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Schimpfwörter bei Kindern - die Faszination des Verbotenen

Darum sind Schimpfwörter für Kinder so faszinierend
Darum sind Schimpfwörter für Kinder so faszinierend Und SO gehen Sie als Eltern damit um 00:02:56
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Ist 'Pupsmann' noch ok - oder muss ich einschreiten?

"Der Paul ist 'ne olle Kackwurst!" Mit geballten Fäustchen läuft mein Vierjähriger neben mir her. Ich reagiere, wie man es von einer Mutter erwartet: "Kackwurst sagt man nicht". "Aber der hat mein Lego-Gebautes kaputt gemacht." Ok, das ist wirklich nicht nett. Ich pflichte ihm bei, dass er allen Grund hat, sauer zu sein und dass Paul sowas auch wirklich nicht machen darf. Und dass man Kackwurst trotzdem nicht sagen darf. Aber damit ist das Thema nicht vom Tisch, also das Thema Fäkalsprache.

Schimpfwörter bei Kindern - die Faszination des Verbotenen

Von Britta Dorn

Als mein Sohn ein paar Tage später mit einem Rudel anderer Kinder "Pupsmann, Pupsmann!"- schreiend durch den Park rennt, ist sie endgültig geweckt bei ihm, die Lust an fiesen Wörtern. Ich mache also das, was alle anderen Mütter auch machen: Ich warte erst mal ab, was die anderen Mütter machen. Und dann aber ganz schnell handeln! Da gibt es ja ganz unterschiedliche Herangehensweisen.

Die Laissez-Faire-Mom bleibt konsequent in ihr Buch vertieft und tut so, als höre sie nichts. Die Helikopter-Mom rennt wild gestikulierend hinter der Horde her und versucht sich dadurch Gehör zu verschaffen, indem sie ihren Sprössling ermahnt, dass "die anderen ja sowas sagen können, wenn sie wollen, aber WIR sagen solche Bäh-Wörter ja nicht" – vergeblich. Tja, und dann gibt es da noch die Hin-und-Hergerissenen, die "Pupsmann" eigentlich nicht so wirklich schlimm finden, sich aber nicht sicher sind, ob man aus Prinzip nicht doch einschreiten müsste. Ich entscheide mich dagegen, nehme den Kleinen auf dem Nachhauseweg aber ins Gebet.

Mein kleiner, unverdorbener Sohn!

In den nächsten Wochen ist erst einmal Ruhe, bis uns der sechsjährige Kindergartenfreund meines Sohnes besucht. Die beiden raufen im Wohnzimmer und auf einmal traue ich meinen Ohren nicht. "Gleich tret' ich dir in die Eier", sagt dieser Kerl auf einmal zu meinem kleinen, zarten, unverdorbenen Sohn. Der starrt ihn verständnislos, aber doch schon sehr entzückt und in der Vorahnung, dass es sich hierbei um einen gaaanz verbotenen Ausdruck handeln muss, an und dann gucken beide völlig geschockt zu mir. Noch ehe ich was sagen kann, korrigiert sich der Flegel schnell: "Äh, in die Hoden". Aha, geht doch. Die böse Redewendung hat mein Sohn dann aber offenbar wieder vergessen. Zumindest hab ich sie nie wieder gehört.

Die Vorliebe für fiese Wörter hat zum Glück wieder abgenommen. "Scheiße" oder "Kacke" fallen zwar weiterhin in regelmäßigen Abständen, aber hey, diese Ausdrücke sind ja wohl auch fester Bestandteil im Erwachsenenwortschatz. Das wissen auch die Kleinen. So mahnte meine Freundin letztens ihre Tochter: "Scheiße ist ein Wort für Große. Und die dürfen das auch nur ganz selten sagen". Darauf die Kleine vehement: "Dann musst du das mal Lukas Mama sagen. Die sagt das nämlich ganz oft".

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