Schlecker: Wie geht es für die Mitarbeiterinnen nach Schließung weiter?

Meist sind die Schlecker-Mitarbeiterinnen schon älter. Finden Sie einen neuen Job?
Meist sind die Schlecker-Mitarbeiterinnen schon älter. Finden Sie einen neuen Job? © picture alliance / dpa, Becker & Bredel

Schlecker schließt rund 2.100 Filialen

Am vergangenen Samstag wollte ich im Schlecker bei mir auf der Straße nur schnell Zahnpasta kaufen. Ich betrat den Laden - und stutzte. Die Schlange an der Kasse war endlos, die Dame an der Kasse hoch beschäftigt. Mir wurde klar, was geschah: Es gab 30 Prozent Rabatt auf alles, der Laden wurde leer gekauft – "mein" Schlecker gehört zu den rund 2.100 Filialen, die in Deutschland aufgrund der Insolvenz der Drogeriekette geschlossen werden.

Von Christiane Mitatselis

Die Dame an der Kasse wird demnächst wie 11.000 ihrer Kolleginnen arbeitslos sein. Sie ließ sich nichts anmerken und machte ihre Arbeit ebenso freundlich und gewissenhaft wie in all den Jahren zuvor. "Ja, es hat uns erwischt", sagte sie, als ich sie fragte, ob es wirklich wahr sei, dass der Schlecker geschlossen werde. "Wir sind alle sehr traurig", fügte sie hinzu und rang sich sogar ein Lächeln ab.

Schlecker: Mitarbeiterinnen verdienen Hilfe

Es ist tatsächlich eine traurige Angelegenheit. Die freundliche Schlecker-Frau machte den Job 15 Jahre lang. Sie war meistens allein im Laden. Sie musste die Ware sortieren, auszeichnen und bestellen. Sie musste dekorieren, kassieren und gleichzeitig noch darauf achten, dass nichts gestohlen wurde. All das wurde von ihr verlangt. Es war ein harter Job, aber sie machte ihn gern, da sie eine feste Anstellung hatte und nach Tarif bezahlt wurde. Sie bekam im Monat 2.100 Euro brutto. Solche Jobs sind selten geworden im Einzelhandel. Verkäuferinnen werden oft nur auf 400-Euro-Basis eingestellt.

Nun ist sie ihren Job los, aber sie freut sich, dass sie nicht allein gelassen wird: Es ist eine schöne Nachricht, dass es wohl eine staatliche Transfergesellschaft für die Schlecker-Mitarbeiterinnen geben wird. Ein Jahr lang werden sie 60 Prozent ihres Netto-Lohn erhalten (Frauen, die Kinder haben, bekommen 67 Prozent). Sie sollen die Möglichkeit bekommen, sich weiter zu qualifizieren und in neue Jobs vermittelt werden. 70 Millionen Euro soll diese Transfergesellschaft kosten. Das sei viel zu teuer, unken die Kritiker. Politiker kümmerten sich immer nur um Arbeitslose, wenn eine große Firma pleite gehe. Das sei Populismus, obendrein Wettbewerbsverzerrung. Alle Arbeitslosen müssten gleich behandelt werden.

Sicher ist all dies nicht ganz von der Hand zu weisen - man kann es aber auch so sehen: Die Schlecker-Mitarbeiterinnen haben Hilfe verdient. Sie sind das, was man patente Frauen nennt, sie können gut und selbstständig arbeiten. Die freundliche Dame aus dem Schlecker auf meiner Straße wird zum Beispiel versuchen, eine Weiterbildung in EDV und Buchhaltung zu bekommen. Sie könnte dann auch offiziell einen Laden führen. Inoffiziell hat sie das in all den Jahren bei Schlecker ohnehin schon getan.

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