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Schlaftabletten: Erhöhte Suchtgefahr für Frauen

Statt tief zu schlafen, liegen Millionen wach
Statt tief zu schlafen, liegen Millionen wach Schlafprobleme oft der Einstieg in Tablettensucht 00:02:50
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Experten warnen vor Schlafmittel-Boom

Jeder dritte Deutsche schläft schlecht, kann nicht einschlafen oder wird mehrfach in der Nacht wach. Viele - vor allem Frauen - greifen deshalb zu Tabletten. Die helfen zwar schnell, machen dafür aber auch extrem schnell abhängig.

Schlaftabletten-Gefahr
Schlafmittel boomen in Apotheken. Denn wenn es Nacht wird in Deutschland, beginnt für viele Frauen der Stress. © picture alliance / dpa Themendie, Monique Wüstenhagen

Wenn es Nacht wird in Deutschland, beginnt für viele der Stress. Sie können nicht einschlafen, wälzen sich im Bett, kommen nicht zur Ruhe. Statt tief zu träumen, sind Millionen wach. Ein Albtraum, der immer wiederkehrt. Wer nachts wach liegt, baut Druck auf, will um jeden Preis schlafen. Dann funktioniert es erst recht nicht - das kennen in der Selbsthilfegruppe in Klingenmünster alle. Sie wollen das Schlafen wieder lernen, tauschen sich aus und trainieren nächtliche Gelassenheit.

Sie alle wollen es ohne Tabletten schaffen, dabei ist der Griff zum Schlafmedikament verlockend. Denn es wirkt schnell und zuverlässig. Doch teilweise kommt es schon innerhalb weniger Wochen zur Abhängigkeit. Die Schlafpille wirkt nicht mehr, der Patient erhöht die Dosis. Die Suchtkarriere beginnt - mit vielen Nebenwirkungen.

"Grundsätzlich ist es so, dass mehr Frauen von Schlafstörungen betroffen sind als Männer. Das heißt, es werden auch eher Frauen mit Schlafmitteln behandelt", sagt Dr. Hans-Günter Weeß vom Schlafzentrum Klingenmünster. Damit sei für Frauen auch das Risiko höher, eine Schlafmittelabhängigkeit zu entwickeln.

Schlaf- und Beruhigungsmittel sind nicht harmlos

Fast 1,5 Millionen Deutsche sind süchtig nach Schlaftabletten. Vor allem Hausärzte verschreiben die Medikamente zu schnell, beobachtet der Schlafmediziner. Allein 2014 wurden 18,7 Millionen Packungen von Schlaf- und Beruhigungsmitteln in den Apotheken verkauft. Dass zu schnell verschrieben wird, glaubt auch Johannes Schröder. In seiner Apotheke in Köln ist der Umsatz an Schlafmitteln kontinuierlich gestiegen.

Dass Schlafmittel so schnell abhängig machen, wissen viele Patienten nicht. Und den meisten Ärzten fehlt die Zeit für Gespräche. In einem Projekt wurden Apotheker geschult - sie sollten in Absprache mit den Ärzten die Patienten über die Wirkung von Schlaftabletten aufklären. Mit gutem Erfolg.

Die Therapie in Klingenmünster geht das Problem der Insomnie mit anderen Methoden an: Schlaftagebücher, Verhaltenstraining, feste Bettzeiten und vor allem Entspannung - all das soll gegen die Schlaflosigkeit helfen und das nächtliche Schäfchenzählen endgültig beenden.

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