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Schlimme Diskriminierung an Schulen: Mobbing durch Lehrer ist keine Seltenheit

Lehrer machen mit oder sehen weg bei Mobbing & Diskriminierung an Schulen

Dem einen wird ein Fuß gebrochen und die Lehrerin schaut einfach weg, andere sind gerade mal acht oder neun Jahre alt und haben einfach keine Kraft mehr, wollen sogar nicht mehr leben. Das Mobbing in Schulen hat in der letzten Zeit noch extremere Gestalt angenommen. Besonders auch, weil viele Lehrer einfach wegsehen – oder sogar mitmachen!

Schlimme Diskriminierung und Mobbing an Schulen
Mobbing durch Lehrer ist leider keine Seltenheit

Wir haben nach den persönlichen Erfahrungen unserer Zuschauer mit dem Thema Mobbing an Schulen gefragt und extrem viele Zuschriften von Eltern und auch Kinder bekommen. Dabei ist besonders schockierend: Viele Opfer werden nicht nur von Mitschülern gemobbt, sondern auch Lehrer beteiligen sich am Mobbing.

Justin K. ist 14 Jahre alt und wird seit seinem Wechsel von einer Förder- auf die Gemeinschaftsschule von seinen Mitschülern regelmäßig fertig gemacht. Sogar nach der Schule geht der Horror für den Jungen weiter, denn seine Mitschüler werfen bei ihm zu Hause Abfälle und Essensreste gegen sein Fenster. Mittlerweile traut sich der Junge aus Schwarzenbek kaum noch vor die Tür.

"Am Anfang war eigentlich noch alles normal", erzählt Justin unserem Reporter, "doch dann hat einer angefangen mich fertig zu machen und der Rest hat mitgemacht, weil sie Angst hatten, sonst auch gemobbt zu werden." Dass andere Kinder einfach mitziehen, sobald einer anfängt zu mobben, ist keine Seltenheit. Durch den Gruppenzwang mobben oft auch Kinder, die eigentlich gar nichts gegen das Opfer haben. Für Justin ist klar, warum ausgerechnet er das Opfer seiner Mitschüler ist. "Ich bin dick und habe einen Sprachfehler", sagt der 14-Jährige. Doch weder ein leichter Sprachfehler noch Übergewicht können Grund sein, ein Kind derart fertig zu machen. Bei einer Prügelei wurde Justin sogar der Fuß gebrochen.

Justins Schule reagiert auf Anfragen unseres Reporters überhaupt nicht, doch sein Fall ist zumindest beim schleswig-holsteinischen Schulministerium bekannt. Eigentlich hätte sich die Situation des Jungen längst bessern sollen, die Schule hatte versprochen, zwischen Justin und seinen Mitschülern zu vermitteln und dem Jungen Schutz zu gewähren. Noch ist davon wenig zu spüren.

Selbstverteidigungskurse können Mobbing-Opfern helfen

Der ehemalige Personenschützer Michael Stahl kämpft seit über 20 Jahren gegen Diskriminierung und Gewalt und besucht dafür Schulen in ganz Deutschland. Er selbst wurde als Kind auch misshandelt und hilft heute Schülern und auch Lehrern aus diesen scheinbar ausweglosen Situationen. "Meine These ist, dass die Kinder in erster Linie gequält und verletzt werden, weil die anderen spüren, dass man es mit diesem Kind machen kann."

Auch die zehnjährige Celina fühlt sich in der Schule diskriminiert. Doch anders als bei Justin sind es nicht die Mitschüler, die ihr zusetzen, sondern eine Lehrerin. Oft muss sie wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen, sogar mit Kreide wurde sie schon beschmissen. Außerdem hat Celinas Lehrerin ihr verboten, Schmuck zu tragen. Sogar ihre Pausen muss das Mädchen manchmal in der Klasse verbringen, um dort weiter zu üben.

Kaum zu glauben, dass so ein Verhalten von Lehrer zulässig ist. "Es fehlt einfach schon in der Lehrerausbildung eine Sensibilisierung für Diskriminierung", erklärt Ilka Hoffmann, Sprecherin der Lehrergewerkschaft, als unser Reporter mit ihr über die vielen Zuschriften von Kindern und Eltern spricht. Ilka Hoffmann findet: "Es ist sehr kompliziertm wer wen mobbt oder welche Konflikte es gibt." Können Lehrer also gar nicht mitbekommen, was unter den Kindern vorgeht oder müssen sie es sogar? Oft findet Mobbing auch über soziale Netzwerke statt, wovon Lehrer in der Regel wirklich nichts mitbekommen können. Hinzu kommt das große Schamgefühl, weswegen viele Mobbingopfer gar nicht über ihr Probleme reden. So kann es für viele Kinder jedoch nicht weitergehen.

Michael Stahl denkt, dass die Probleme in der Schule schon mit Problemen im Elternhaus beginnen. Intakte Familien sind immer seltener und oft kann das Kind auch zu Hause nicht über Schwierigkeiten und Mobbing in der Schule reden. Sein Vorschlag: An jeder Schule sollten ein Sozialarbeiter und auch eine Sozialarbeiterin den Kindern zur Seite stehen, damit jedes Kind zu jeder Zeit einen Ansprechpartner hat. Auch Selbstverteidigungskurse und Sport können betroffenen Kindern helfen.

Bei Celina hat ein Kurs schon Erfolg gezeigt. Sie hat neues Selbstbewusstsein gewonnen und auch Justin soll künftig lernen, sich selbst besser zu verteidigen. Neues Selbstbewusstsein zu gewinnen, ist für alle Mobbingopfer ein wichtiger Schritt. Doch ist es in Ordnung, dass in externen Kursen betroffenen Kindern gezeigt wird, was die Schulen versäumen? Ilka Hoffmann von der Lehrergewerkschaft weiß, dass bereits viele Lehrer in speziellen Mobbingseminaren sensibilisiert werden, um gegen Diskriminierung vorzugehen. Hoffentlich nehmen wirklich viele Lehrer dieses Angebot in Anspruch und stehen auch den schwachen Schülern beiseite. Höchste Zeit also, dass sich in der Lehrerausbildung etwas bewegt und höchste Zeit, dass Lehrerinnen wie die von Celina vielleicht einfach einen anderen Beruf wählen.

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