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Schönheit: Sind 'hässliche' Frauen besser im Bett?

Sind "hässliche" Frauen besser im Bett?
Oft betrügen Männer ihre Partner mit unattraktiveren Frauen. Doch sind "hässliche" Frauen wirklich besser im Bett? © Yuri Arcurs - Fotolia

Sex und Schönheit: Sind 'hässliche' Frauen attraktiver?

Das Vorurteil, dass 'hässliche' Frauen besser im Bett sind, hat derzeit Konjunktur. Seit Arnold Schwarzeneggers Hang zu außerehelichen Aktivitäten bekannt und bestätigt wurde, wird nun spekuliert, was ihn an den betreffenden Frauen so reizte. Nach einem Vergleich von Ehefrau Maria Shriver und seiner Geliebten Patty kam die Öffentlichkeit rasch zu dem Schluss, dass Patty - und gerüchteweise auch andere Geliebte - es von den optischen Reizen her nicht mit Shriver aufnehmen könne (Was ja, wenn man ehrlich ist, auch nicht so einfach ist. Maria Shriver sieht einfach sehr gut aus; das zu toppen ist schwer. Aber egal). Also müssen all die anderen Frauen ja andere Vorzüge haben als die rein äußerlichen. Ganz schnell ist man dann bei der Vermutung: "Sind hässliche Frauen besser im Bett?"  

Von Ursula Willimsky

Diverse Zeitungen spekulieren darüber, weshalb der ehemalige Terminator sich auf "hässliche" Frauen stürzte: Er soll damit Komplexe kompensiert haben, ist zu lesen. Der Kontakt zu unattraktiveren Frauen hätte ihm geholfen, sich noch besser, stärker und männlicher zu fühlen. Der Gedanke, dass ein Seitensprung mit einer Durchschnittsfrau "nicht ganz so schlimm" sei, könne eine Rolle gespielt haben. Und, und, und. Andere Medien verlagern ihr Interesse eher auf die Beweggründe der Frauen: Attraktivere Frauen neigen zu höheren Ansprüchen bei der Männerwahl, da sie generell eine größere Männer-Auswahl hätten (Wie hoch, bitte schön, müssen denn Ansprüche sein, damit einem ein supererfolgreicher, schwerreicher Schauspieler und Politiker nicht genügt?). Weniger attraktive Frauen könnten dagegen zuweilen sehr erfreut sein, wenn sie Aufmerksamkeit bekämen - was sich zuweilen auch in einem offeneren Umgang mit Sexualität zeige, zitiert man beispielsweise einen Psychologe der Bild-Zeitung.

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Müssen sich 'hässliche' Frauen mehr Mühe geben?

Wir Frauen wissen nicht, ob wir uns über diese ganze Diskussion ärgern oder freuen sollen.

Erfreulich ist, dass man sich damit sein eigenes Single-Dasein schönreden kann: Ich bin einfach zu attraktiv, da traut sich kein Mann an mich ran. Weniger erfreulich ist, dass da ganz tief in die Kiste mit den ollen Klischées gegriffen wird. Wenn eine Frau schon nicht wie ein Supermodel aussieht, muss sie doch auf anderen Gebieten super sein, damit ein Mann sie überhaupt anfasst, höhöhö.

Außerdem sind wir uns ziemlich unsicher, ob es überhaupt "hässliche" Frauen gibt. Klar, nicht jede sieht aus wie Gisele Bündchen, aber ist sie deshalb gleich "hässlich"? Und darf die Attraktivität einer Frau tatsächlich nur an den Proportionen ihrer Gesichtszüge und ihrem BMI gemessen werden? Wir glauben uns zu erinnern, dass die Ausstrahlung eines Menschen aus mehr besteht, zum Beispiel auch aus Eigenschaften wie Charisma oder dem guten, alten Charme. Und überhaupt: Wenn "hässliche" Menschen sexuell sooo viel attraktiver sind, können sie ja nicht hässlich sein, weil: Dann sind sie ja attraktiv, oder?

Manche kokettieren ja sogar damit, dass sie attraktiv sind, weil sie eben nach landläufiger Meinung nicht ganz so attraktiv sind. Courtney Love, die nicht gerade für ihr Barbie-Püppchen-Image  bekannt ist, meint: "Hässliche Frauen sind einfach besser im Bett als hübsche." Der New York Post vertraute sie ihr Erfolgsrezept bei Männern an: "Wir Mädchen, die etwas unattraktiver waren, mussten uns viel mehr Mühe geben!". Was ja nie schaden kann, egal ob man perfekt aussieht oder "interessant". Auch der Bild-Psychologe räumt eine ähnliche Möglichkeit ein: "Vielleicht hat er gerade das Normale in einer Frau gesucht, sich lieber eine Frau mit Persönlichkeit genommen, als eine hübsche Oberflächliche".

Hübsche Frauen sind nicht immer die beste Wahl

Schöne Frauen
Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden © weseetheworld - Fotolia, WESTEND61

Womit eigentlich schon alle Vorurteile über Frauen abgekaspert wären. Sind sie hübsch, sind sie oberflächlich. Oder "liegen einfach nur so da" (Courtney Love), soll heißen, geben sich beim Sex keine Mühe. Gelten sie nach allgemeiner Überzeugung als nicht ganz so hübsch, sind sie einfach dankbar, auch mal einen abzukriegen und lassen das den Mann auch spüren. Die Liste ließe sich wahrscheinlich unendlich weiterführen. Man muss nur das Adjektiv ändern: Hässlich, blond, rothaarig, brünett, groß, klein, dick, dünn, doof, super-schlau, häuslich, karrierefixiert, zurückhaltend, rechthaberisch…

Zu jeder weiblichen Eigenschaft gibt es ein Deckelchen. Oder eben nicht. Und zu jeder Eigenschaft gibt es wahrscheinlich auch die passende Theorie, weshalb es mit dem Nachbarn klappt oder eben nicht. Man selbst ist ja auch nicht frei von diesen Überlegungen. Wer von uns hat sich nicht schon mal Gedanken darüber gemacht, was das süße Schnuckelchen aus dem Nebenbüro bloß an dieser Frau findet? Wo die doch eine unmögliche Figur hat, und über die Frisur braucht man eh nicht zu reden… Wenn das süße Schnuckelchen allerdings nur mit Heidi-Klum-Klonen im Biergarten auftaucht, ist die Sache auch klar.

Ein Blick auf die biologische Grundlagenforschung lehrt uns immerhin, dass "attraktiv" (im Sinne von: Das finden die meisten hübsch) nicht immer die beste Wahl sein muss. Wenn alle sich auf den einen stürzen, haben die einen Vorteil, die sich auf den anderen Rest stürzen. Der - scheinbar weniger attraktive - Rest könnte zum Beispiel von seinem Genpool her die perfekte Ergänzung zu einem selbst sein. Was super für die potenzielle Nachkommenschaft ist.

Hübsch oder hässlich - das Aussehen ist doch egal

Trotzdem: Es gibt so etwas wie einen Konsens darüber, was attraktiv ist und was nicht. Die meisten "Pfauinnen" stehen auf Pfaue mit langen, glänzenden Schwanzfedern. Und bei den Guppys fliegen nahezu alle Damen auf die Herren mit den leuchtenden orangefarbenen Tupfen. Nur eine kleine Gruppe catcht sich die Exemplare mit unscheinbaren schwärzlichen Tupfen. Ob diese Guppy-Weibchen mit ihrer Wahl irgendwelche Komplexe kompensieren oder einfach nur einen anderen Geschmack haben, ist nicht bekannt.          

Für uns Frauen könnte das heißen: Egal wie wir sind, und egal, wie wir aussehen - es ist immer falsch. Und ändern können wir daran im Grunde ja ohnehin nichts. Deshalb legen wir uns lieber auf eine andere These fest: Egal, wie wir sind, und egal wie wir aussehen, es gibt da draußen immer einen, der uns supertoll findet. (Und es wird immer welche geben, die das in Frage stellen.)

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