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Scheidung und Psyche: Die drei Phasen einer Trennung

Eine Scheidung hat immer auch Folgen für die Psyche.
Scheidung und Psyche: Das passiert während der Trennungsphasen © WavebreakMediaMicro - Fotolia

Scheidung und Psyche: Gefühle in den Trennungsphasen

Heike Upmann, von der Beratungsstelle 'Frauen informieren Frauen', hat im Laufe ihrer mehr als 20 jährigen Tätigkeit als Trennungsberaterin festgestellt, dass Frauen bestimmte seelische Probleme besonders oft bei Scheidungen entwickeln:

"Diejenigen, die verlassen werden, haben Selbstwertprobleme. Sie glauben, nicht genügt und etwas falsch gemacht zu haben. Vor allem dann, wenn sie von ihrem Mann wegen einer anderen Frau verlassen wurden." Frauen, die selbst aktiv werden und aus einer Beziehung ausbrechen drückt ganz anders der Schuh: "Sie leiden unter Schuldgefühlen", weiß Upmann, "sowohl dem Partner, wie auch den Kindern gegenüber. Sie stellen ihren Schritt meist auch lange in Frage".   

Bei einer Scheidung gibt es drei Trennungsphasen

Psychologen unterscheiden vor allem drei Trennungs-Phasen bei einer Scheidung. Diese durchleben Männer und Frauen gleichermaßen:

In Phase 1 möchte der oder die Getrennte oft nicht wahrhaben, dass die Beziehung zu Ende ist. Das gilt manchmal selbst für denjenigen, der sich trennt. Nicht selten legen Vernunftgründe das Ende der Beziehung nahe, obwohl man emotional noch am Partner hängt. Ein Beispiel dafür sind Trennungen wegen wiederholter Untreue, in denen der Partner die Scheidung will, um sich vor weiteren Verletzungen zu schützen. 

In Phase 2 wird der Betroffene meist von sehr starken Gefühlen wie Verzweiflung, Hass oder Selbsthass überrollt. Heftige Streite, Ruhelosigkeit oder gar Depression und psychosomatische Störungen können den Alltag zur Qual werden lassen. Phase 2 wird nicht selten von beiden Partnern gleichzeitig erlebt, insbesondere dann, wenn sich die Trennung zum "Rosenkrieg" entwickelt.

In Phase 3 nimmt der Selbsthass oder Hass auf den ehemaligen Partner ab. Der Blick öffnet sich, das Selbstwertgefühl stabilisiert sich, das bisherige Lebenskonzept wird auf Tauglichkeit überprüft und Zukunftsperspektiven eröffnen sich. Das Verständnis für das was geschehen ist wächst, weil die Geschiedenen wieder die Kraft haben, sich selbstkritischer wahrzunehmen. Erst jetzt eröffnen sich neue Chancen: ein befreiteres Lebensgefühl und eine neue, positive Lebenseinstellung werden möglich.

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