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Schön trotz Brustkrebs: Auch ohne Busen attraktiv

Joanne Jackson hat Bilder von sich nach ihrer Brustamputation auf Facebook veröffentlicht.
Joanne Jackson hat Bilder von sich nach ihrer Brustamputation auf Facebook veröffentlicht. © © rossparry.co.uk/syndication

Frau zeigt Bilder mit amputierter Brust auf Facebook

"Es tut mir leid, aber Sie haben Brustkrebs.": Im Schnitt erhalten jeden Tag in Deutschland 156 Frauen diese furchtbare Diagnose. Brustkrebs ist in Europa immer noch die häufigste Erkrankung, aber zum Glück auch eine, die zumindest im Frühstadium gut heilbar ist. Eine Frau, die den Krebs überlebt und dafür ihre linke Brust geopfert hat, ist Joanne Jackson, 40. Die Mutter zweier Söhne bewies nun besonderen Mut.

von Merle Wuttke

Denn Joanne Jackson ließ sich mit entblößtem Oberkörper und ihrer amputierten Brust fotografieren und zeigte diese Bilder in ihrem Facebook-Profil. Allerdings nicht lange, denn Zuckerbergs soziales Netzwerk sah darin einen Verstoß gegen die Pornografie-Vorschriften und zwang die mutige Frau ihre Fotos zu entfernen.

Albern, prüde und spießig ist das. Schließlich traut sich hier jemand, etwas zu zeigen, was für viele andere betroffene Frauen traurige Realität ist: Der Verlust einer Brust, diesem weiblichsten und mit vielen Bildern, Gefühlen und Erinnerungen besetzten Körperteil. Während Nichtbetroffene bei solchen schonungslosen Bilder im ersten Augenblick vielleicht schockiert oder verschämt reagieren, machen sie Frauen mit Krebs umso mehr Mut - schließlich sagt eine Frau wie Joanne Jackson damit: "Seht her, es gibt ein Leben nach und mit den Folgen der Krankheit! Ihr müsst euch nicht schämen, nur weil rechts jetzt mehr als links ist. Ihr seid trotz allem weiterhin eine Frau, und Ihr seid schön."

Können Frauen ohne Brüste schön sein?

Denn genau das ist wohl etwas, was sich weder gesunde noch erkrankte Frauen zunächst vorstellen können: Dass man sich auch ohne Busen wohl und attraktiv fühlen kann. Genau das ist auch die Frage, der die Künstlerinnen Reni Wolf und Wanda Korfanty-Bednarek in einem Kunstprojekt nachgingen. Reni Wolf malte neun Frauen aus dem echten Leben, acht davon hatten Brustkrebs überlebt, die neunte war gesund. In der Realität ist das Verhältnis umgekehrt: Da erkrankt jede neunte Frau einmal an Brustkrebs. Durch das Projekt hätten sich die betroffenen Frauen mit ihrem neuen Körper versöhnt, würden sich seitdem wieder mögen. Würden sich endlich wieder schön finden. Tolle Sache!

Leider gibt es immer noch viel zu wenig Projekte und Arbeiten dieser Art zum Thema. Immer noch gilt das Aussehen einer brustamputierten Frau als Tabu. Dabei hilft doch nur genaues Hinsehen bei der Aufklärung. Nur so verliert die Krankheit an Macht und bringt die Menschen dazu, sich mit ihr auseinander zu setzen. Wer tastet sich schon regelmäßig einmal im Monat selbst ab - wie von Ärzten empfohlen? Nein, da schiebt man den Gedanken an Brustkrebs lieber weit nach hinten.

Dabei machen Bilder wie die von Joanne Jackson oder Reni Wolf Mut, nicht Angst. Sie zeigen, dass wir verletzbar sind, aber auch wie stark wir seien können. Dass man auch mit nur einer Brust glücklich werden kann. Aber nicht muss: Heutzutage gibt es zum Glück sehr erfolgreiche Methoden für einen Brustaufbau. Jeder Frau kann und sollte wählen. Beides ist möglich, mit oder ohne Busen. Hauptsache man lebt.

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