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Schilddrüse: Das unterschätzte Organ

Hashimoto-Syndrom
Hashimoto-Syndrom Familie leidet unter Immun-Erkrankung 00:02:37
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Die Schilddrüse hat mich dick und traurig gemacht!

"Alle kannten mich schlank, sportlich aktiv und als Königin der guten Laune", erzählt Sandra von sich. Doch vor drei Jahren lief das Leben der heute 34-jährigen plötzlich ganz anders ab.

Schilddrüse: Das unterschätzte Organ
Die Schilddrüse hat Einfluss auf unsere Stimmungen.

Von Daniele Erdorf

Innerhalb weniger Monate fühlt sie sich immer schlechter: "Ich war permanent müde, konnte mich kaum aufraffen etwas zu tun und wurde immer träger." Zum Sport quälte Sandra sich nur noch mit äußerster Disziplin und spielte sogar mit dem Gedanken ihre Position als Torhüterin in der Hockey-Mannschaft aufzugeben.

"Obwohl ich trotz meiner Lustlosigkeit weiter trainiert und nichts an meinen Essgewohnheiten geändert habe, nahm ich dann auch noch in drei Monaten elf Kilo zu." Ein riesiger Frust für die gut aussehende Werbekauffrau. Keine Jeans, keine Bluse passte mehr. Der reine Horror! Verstopfungen quälten Sandra außerdem. Sie schob eine Diät ein, aber auch das brachte nichts. Sandra fühlte sich deprimiert und beim Blick in den Spiegel wurde alles nur noch schlimmer. "Meine Haare waren strohig und splissig und mein Gesicht sah aus wie das eines Teigmännchens vor dem Backen – aufgedunsen und fahl."

Freundinnen rieten ihr, sich vom Arzt durchchecken zu lassen und das war der entscheidende Tipp. Die Blutuntersuchung ergab, dass Sandra mit einer Unterfunktion der Schilddrüse zu kämpfen hatte. "Die Behandlung war simpel", erinnert sie sich. "Ich habe jeden Tag eine Tablette mit Schilddrüsenhormone und Jod eingenommen und nach einiger Zeit hat sich alles wieder eingespielt. Heute bin ich ganz die Alte und habe auch mein Ausgangsgewicht wieder zurück."

Die Schilddrüse trägt zum Wohlbefinden bei

Sandras Krankheitsbild ist nahezu klassisch für die Symptome einer so genannten Hypothyreose, einer Schilddrüsenunterfunktion. "Viele Patienten glauben bei derart diffusen Beschwerden zunächst an einen Infekt", weiß Renate Kimmerle, Ärztin für Innere Medizin und Endokrinologie zu berichten. "An die Schilddrüse denken dabei die Wenigsten". Kein Wunder, schließlich nehmen wir dieses kleine Organ in unserem Hals nur selten bewusst wahr.

Dabei trägt die Schilddrüse entscheidend zu unserem Wohlbefinden und unserer Leistungsfähigkeit bei. Sie produziert Hormone, die großen Einfluss auf den gesamten Stoffwechsel und damit auf verschiedene wichtige Körperfunktionen, wie Herzkreislauf-System oder Verdauung haben. Ist der Spiegel der Schilddrüsenhormone im Blut zu hoch oder zu niedrig, gerät das Stoffwechselgleichgewicht schnell aus den Fugen - teils mit gravierenden Folgen.

Frauen sind häufiger von Schilddrüsenerkrankungen betroffen

Frauen sind häufiger von Schilddrüsen-Erkrankungen betroffen.
Fehlfunktionen und Erkrankungen der Schilddrüse lassen sich heutzutage gut behandeln.

Zum Glück ist die Schilddrüse heute gut erforscht. Die medizinische Fachrichtung, die ihre Funktionsweise untersucht, konzentriert sich auf die endokrinen, also inneren Drüsen und heißt deshalb auch Endokrinologie. "Zirka 90 Prozent aller Fehlfunktionen und Erkrankungen der Schilddrüse lassen sich inzwischen mit minimalen Behandlungsmethoden wieder in Ordnung bringen", so die Fachärztin Renate Kimmerle. Eine gute Nachricht, denn nach aktuellen Zahlen weist ein Drittel aller Deutschen Veränderungen der Schilddrüse auf. "Frauen sind - aufgrund ihres ohnehin komplexeren - Hormonhaushaltes sogar dreimal häufiger betroffen als Männer", weiß Martin Grußendorf, Professor für Innere Medizin und Sekretär der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie zu berichten. Vorsicht ist vor allem in der Schwangerschaft geboten. Arbeitet die Schilddrüse der Mutter nicht richtig, kann das körperliche und geistige Schäden für das Ungeborene Leben bedeuten.

Überfunktion der Schilddrüse kann Herzfrequenz beeinflusst

Besonders gefährlich kann eine Überfunktion der Schilddrüse werden, weil sie die Herzfrequenz beeinflusst. Renate Kimmerle: "Vor zwei Jahren kam ein 29 Jahre alter Computerspezialist zu mir. Er war an die Einsachtzig groß und wog knapp über 50 Kilo. An ihm fiel sofort eine starke Unruhe und Nervosität auf. Trotz Luftnot und Herzrasen fand er seinen Zustand gar nicht problematisch. Seine Frau hatte ihn zu mir in die Praxis geschickt. Sie fand die Symptome nicht normal und wunderte sich, dass er tagsüber viel aß, jede Nacht den Kühlschrank plünderte und trotzdem in einigen Wochen 20 Kilo abgenommen hatte. Resultat der Diagnose: Der IT-Spezialist hatte eine schwere Überfunktion der Schilddrüse, die dauerhaft sogar zu schweren Herzproblemen hätte führen können."

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