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Schlimm: Jedes 4. Kind leidet unter Stress

Schlimm: Jedes 4. Kind leidet unter Stress
© dpa, Julian Stratenschulte

Macht die Schule unsere Kinder krank?

Es ist sind dramatische Zahlen, die der Kinderschutzbund und anderen Organisationen heute in einer Pressekonferenz mitgeteilt haben: ein Viertel der Zweit- und Drittklässler in Deutschland leidet unter Stress. Und viele von ihnen nennen als Auslöser die Schule. Ganz schwere Fälle landen später aufgrund von Depressionen in der Psychatrie, so die Experten. Was stresst unsere Kinder so und was können Eltern dagegen tun ?

"Wir wissen ja nicht, wann sie Stress hat. Manchmal sind wir einfach überfordert.“, das sagen die verzweifelten Eltern eines Schulkindes. Und doch wissen sie ganz genau, ihrer Tochter geht es nicht gut. Wie hoch der Leistungsdruck in der Schule tatsächlich ist, das hat die Redaktion Punkt 12 zusammen mit drei Familien getestet. Und die Ergebnisse waren teilweise alarmierend.

Der Stresstest

Drei Kinder, drei Altersgruppen. Lara, 10 , Karim 5 und Louisa, 13 Jahre alt. Einen ganzen Tag lang werden sie an ein Stressmessgerät angeschlossen. Die Ergebnisse wird anschließend ein Experte auswerten. Das Problem bei vielen Kindern: sie können Stress nicht formulieren und ausdrücken wie ein Erwachsener. Bei Kindern kann man Stress folgendermaßen einschätzen. Misst das Stressmessgerät um 5 Mikrosiemens heißt das, das Kind befindet sich in einer Entspannungsphase, alles über 30 Mikrosiemens ist eine Stressphase."

Wir beginnen unseren Test mit der 10-jährigen Lara. Die Schülerin startet mit einem entspannten Frühstück in den Tag. Kaum in der Schule angekommen, schießen die Werte bei Lara auf bis zu 80 Mikrosiemens! Ein hoher Wert! Laras Eltern hatten einen mittleren Wert geschätzt und damit die Stressbelastung ihrer Tochter deutlich unterschätzt. Die Mittagspause nach der Schule bringt zwar etwas Entspannung, doch schon beim Hausaufgaben machen am Nachmittag steigen die Stresswerte erneut. Aber die richtige Balance zwischen Hausaufgaben und Freizeit zu finden ist gar nicht so einfach. Bei einem Durchschnittswert von 25 Mikrosiemens sollten ihre Eltern anfangen umzudenken. Der Tipp des Experten: Vor allem regelmäßige Pausen senken den Stresslevel. Also nach der Schule lieber erst mal an die frische Luft gehen und dann erst an die Hausaufgaben setzen.

Kinder im Stress: Pausen sind wichtig!

Unser zweites Testkind Karim geht noch in die Vorschule. Sofort nach der Vorschule wird gespielt - Spaß oder Stress? Auffällig, Karim ist sehr schnell ungeduldig und schreit herum. Er wechselt schnell zwischen den Spielen hin und her. Karims Stresswert liegt durchschnittlich bei 27 Mikrosiemens. Ein hohes Stresslevel und zwar nur beim Spielen!

Der Tipp des Experten: Damit Karim sich nicht weiter reinsteigert in die Wut und die Aggression immer mit ins das nächste Spiel reinnimmt, sind auch hier Pause wichtig! Und die Mutter sollte ihn zwischendurch loben. Manchmal ist weniger Aktion eben mehr. Denn auch Kinder brauchen ab und zu einfach mal ihre Ruhe.

Louisa - unsere dritte Testerin - ist die Älteste. Auch die 13-Jährige und ihre Mutter sind sich nicht bewusst, wie viel Stress der Teenie tatsächlich hat. Doch bereits morgens in der Schule erreicht Louisa alarmierende Werte von bis zu 40 Mikrosiemens. "Schulstress kann genauso krank machen wie Arbeitsstress bei Erwachsenen.“, warnen Psychologen. Eine mögliche Folge sind schelle Ermüdung und Schlaflosigkeit .

Und für Louisa geht der Stress auch am Nachmittag weiter: Nach einer knapp halbstündigen Mittagspause geht es direkt zum Handballtraining. So erreicht sie Stresswerte von bis zu 90 Mikrosiemens. Werte, die sonst nur gestresste Manager haben. Für unseren Experten ein alarmierendes Ergebnis. "Das ist so wie, als würden Sie Ihr Auto permanent auf 220 km h fahren ohne zu bremsen mal. Wer so arbeitet, bricht am Abend zusammen.", warnt der Mediziner.

Nicht nur Louisa muss lernen, auch mit Langeweile und Nichtstun umzugehen, um auf Dauer ausgeglichener zu sein. Unser Test hat gezeigt: Man sollte die Stressbelastung auch bei Kindern in jedem Fall ernst nehmen. Und wenn die den Nachmittag mit einer Pause starten und sich nicht übernehmen, müssen sich auch ihre Eltern keine Sorgen machen. Denn nur ein entspanntes Kind ist auch zufrieden und das senkt defintiv auch den Stresswert der Eltern.

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