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Schlecht gelaunte Kinder: Was tun, wenn die Kinder sich daneben benehmen?

Schlecht gelaunte Kinder: Was tun, wenn die Kinder sich daneben benehmen?
© Igor Dutina - Fotolia, Igor Dutina

Langeweile und Müdigkeit sind Ursachen für schlechtes Benehmen

Thanksgiving im Weißen Haus, ein offizieller Termin: Die Obama-Töchter Sasha (13) und Malia (16) zeigten gelangweilte Mienen und trugen ihre "gemäßigten" Girlie-Outfits zur Schau. Dafür hagelte es Kritik - aber sie waren doch immerhin da!

Von Jutta Rogge-Strang

Ich höre es schon, als wären es meine eigenen Kinder: "Daddy hat wieder einen Presse-Termin, da müssen wir dabei sein. Ooooh, geht das nicht auch mal ohne uns? Was haben wir damit zu tun?" Unwillig wird das iPhone beiseite gelegt und ("Zieht euch gefälligst was Vernünftiges an!") das ganz kurze Röckchen mit dem etwas längeren getauscht. Welche Eltern kennen das nicht? Manchmal müssen die Kinder eben zu einer Veranstaltung "getragen werden" - eben oft auch gegen ihren Willen.

Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass ich einige Gottesdienste mit den (kleinen) Kindern vor der Kirche verbracht habe, während mein Mann drinnen unsere Familie repräsentiert hat. Das Gezappel und Gewusel nach einer halben Stunde feierlicher Predigt war nicht mehr zu ertragen und wurde besser vor der Tür abgefeiert. In Berlin wird den Eltern vor der Predigt sogar offiziell erlaubt, mit den Kindern vor der Tür zu warten, um die anderen Gottesdienst-Teilnehmer nicht zu stören - eine sehr gute Idee!

Auch festliche Abendessen mussten gerne mal frühzeitig abgebrochen werden, wenn die Kleinen die Tafel zum Kinderzimmer umfunktioniert hatten. Das ist der pure Stress für die Eltern, denn die möchten sich gerne im besten Licht präsentieren, auch zusammen mit ihrer eigentlich wohlgeratenen Brut. Aber gegen Langeweile oder Müdigkeit bei Kindern ist noch kein Kraut gewachsen. Und so zeigen sich die Eltern lernfähig und beugen ihr Haupt demütig vor den Dingen, die sich partout nicht ändern lassen.

"Ich habe echt keinen Bock auf sowas!"

Bei kleinen Kindern hat dafür auch jeder Verständnis. Aber wie sieht es in der Pubertisten-Fraktion aus? Können die sich nicht ein Mal zusammenreißen? Theoretisch schon, wie auch das Beispiel von Sasha und Malia zeigt. Immerhin waren sie ja schließlich anwesend, wenn auch nicht mental. Denn es gibt in der Welt von Jugendlichen weitaus wichtigere Dinge als öffentliche Auftritte zusammen mit Daddy. Zum Beispiel den neuen Film von XX, die neue Platte von YY oder das Date mit dem allersüßesten Jungen von allen auf der ganzen Welt, I like, Hdgdl*!

Tja. Was soll man da machen? Ich glaube ja fest daran, dass sich das irgendwann rauswächst. Hat ja bei den meisten anderen Erwachsenen auch geklappt. Und bis dahin heißt es: Zähne zusammenbeißen und gute Miene zum bösen Spiel machen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten haben Sasha und Malia ja durchaus guten Willen gezeigt. Ich finde, das kann man respektieren. Restlose Begeisterung zu erwarten wäre ja wohl auch etwas zu viel verlangt. Immerhin sind die beiden gerade komplett mit anderen Dingen beschäftigt.

Nur wer keine Kinder hat, stellt sich die Welt nach Erwachsenen-Maßstäben vor. Wo man mit Zwang genau das bekommt, was man möchte. Das klappt bei Kindern und Jugendlichen aber nur bedingt, und das ist auch gut so. Sonst könnten wir ja getrost Maschinen an unsere Seite stellen, die wir nach Lust und Laune programmiert haben. Aber eigentlich möchten wir ja, dass unsere Kinder irgendwann einmal selbst denken und entscheiden können, und dazu gehört eben auch, dass sie Fehler machen dürfen. Auch, wenn uns das nervt. Auch, wenn andere darüber meckern. Auch, wenn wir manchmal ausrasten könnten.

Aber wir Erwachsene sind eben auch nur Menschen. Und deshalb sollten wir diese "Menschen-Kinder" anleiten und sie in der schwierigen Orientierungsphase begleiten. Mehr oder eben weniger verständnisvoll, aber mit Respekt. Gute Nerven sind dabei extrem hilfreich, und am besten auch eine große Portion Humor. Denn wer weiß schon wirklich, was in den Hormon-geschwängerten Hirnen von Jugendlichen vor sich geht? In 10 Jahren lachen wir wahrscheinlich darüber...

* Hab dich ganz doll lieb!

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