FAMILIE FAMILIE

Schlafstörung statt ADHS bei Kindern

Schlafstörung statt ADHS bei Kindern
Fehldiagnose ADHS: Schlafstörung statt ADHS bei Kindern © picture alliance / ZB, Patrick Pleul

ADHS wird oft fälschlicherweise diagnostiziert

Immer mehr Kinder sind hyperaktiv. Sie zappeln herum, können sich nicht oder schlecht konzentrieren und zerren mit ihrem Verhalten an den Nerven von Eltern, Lehrern und Mitschülern. Und immer häufiger wird von Ärzten die Diagnose "ADHS" ausgesprochen. Dabei kann die Hyperaktivität bei Kindern auch einen ganz anderen Grund haben: Schlafmangel.

Ärzte warnen, dass die Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung ADHS oft, aber noch lange nicht immer Ursache für das rastlose, aufgekratzte Verhalten von Kindern und Jugendlichen ist. So sei bei etwa 25 Prozent der Kleinen vielmehr Schlafmangel die Ursache für ihre Hyperaktivität.

Schlafstörungen bei Kindern äußern sich im Alltag anders als bei Erwachsenen, weswegen sie häufig gar nicht erkannt werden. Für eine Studie der Uni Köln wurden etwa 13.000 Eltern und deren Kinder über einen Zeitraum von vier Jahren beobachtet. Etwa ein Drittel der Eltern hatte die Schlafstörungen ihrer Kinder überhaupt nicht wahrgenommen. Während Erwachsene nach einer unruhigen Nacht mit wenig Schlaf tagsüber nämlich abgeschlagen und müde sind, drehen viele übermüdete Kinder am Tag erst so richtig auf. Die Kinder laufen ständig von A nach B, weil sie sich eben nicht lange auf eine Sache konzentrieren können.

Zahnprobleme als Ursache für Schlafmangel

Um organische Ursachen für den Schlafmangel und die dadurch bedingte Hyperaktiviät auszuschließen, sollten Eltern für ihre Kinder einen Termin beim Kieferorthopäden und/oder Hals-Nasen-Ohrenarzt vereinbaren. Denn häufig sind vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln (Polypen) oder ein Überbiss durch eine Kieferfehlstellung die Ursache. Dadurch bekommen die Kinder nachts schlechter Luft, wachen häufiger auf oder schnarchen. Das alles stört den Schlaf. Und je früher die Symptome behandelt werden, umso besser.

Aber neben den körperlichen sind es oft psychische Probleme, die Kindern den Schlaf rauben. Etwa 40 Prozent aller Grundschulkinder leiden unter Alpträumen. Viele können die zahlreichen Eindrücke des Tages noch nicht verarbeiten, haben Probleme in der Schule oder leiden unter Mobbing durch Mitschüler. Vor allem in sich gekehrte Kinder verarbeiten die Eindrücke in der Nacht und reagieren auf den Stress mit Zähneknirschen. Aber auch Schlafwandeln ist ein Phänomen, das häufig auftritt.

Eltern sollten darauf achten, dass ihr Kind möglichst jeden Abend um die gleiche Zeit ins Bett geht. Der Fernseher, PC oder die Spielekonsole sollten nach Möglichkeit schon mindestens zwei Stunden zuvor abgestellt werden. Stattdessen sollten Eltern ihre Kinder fragen, wie ihr Tag war, gegebenenfalls versuchen, vorausgegangene Streitigkeiten zu klären und für eine ruhige Atmosphäre sorgen. Eltern können ihren Kindern beispielsweise auch etwas vorlesen, gemeinsam singen oder aber den Kindern ein Hörspiel einlegen. Das alles hilft beim Ein- und Durchschlafen der Kleinen.

Erst wenn Schlafmangel als Ursache für die Hyperaktivität ausgeschlossen werden kann, ist eine Untersuchung auf ADHS sinnvoll.

Anzeige