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Scheidungsrecht wird angepasst: Entlastung für alleinerziehende Frauen?

Scheidungsrecht wird angepasst
Scheidungsrecht wird angepasst © Alena Ozerova - Fotolia

Warum wird das Scheidungsrecht geändert?

Es ist erst ein paar Jahre her, da wagte die damalige Regierung einen radikalen Schnitt: Im Falle einer Scheidung sollten die Partner nicht länger jahrelang Unterhalt von Anderen beziehen können, sondern nach kurzer Zeit selbst für sich sorgen. Ins Hintertreffen gerieten dabei viele Frauen, die jahrzehntelang Mutter und Hausfrau waren. Nun plant die Regierung das Gesetz zu deren Gunsten zu ändern.

Von Merle Wuttke

27 Jahre Ehe. Er macht Karriere, wird Chefarzt, sie betreut die Kinder, sorgt für ein schönes Zuhause, ist für die Familie da, während er in der Klinik arbeitet und dann - verguckt er sich in die neue Assistenzärztin. Will noch mal ganz vor vorn anfangen, durchstarten. Eine Familie gründen und diesmal mitbekommen, wie die Kinder aufwachsen. Also Scheidung. Da die Kinder aus erster Ehe bereits groß sind, bekommt seine Ex einen minimalen Unterhalt - sie kann ja jetzt selbst wieder arbeiten. Kann sie? Kann eine Frau, die fast drei Jahrzehnte wegen ihres Mannes aus dem Beruf ausgestiegen ist, und die zu alt ist, um als Praktikantin anzufangen, aber zu jung für die Rente, einfach so wieder in ein geregeltes Jobleben zurück kehren, dass ihr einen angemessenen Lebensstandard ermöglicht? Ist das fair?

Neues Unterhaltsrecht ab März 2013

Nein, ist es nicht. Genau wie in diesem Beispiel traf es seit dem neuen Unterhaltsgesetz von 2008 etliche Frauen, die noch eine klassische Versorger- oder "Hausfrauenehe" führten, nach der Scheidung wie ein Schlag: Plötzlich stand ihnen auch nach jahrzehntelanger Ehe nur ein Minimum an Geld zu, waren sie auf einmal selbst für ihre Existenz verantwortlich. Und meist chancenlos auf dem Arbeitsmarkt. Nicht wenige unter ihnen, vielleicht noch mit Kindern zu Hause, rutschten an die Armutsgrenze.

Genau das will die Regierung nun im nächsten Frühjahr wieder ändern, weil sie gesehen hat, dass der aktuelle Entwurf weit übers Ziel hinausgeht. Ein Ziel, das eigentlich modern ist und seinen berechtigten Platz hat, nämlich, dass auch in einer Ehe jeder finanziell für sich selbst verantwortlich ist, das aber in Deutschland immer noch nicht der Realität entspricht. Immer noch führen viele Paare eine Ehe mit klassischer Rollenverteilung - oft, weil es nicht anders geht oder es sich nicht lohnt. Einfach, weil er viel mehr verdient, und manchmal auch, weil beide es nicht anders wollen. Diese Schere zwischen Wirklichkeit und Theorie führte in den letzten Jahren zu Alleinerziehenden, die auf einmal nicht mehr wussten, wie sie ihre Kinder ernähren sollten, zu älteren Damen, die vorher Pelz trugen und nun zur Suppenküche gingen, um es überspitzt zu sagen. Der neue Entwurf soll nun vor allem die Rechte lang verheirateter Partner stärken und berücksichtigen.

Das ist gut und richtig, denn vor 25 Jahren stieg eine Mutter eben nicht mal eben sechs Monate nach der Geburt ihres Kindes wieder in den Job ein (wenn sie nicht musste) - das gehörte sich nicht.

Heute ist das anders, und auch das ist richtig. Um seiner selbst willen sollte man sich als Frau deshalb auch nach der Reform des Gesetzes nicht jahrelang auf die Mutterrolle beschränken, in der Hoffnung, dass die Ehe hält oder der später Partner zahlt. Junge Mütter und Frauen können arbeiten gehen, wenn sie wollen. Diese Eigenverantwortung kostet Kraft, Energie, sie macht ein schlechtes Gewissen und birgt Konflikte, aber sie hilft, schützt auch und nichts macht stolzer, als das Gefühl sein eigenes Geld zu verdienen. Außerdem gerät man dadurch im schlimmsten Fall nach einer Trennung nicht in die aktuelle Situation vieler Alleinerziehender: In der neuen "Düsseldorfer Tabelle" für 2013, dort werden deren Unterhaltsansprüche geregelt, gab wieder einmal eine Nullrunde für Trennungskinder.

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