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Scheidungskinder - wo wohnt das Kind? Residenzmodell, Wechselmodell, Nestmodell

Residenzmodell, Wechselmodell, Nestmodell
Für die Kinder die schönste Variante bei einer Scheidung: Das Nestmodell!

Welches Modell ist am besten für Kinder?

Erziehungswissenschaftler sind sich einig: Ein perfektes Modell gibt es nicht. Eltern sollten sich an erster Stelle einig sein - danach muss der Alltag individuell an das Leben aller Beteiligten angepasst werden.

Manche Kinder kommen prima zurecht, wenn sie die eine Hälfte der Woche beim Papa sind und die andere Hälfte der Woche dann zur Mama ziehen. Für einige ist dieses Hin und her jedoch viel zu unruhig und sie sind lieber zwei Wochen am Stück bei einem Elternteil und wechseln erst nach 14 Tagen.

Wieder andere Trennungskinder mögen das Gefühl ganz und gar nicht, nirgends so richtig zuhause zu sein, und brauchen eine andere Lösung. Die könnte zum Beispiel sein, dass ein Kind, das bei der Mutter wohnt, vom Vater jeden Nachmittag von der KiTa abgeholt wird. Wichtig ist, Eltern müssen feste Abläufe finden, an denen sich die Kinder orientieren können.

Wer wohnt wo? Die verschiedenen Modelle für Scheidungskinder

Residenzmodell: Der Klassiker unter den Scheidungskinder-Modellen

Heute wird bei einer Scheidung meist das gemeinsame Sorgerecht ausgesprochen. Die Kinder bleiben jedoch bei dem Elternteil, der sich in den letzten Jahren vordringlich um sie gekümmert hat. Das ist auch heute noch meist die Mutter. In diesem Modell hält sich das Kind überwiegend bei einem Elternteil auf. Der Vater erhält ein Umgangsrecht, bzw. Besuchsrecht. Fast schon Standard ist die Regelung, dass in außergerichtlichen Elternvereinbarungen oder Gerichtsurteilen in Umgangsverfahren ein Umgang an jedem zweiten Wochenende vereinbart wird. Dieser dauert dann meist von Freitagmittag nach Schule oder Kindergarten bis Sonntagabend. Ebenfalls werden die Ferien aufgeteilt und auch die Feiertage gehören in eine Besuchsvereinbarung. In dieser schriftlich festgehaltenen Vereinbarungen wird genau festgehalten, wann und wie oft das Kind zu Besuch kommt, wie lange es bleibt, welche Feiertage wo verbracht werden und wer die Kosten dafür übernimmt. Sind die Kinder im Babyalter oder werden sie noch gestillt, wird meist ein stundenweiser Kontakt 1x pro Woche zugelassen, ab drei Jahren lässt man manchmal auch Übernachtungen zu.

Wechselmodell: Hier kommen beide Eltern gleich oft dran

Das Wechselmodell, auch Pendelmodell oder Doppelresidenzmodell

genannt ist nach der Trennung für die Kinder ein sehr faires Modell. Die Betreuungszeiten beider Eltern sind möglichst gleich. Eine gesetzliche Regelung gibt es hierzu nicht. Es darf für das Kind z.B. nur ein Hauptwohnsitz eingetragen sein, das Kindergeld geht ebenfalls nur an ein Elternteil. Andere Länder, wie z.B. Frankreich, Tschechien und Italien sind in dieser Sache schon wesentlich fortschrittlicher, so wurde das Wechselmodell dort schon gesetzlich verankert.

Der Wechsel findet regelmäßig statt. Ob alle zwei Tage oder immer nach zwei Wochen ist von den individuellen Bedürfnissen und auch der Erfahrung abhängig. Eine genaue 50:50-Regelung ist kaum durchzusetzen. Auch ein flexibles Einspringen der Eltern ist absolut üblich und kann z.B. durch ein 'Zeit-Punkte-Konto' helfen, dass nicht einer immer einspringt und sich damit ausgenutzt fühlt.

Nestmodell: Die Kinder dürfen zu Hause bleiben - die Eltern pendeln

Dieses Modell kann besonders direkt nach der Trennung eine Interimslösung sein. Das Kind bleibt in der gemeinsamen Wohnung und die Eltern wechseln sich mit der Betreuung ab. Auch als Dauerlösung hat dieses Modell eine Existenzberechtigung, obwohl es in Deutschland nur wenige Familien praktizieren. Beide Eltern haben noch einen zweiten Wohnsitz und tragen die Konsequenzen ihrer Trennungsentscheidung selbst. Alles bleibt für die Kinder, wie es war - der einzige Unterschied - die Eltern sind nicht gemeinsam in der Wohnung. Für die Erwachsenen eine unbequeme und auch teurere Lösung, jedoch würde man die Kinder fragen, würde dieses Modell wohl oft den Vorzug bekommen.

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