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Schlafmangel: Das passiert im Körper, wenn wir übermüdet sind

Professor erklärt: So wichtig ist Schlaf
Professor erklärt: So wichtig ist Schlaf Fit durch optimale Ruhezeiten 00:02:35
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Das Gehirn braucht Schlaf, um sich selbst zu reinigen

Bekommen Sie genügend Schlaf? Immer mehr Menschen antworten auf diese Frage mit "nein". Schlafstörungen sind inzwischen eine echte Volkskrankheit. Etwa fünf Millionen Deutsche finden nachts kaum Ruhe - und das Problem sollte niemand auf die leichte Schulter nehmen. Denn Schlafmangel hat teilweise drastische Konsequenzen für unseren Organismus.

Müde Frau gähnt
Schlafmangel ist nicht gut für den Körper. © picture alliance / dpa Themendie, Monique Wüstenhagen

Wie heftig dauerhafter Schlafentzug dem Körper schadet, zeigt etwa das Beispiel Randy Garner. 1965 blieb der damals 17-Jährige für ein Experiment insgesamt elf Tage lang wach. Er litt in dieser Zeit nicht nur unter Konzentrationsschwächen, sondern auch unter Paranoia und Halluzinationen. Seine Sehfähigkeit war bereits am zweiten Tag stark eingeschränkt. Kurz darauf fiel es ihm schwer, Objekte in seiner Hand zu erkennen. Der Grund: Schlaf ist wichtig für die Regeneration des Gehirns.

Im Wachzustand produzieren die Nervenzellen im Gehirn Abfallprodukte, die nachts abgebaut werden müssen. Eines davon ist Adenosin, das Schlafdruck verursacht und die Augen schwer macht. Werden die Abfallprodukte im Hirn nicht abgebaut, droht bald Überlastung. Im Schlaf arbeitet im Gehirn das glymphatische System - ein Säuberungsmechanismus, der mit Hirnflüssigkeit die Abfallstoffe wegspült und dem Gehirn erlaubt, sich über Nacht neu zu festigen und Erlebtes und Erlerntes einzusortieren. Auch die Verdauung verändert sich, die Muskelspannung lässt nach und der Blutdruck wird gesenkt, wenn der Mensch schläft. Ein gehemmter Eiweißabbau sorgt dafür, dass Proteine nachts Zellen regenerieren, die am Tag beschädigt wurden - zum Beispiel durch Stress. Schlaf heilt also nicht nur den Kopf, sondern den ganzen Körper.

Wenig Schlaf schwächt das Immunsystem

Studien zufolge nimmt fehlender Schlaf mehr Einfluss auf das Erkältungsrisiko als die Faktoren Alter, Ernährung, Stress und Rauchen. Außerdem leidet der Stoffwechsel. Wer durchschnittlich weniger als fünf Stunden schläft, steigert sein Diabetes-Risiko auf das 2,5fache und sein Schlaganfall-Risiko sogar auf das 4,5fache.

Schlafmangel kann übrigens auch ein Symptom für ernsthafte Krankheiten sein. Organische Erkrankungen, Herz-, Nerven- und auch Muskelprobleme beeinflussen den Stoffwechsel und stören so den Schlaf. Dasselbe gilt für einen ungesunden Lebenswandel mit viel Kaffee, Zigaretten und Alkohol.

Wie viel Schlaf jeder Mensch benötigt, unterscheidet sich individuell je nach Alter und genetischer Veranlagung. Forscher empfehlen etwa sieben bis acht Stunden Schlaf bei Erwachsenen und bis zu zehn Stunden Schlaf bei Jugendlichen.

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