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Schnell schlank nach der Geburt: Der Hype um den perfekten After-Baby-Body

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Beyoncés After-Baby-Body
Beyoncé zeigt ihr After-Baby-Body nach der Geburt ihrer Zwillinge. Doch die Realität kurz nach der Entbindung sieht normalerweise anders aus. © Facebook/Constance Hall

Schlank um jeden Preis? Bilder der Promi-Mütter führen zu Selbstzweifeln

Beyonce zeigt kurz nach der Geburt ihrer Zwillinge ihren perfekten After-Baby-Body, ganz ohne Dehnungsstreifen oder Wasser in den Beinen. Heidi Klum, Alessandra Ambrosio, Keira Knightley oder Shakira wissen auch, wie das geht. Warum aber klappt das nicht bei normalen Müttern? Machen sie alle etwas falsch?

Promi-Mütter leben vom öffentlichen Auftritt

Ein Baby ist für die meisten Frauen das größte Glück ihres Lebens. Klar, dass sich in der Schwangerschaft der Körper verändert: Ein neues Leben wächst heran. Aber was neun Monate wächst, braucht auch neun Monate, um wieder zu verschwinden, so eine Hebammenregel. Allerdings vermitteln prominente Mütter, dass es ein Leichtes ist, in kürzester Zeit wieder einen durchtrainierten Körper zu haben. So wird allerdings ein völlig falsches Körperbild vermittelt, das suggeriert,  die jungen Mamis müssten bereits wenige Wochen nach der Geburt schon wieder rank und schlank sein.

Was viele völlig vergessen: Die Promi-Mütter leben vom öffentlichen Auftritt, das ist ihr Kapital, ihre Einnahmequelle. Und so kümmert sich ein ganzes Heer an Angestellten um die Chefin: Personal Trainer, Kindermädchen, Haushaltshilfen sind ständig im Einsatz, damit sich die jungen Promi-Mütter voll und ganz auf ihren After-Baby-Body konzentrieren können. Da gibt es keinen Schlafentzug oder keine Zeit zum Kochen: Es ist immer genügend Fachpersonal vor Ort, um alle Probleme aufzufangen und jeden Wunsch von den Augen abzulesen.

Dabei ist es aber wirklich nicht gesund, den Körper nach der Geburt wieder voll zu belasten: Gerade Sportlerinnen sind oft enttäuscht, dass sie erst nach sechs bis neun Monaten wieder voll einsteigen dürfen. Zwar schwinden nach Geburt einige Kilos von ganz alleine: Ein Baby wiegt durchschnittlich 3,4 Kilo, dazu kommt das Gewicht der Plazenta mit etwa 500 Gramm und etwa 1,5 Kilo Fruchtwasser, auch etwa 300 Gramm Blut fallen weg. Zusammen sind das etwa sechs Kilo. Allerdings legt der Körper im Gegenzug Fettdepots für das Stillen an, denn das kostet Kraft und Energie. Etwa ab dem vierten Monat nach der Geburt schmelzen auch diese Depots langsam weg.

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Gut für die Mutter ist gut fürs Baby

Dummerweise reagiert jeder Körper unterschiedlich auf die Zeit nach der Geburt. Manche Frauen nehmen kaum ab, andere haben durch die Schwangerschaft einen trägen Stoffwechsel bekommen. Diäten sind in der Stillzeit aber strikt tabu: Geht Ihr Körper an die Fettreserven, besteht die Gefahr, dass Ihr Baby durch die Muttermilch dort gelagerte Umweltgifte aufnimmt. Da ist eine gesunde Ernährung umso wichtiger. Die goldene Regel lautet also: Geht es der Mami gut, geht es auch dem Baby gut!

Vor allem zu viel Sport ist nach der Entbindung eher schädlich: Beckenboden und Bauchmuskulatur sind stark überdehnt und daher sehr empfindlich. Frühestens sechs bis acht Wochen nach Geburt kommt leichte Rückbildungsgymnastik in Frage, egal ob Kaiserschnitt oder natürliche Geburt. Während der Schwangerschaft vergrößert sich die Gebärmutter auf etwa das 20-fache ihrer normalen Größe. Das Muskelgewebe der Gebärmutter zieht sich erst langsam wieder zusammen und auch schwangerschaftsbedingte Wassereinlagerungen werden erst nach und nach wieder ausgeschwemmt.

Junge Mütter unter Druck

Wenn nur die ganzen Bilder der Promi-Mütter nicht wären. Die medizinischen Erklärungen können einem doch egal sein, wenn Beyonce entspannt und schlank von einem Magazin herunterlächelt. Wir vergleichen uns mit dem Idealbild, das noch nicht mal annähernd dem Normalfall entspricht. Und doch verfolgt uns der Gedanke, dass die Promis mit ihrem ganzen Unterstützungsapparat die Norm sind. Sind wir also nicht normal?


Die Industrie hat diese bohrenden Selbstzweifel längst für sich entdeckt: Die sensible Phase nach der Geburt weicht dem Druck zur Selbstoptimierung. Wer hat am schnellsten wieder eine Top-Figur? Wer ist einfach zu faul, um sich wieder in Form zu bringen? Wer hat einfach keine Lust, beim ganzjährig stattfindenden Kinderwagen-Jogging-Kurs teilzunehmen?

Die beste Mama ist fröhlich und fit

Völlig übersehen wird dabei, dass ein Baby in erster Linie Fürsorge und Bindung braucht. Und das funktioniert nur mit einer entspannten Mama, die Zeit und Ruhe hat und nicht in jeder freien Minute Situps praktiziert. Viele Mütter kämpfen noch nach Monaten oder Jahren gegen den Babyspeck. Aber liebe Mütter: Ihr habt ein Kind zur Welt gebracht! Das ist eine tolle Leistung! Und ohne Personal Trainer, Kindermädchen oder Stylisten ist es eben etwas schwieriger, sich um sich selbst zu kümmern. Also vergleicht euch nicht mit anderen, das macht nur schlechte Laune. Fröhliche und fitte Mamis sind die besten – und glücklichsten!

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