Schönheitsideal Mann: Wollen Frauen nur schöne Männer?

Schönheitsideal Mann
Wann ist ein Mann ein schöner Mann? Wir gehen dem Schönheitsideal Mann auf den Grund. © Valua Vitaly - Fotolia, Valua Vitaly

Warum ändert sich das Schönheitsideal Mann?

Gibt’s bei Ihnen einen Schönheitschirurgen in der Nähe? Gehen Sie mal vorbei. Da gibt es bestimmt wieder Schampus für alle. Denn die PR ist ja unbezahlbar. Wieder einmal outet sich ein Promi als haartransplantiert. Diesmal gibt Christian Lindner zu, dass er sein neu eingepflanztes Geheimratsecken-Plüsch richtig cool findet. Was ist nur mit den Männern los? Wer setzt sie so unter Druck, dass sich sogar scheinbar selbstbewusste Kerle wie Fußballtrainer Jürgen Klopp Schönheitsidealen unterwerfen und sogar unters Messer legen? Für wen machen sie das wirklich?

Von Dagmar Baumgarten

Ja gut, dass so ein pseudo perfekter, aalglatter,

Möchtegern-markant-sein-wird-es-aber-nie-werden-Typ wie Christian Lindner die Schönheitschirurgen mit Vornamen kennt, ist nicht weiter verwunderlich. Dass man als FDP-Vize mehr Haar-Nachschub zum Raufen braucht, als der Körper liefern kann, ist ja quasi sogar verständlich. Oder wird das jetzt wirklich Mode, dass eitle Männer versuchen, sich vom Chirurgen die schwindende Jugend zurückzuholen? Vielleicht zucken wir deshalb nicht mehr zusammen, sondern nur noch gelangweilt mit den Achseln, wenn mal wieder ein Mann zugibt, dass er lieber seine Fassade restaurieren lässt, als auf die Ausstrahlung seiner inneren Schönheit zu vertrauen!

Aber beim ersten Hören tat’s noch weh! Dass ein kerniger Typ wie Jürgen Klopp sich wie ein Möchtegern-Model verzweifelt gegen das Altern stemmt und sich die Geheimratsecken zutackern lässt, hat mich, ich gebe es zu, echt geschockt! Natürlich darf jeder mit seinem Körper machen, was er will. Aber ich hätte nie gedacht, dass in der rauen Schale ein so unsicherer Mensch steckt, der sich wie ein kleiner Teenager irgendeinem Schönheitsideal unterwirft. Er stand doch eigentlich für den echten Nehmt-mich-so wie-ich-bin-oder-lasst-es-Typ! So einer mit Ecken und Kanten eben. Der doch darauf scheißt, ob die Haare lichter werden, weil er männlich genug ist, da drüber zu stehen. Und genau diese natürliche Haltung macht einen Mann doch viel attraktiver, als jede künstliche Manipulation, um irgendeinem Jugendwahn-Ideal hinterher zu hecheln. Geheimratsecken sind doch keine Schande! Niemand wäre doch jemals auf die Idee gekommen, einen Typen wie Bruce Willis weniger sexy zu finden, nur weil er gar keine Haare hat.

Schon Teenies haben Schönheitsideale

Dass man als Teenager durch solche Phasen von Schönheitsidealen geht, ist ja noch verständlich. Da sind die Jungs - genau wie die Mädchen - noch so unsicher, dass es gewisse Vorbilder braucht, an denen man sich entlang hangeln kann. Für die heutige Teenie-Welt gilt dabei: Je metrosexueller, umso besser. Gepuderte Gesichtchen, rasierte Augenbrauen und zarte Figürchen kommen bei den Mädels zwischen zwölf und sechszehn Jahren am besten an. Die wollen ja auch noch keine gestandenen Männer! (Wenn doch hat das Gründe, die eine andere Kolumne füllen würden.) Aber dieses androgyne Angepasst-sein muss doch irgendwann verschwinden. Denn dass ein erwachsener Kerl sich solchen Diktaten unterwirft, ist schlicht unmännlich. Und auch schade.

Was soll eigentlich dieses Streben nach noch mehr Künstlichkeit? Macht das wirklich glücklich? Oder attraktiv? Es gibt doch genug Kerle, die sich dankenswerterweise auf dieses unwürdige Experiment eingelassen haben, damit wir alle sehen können: Nein ein Skalpell schafft keine Schönheit, egal wie oft man es einsetzt.

Paradoxerweise sind es ja genau die Männer, die mal für die geballte Männlichkeit standen, die heute wie Karikaturen rumlaufen, weil sie sich der Illusion hingaben, die ihnen die Chirurgen in die frisch gelifteten Öhrchen flüsterten. Sie versprechen: „Ich gebe Dir Deine Jugend zurück, kostet auch nur viel Geld!“ Und was ist das Resultat? Männer wie Sylvester Stallone oder Silvio Berlusconi sehen doch nicht besser, sondern einfach nur immer skurriler aus.

Natürlich muss eine Haartransplantation nicht gleich eine so schlimme Kettenreaktion in Gang setzen. Aber die Männer sollten in dem Fall aufpassen und nicht die weiblichen Fehler der vergangenen Jahrzehnte wiederholen. Denn leider sind ihnen einige Frauen in Punkto schwachsinnige Schönheitsideale und würdeloses Altern um einige Jahre voraus. Wenn man sich einmal der Illusion hingegeben hat, dass man sich Jugend, Schönheit und Glück über das Äußere schneidern lassen kann, endet das oft mit einer grotesken Maske, die im besten Fall einfach nur künstlich aussieht.

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