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Schluss mit sexistischer Werbung: Heiko Maas setzt sich gegen Diskriminierung ein

Geschlechter-diskriminierende Werbung?
Geschlechter-diskriminierende Werbung? Bundesjustizminister plant Verbot 00:02:36
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Knapper Bikini und Alu-Felgen: Wo bitte ist der Zusammenhang?

Knappes Höschen. Viel nackte Haut. Gerne kombiniert mit einem Blick, der irgendwo zwischen lasziv und doof changiert – und fertig ist sie, die Werbestrategie für nahezu alles: Karriere-Portale. Autos. Reparatur-Services für Haushaltsgeräte. Werkzeug. Druckprodukte. Und und und. Wichtig scheint nur, dass die dargestellte Frau sexy ist. Das kann bei einer Bikini-Reklame durchaus Sinn machen, bei vielen, vielen, allzu vielen Anzeigen und Plakaten aber fehlt der inhaltliche Zusammenhang zwischen körperbetontem Model und beworbenen Produkt. Dann werden die Werbebotschaften schnell so sexistisch, dass Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sie gleich ganz verbieten lassen will.

Schluss mit sexistischer Werbung: Heiko Maas setzt sich gegen Diskriminierung ein
© picture alliance / Wolfram Stein, Wolfram Steinberg

Von Ursula Willimsky

Der SPD-Politiker hat laut 'Spiegel' eine Gesetzesänderung angeregt: Werbung soll Frauen – aber auch Männer – nicht mehr auf Sexualobjekte reduzieren dürfen. Das Ziel: Ein „moderneres Geschlechterbild“ auf Plakatwänden und in Anzeigen. Guter Mann! Vielleicht können wir uns bald über neue Reifen fürs Auto informieren, ohne uns über Dessous-Mädchen ärgern zu müssen, die sich auf Motorhauben räkeln.

Auch das Warten auf die U-Bahn wäre angenehmer, wenn wir nicht mehr von nahezu nackten Körpern belästigt würden, mit denen für irgendetwas geworben wird. Man steht da, fühlt sich gekränkt, schaut die feixende Teenager-Truppe an, die neben dem Plakat steht und denkt sich: „Oh je, hoffentlich glauben die jetzt nicht, dass Frauen es wirklich toll finden, an ihrem Zeigefinger zu lutschen, wenn sie ein Autoradio sehen“. Auch wenn es einem das ein oder andere Plakat suggeriert: Frauen sind nicht allzeit bereit oder käuflich.

Eine Sprecherin des Ministeriums erklärte, dass auch die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln dazu beigetragen hätten, das Thema sexistische Werbung anzugehen. Der mögliche Sexismus-Blocker stößt jedoch nicht nur auf Gegenliebe. FDP-Chef Christian Lindner zum Beispiel warf dem Bundesjustizminister Spießigkeit vor: „Heiko Maas geht den nächsten Schritt zum Nannystaat, der den Bürgern nichts zutraut und Verbraucher für unmündig hält", sagte er. „Seine Pläne zum Verbot von Nacktheit und sexualisierter Werbung sind an Spießigkeit kaum zu überbieten. Die Verhüllung von Frauen zur Bändigung von Männern zu fordern, das kannte man von radikalen islamischen Religionsführern, aber nicht vom deutschen Justizminister."

Spießig ist etwas ganz anderes

Wir wagen zu widersprechen. Hätte Maas gefordert, dass Frauen - ob sie das wollen oder nicht - nur noch im langärmeligen Shirt und kniebedeckt herumlaufen dürfen, ja, dann würden viele von uns diese Kritik vermutlich unterschreiben. Aber es geht ja nicht darum, wie sich eine Frau in der Öffentlichkeit zeigt. Sondern es geht darum, wie der Prototyp „Frau“ in der Öffentlichkeit verkauft wird.

Die Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ hat dem Sexismus in der Werbung einen eigenen Negativ-Preis gewidmet. An potenziellen Gewinnern mangelt es dem „Zornigen Kaktus“ nicht. Die Kriterien für eine Nominierung umfassen unter anderem „die abwertende Darstellung von Mädchen und Frauen, die Inszenierung von Mädchen und Frauen als (allzeit verfügbare) Sex-Objekte, Verherrlichung oder Verharmlosung von Gewalt gegen Mädchen und Frauen und einen fehlenden Zusammenhang zwischen Produkt und Model.“

Die Organisation – und nicht nur sie! – macht so manche Werbung auch wütend, weil sie Männer und Frauen klischeehaft darstellt. „Sie trägt dazu bei, dass Rollenbilder gefestigt, Vorurteile reproduziert“ und „Machtverhältnisse reproduziert“ werden. Frauen haben also nicht nur schön zu sein, sie dürfen auch gerne mal als Wesen auftreten, die ihr einzig Seelenheil in blank gewienerten Fußböden und fleckenfreier Wäsche suchen.

So gesehen ist es keine wirklich schlechte Idee, wenn ein Politiker sagt: „Geschlechterdiskriminierende Werbung gehört verboten“. So würden Frauen vor Belästigungen geschützt, denen sie kaum entrinnen können. Werbung ist nun mal allgegenwärtig. Wir finden: Rollenklischees, zementiert in bunten Bildern, oder auch pseudopornographische Kampagnen mit einer Denke, die aus einem längst vergangenem Jahrtausend stammt - das sind die Punkte, die an Spießigkeit kaum zu überbieten sind. Weg damit!

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