Scheidungsgen: Die Scheidung liegt in den Genen

Scheidungsgen: Die Scheidung liegt in den Genen
????? © Tomasz Trojanowski - Fotolia

Viele Frauen haben das Scheidungsgen

Neue Hoffnung für Millionen Beziehungsgestörte! Bald gibt’s die Anti-Trennungs-Pille! Denn jetzt enthüllen Forscher des Stockholmer Karolinska Instituts, warum manche Ehen halten, bis dass der Tod sie scheidet, und andere Beziehungen nicht mal mit der Mindesthaltbarkeit von Hackfleisch konkurrieren können. Natürlich sind die Frauen schuld! Anscheinend haben Einige in ihren Genen eine böse tickende Anti-Beziehungs-Bombe versteckt.

Von Dagmar Baumgarten

Wenn sich also auch der 1.000 Prinz immer wieder als Frosch entpuppt, braucht man sich nie wieder mit Selbstzweifeln zu quälen. Das Geld für teure Paar- Therapien legt man besser in einen Gen-Test an. Mehr als 1.800 Frauen haben die schwedischen Wissenschaftler untersucht. Und alle Frauen, die sich häufiger trennten als der Durchschnitt, trugen dieses Anti-Beziehungs-Gen in sich. Also ist die böse DNA mal wieder schuld! Aber ist sie das nicht immer?

Früher vor ganz langer Zeit, als sich die Gen-Forscher noch Druiden nannten, gaben sie noch beleidigten Göttern oder Dämonen die Schuld, wenn der innere Schweinehund sich mal wieder brüllend über jede Disziplin hinweggesetzt hat, oder wenn sonst irgendwas schief lief. Heute kramt man solange in der Doppel-Helix herum, bis man irgendein krummes Gen gefunden hat, was menschliche Fehler erklärt.

Sie haben schon zigtausend Mal aufgehört zu rauchen und zigtausend Mal wieder angefangen? Nicht Ihre Schuld. Das ist das verdammte Sucht-Gen. Erschrecken Sie sich manchmal vor sich selber, weil Ihnen bei scheinbar nichtigen Anlässen die Wut durch die Adern pumpt, und alles in Ihnen nur noch "Gleich bringe ich ihn um!" schreit? Keine Angst, Sie sind kein schlechter Mensch - das ist das böse Killer-Gen! Sie laufen an einem Schaufenster vorbei, und obwohl sie nichts weniger brauchen als ein neues Paar Schuhe, wandern die Pumps keine fünf Minuten später in Ihre die Tüte. Wehren Sie sich nicht dagegen. Ist halt das gemeine Sammel-Gen.

Scheidungsgen - sind Gene nicht immer schuld?

Und genauso ist es auch bei Trennungen. Verzweifeln Sie also nicht, wenn ausgerechnet die eigene Mutter den Kopf schüttelt und mit vorwurfsvollen Blick fragt: "Kind, warum hast du den denn bloß gehen lassen? Der war doch so nett. Ich hätte ja auch eigentlich gerne mal Enkelkinder. Du endest noch als ganz einsame Jungfer, wenn du dich nicht mal ein bisschen zusammenreißt!" Statt sich schuldbewusst abzuwenden, können Sie jetzt getrost mit den Schultern zucken, und sagen: "Tja, das seid ihr doch selber schuld!" Denn schließlich verdanken wir unsere Gene ja unseren Eltern!

Aber was genau bewirkt das Scheidungs-Gen eigentlich? Löst es den Zwang aus, genau zur Sportschau-Zeit über die eigenen Menstruations- Probleme reden zu wollen? Oder lässt es unsere Zunge beim Sex den Namen seines besten Freunds schreien? Ganz so schlimm ist es wohl nicht, aber das Gen manipuliert unsere Hormone. Frauen mit einem Scheidungs-Gen können das Hormon Oxytocin nicht richtig verarbeiten. Fatalerweise ist das aber genau der Stoff aus dem die gemeinsamen Kuschel-Träume sind, weil es das Gefühl von Geborgenheit verstärkt. Oxytocin lässt uns anschmiegsam werden und löst das Bedürfnis nach Bindung aus. In wahren Fontänen ergießt es sich in weibliche Körper, wenn sie das erste Mal ihr Baby an die Brust gelegt bekommen.

Hapert es mit den Hormonen, macht sich das laut den schwedischen Wissenschaftlern bei Beziehungen bemerkbar. Die Frauen fühlen sich in Beziehungen nicht so wohl, und weil sie sich bei ihrem Partner nicht auf Dauer fallen lassen können, fühlen die sich auch ungeliebt, und werden unglücklich. Aber jetzt wissen wir ja, woran es liegt. Wer jetzt allerdings ernsthaft eine Wunderpille verspricht, denkt wohl eher an gigantisch viel Bares, statt an geheilte Beziehungen. Denn wie für alle Dinge in der Gen-Forschung gilt auch hier: Die Gen- Auffälligkeiten sind ein Hinweis - mehr nicht. Ob und wie ein Mensch in seinem Leben Beziehungen eingeht, hängt an viel mehr Faktoren, als nur einem Gen.

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