zu Dir selbst" oder "Du bist perfekt so wie Du bist". Sie will damit anderen Frauen Mut machen, und die Schönheitsindustrie und die Medien anprangern. Außerdem ruft sie Gleichgesinnte dazu auf, ein Foto von "ihrer Nachricht" zu machen und es ihr zu mailen.

Anfang Juni startete sie das Projekt, und sie bekommt schon jetzt hunderte von Zuschriften von Frauen. Hut ab, denn diese Aktion kostet praktisch nichts und jeder, der mitmacht fühlt sich nachher besser. Diejenigen, die den Zettel hinterlassen lassen und diejenigen, die ihn gefunden haben. Also bitte immer dran denken: Ihr seid stark, klug, schön. Sagt es bitte weiter. Damit auch andere eine guten Tag haben.

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