Scheidung tut weh - besonders, wenn man jung ist

Scheidung
© iStockphoto

Junge Paare lassen sich leichtfertiger scheiden

Scheidungen sind eine schmerzhafte Angelegenheit. Ohne Vorwürfe, Tränen, Streit um Geld, Kinder und Besitz trennt sich kaum ein Paar. Dass Trennungsstress krank machen kann, ist bekannt. Man könnte nun meinen, dass jüngere Menschen resistenter sind und Scheidungen auch gesundheitlich besser wegstecken als die Älteren. Das Gegenteil ist jedoch der Fall, das ergab eine Langzeit-Studie der Universität Michigan in den USA: Die Jungen leiden mehr als die Alten. Die Forscher kamen zu weiteren interessanten Resultaten, die zeigen, wie gefährlich leichtfertig geschlossene Ehen sein können.

Von Christiane Mitatselis

Hier die Daten der US-Studie: Die Soziologin Hiu Liu befragte 1.282 Menschen, unterteilt in Altersgruppen, 15 Jahre lang landesweit zu ihrem Gesundheitszustand. Es ergab sich, dass die Menschen, die sich im Alter von 35 bis 41 Jahren scheiden ließen mehr litten als jene, die bei der Scheidung schon 44 bis 50 Jahre alt waren. Aus der Generationen-Perspektive betrachtet war es so, dass die so genannten "Baby Boomer", in den USA sind das die von Mitte der 1940er bis Mitte 1960er Jahre Geborenen, Trennungen schwerer wegsteckten als die Älteren.

Das größere Leid der Jüngeren war auch für die Professorin eine Überraschung: "Ich hätte erwartet, dass Scheidungen weniger Stress für jüngere Menschen bedeuten, da Trennungen für sie geläufiger sind." Hiu Liu erklärt sich das Ergebnis so: Da die Älteren es aufgrund ihrer Moralvorstellungen oft nicht gehörig fänden, sich scheiden zu lassen, verharrten sie länger in einer unglücklichen Ehe, so dass die Trennung schließlich vor allem eine Erleichterung bedeute.

Das klingt logisch. Lässt man sich früher scheiden, so sind die in der Beziehung angehäuften Frustrationen und Verletzungen frischer als in einer langen Ehe, in der das Unglück längst in Gleichgültigkeit gemündet ist.

Prozess der Scheidung macht krank

Die Studie ergab aber auch, dass Scheidungen immer zu einem gewissen Grad schädlich für die Gesundheit sind. Unabhängig vom Alter schwächelten die in Scheidung lebenden gesundheitlich stets mehr als die Verheirateten. Menschen hingegen, die in der Zeit der Untersuchung geschieden blieben und nicht neu heirateten, unterschieden sich von denen, die verheiratet blieben. Nach Meinung Lius zeigt die deutlich, dass es nicht "der Status des Verheiratet- oder Geschiedenseins ist, der die Gesundheit beeinträchtigt." Vielmehr sei es der Prozess der Scheidung, der die Menschen krank mache.

Das gibt zu denken, besonders, wenn man diese Zahlen dazu nimmt: Im Jahr 2010 wurden in Deutschland 187.000 Paare geschieden. Über 25 Jahre betrachtet, endet hierzulande jede dritte Ehe vor dem Scheidungsanwalt. Als häufigsten Grund des Scheiterns nennen Anwälte dies: Die Ehe wurde zu leichtfertig geschlossen, aus einer verliebten Laune heraus, vielleicht um Steuern zu sparen oder weil ein Kind unterwegs war. Die statistische 1:3- Chance auf Scheidung sollte abschrecken. Wer vernünftig ist, wird also besser erst gar nicht heiraten und seine Gesundheit schonen. Andere werden auf die Zahlen trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse pfeifen, denn wie war das noch mit Liebe und Vernunft?

Anzeige