LIEBE LIEBE

Scheidung nach der Silberhochzeit: Warum scheitern lange Ehen?

Scheidung nach der Silberhochzeit: Warum scheitern lange Ehen?
© dpa, Jens Kalaene

Scheidung im Alter - woran liegt es?

Danny DeVito und seine Ehefrau Rhea Perlman lassen sich scheiden. Nach 30 Jahren Ehe. Wer weiß - tätäh!tätäh!tätäh! - vielleicht ist sie dem Regisseur von "Der Rosenkrieg" ja endgültig über den Kopf gewachsen? Und auch im neuen Film von Meryl Streep geht es nur um das eine Thema: Die Hoffnungslosigkeit einer eingefahrenen Langzeit-Ehe.

Von Ursula Willimsky

Das Ende einer großen und vor allem langen Liebe. Noch im vergangenen Jahr hatte DeVito in einem Interview gesagt, dass die Liebe in seiner Ehe noch immer einen großen Platz innehabe. Und jetzt: Scheidung. Wie kann es nur passieren, dass nach drei Jahrzehnten eine Beziehung scheinbar ohne Vorwarnung zerbricht?

Auch in Deutschland scheint es einen Trend zur längeren Ehe zu geben - oder zur späteren Scheidung, je nachdem, wie man es formulieren will. Ließen sich 1990 Eheleute nach durchschnittlich "nur" 11,5 Jahren scheiden, so warteten sie 2011 "schon" 14,5 Jahre, bis sie sich trennten (was sich auch im Durchschnittsalter der Geschiedenen widerspiegelt: Das stieg um circa 10 Jahre).

Und immer wieder trennen sich laut statistischem Bundesamt Paare, die schon richtig viel Zeit miteinander durchlebt haben. Nach 25 Jahren Ehe sagten vergangenes Jahr 3.682 Paare einander Tschüss (die Jahre zuvor waren es etwa 200 weniger). Und bei den Ehen mit 26 und mehr Jahren gemeinsamer Vergangenheit? Da haben im vergangenen Jahr 24.745 Ehepartner sich den Laufpass gegeben - im Jahr 2001 waren es nur 12.494. Die Zahl der gescheiterten Langzeitehen hat sich also hierzulande verdoppelt.

Warum noch nach der Silberhochzeit trennen?

Woran mag es liegen? Vielleicht ist es einfach so, dass nicht nur jedes Töpfchen sein Deckelchen hat, sondern auch jedes Pärchen sein Bündelchen, das es zu tragen hat - oder eben irgendwann nicht mehr tragen will. Wo man früher vielleicht nebeneinander her gelebt hat nach dem Motto: Die paar Jahre halt ich jetzt auch noch durch, denkt sich heute vielleicht die ein oder der andere: Will ich so wirklich noch einmal 20 Jahre leben? Diesen Gedanken formulierte die Psychologin Insa Fooken in der 'Süddeutschen Zeitung'. Für viele sei es zudem eine schlimme Vorstellung, einen ungeliebten Partner im Alter pflegen zu müssen.

Die Wissenschaftlerin hatte 122 Scheidungspaare älteren Semesters befragt. Und fand heraus, dass Männer sich oft mit einer unerfüllten Ehe arrangierten, ein Leben im Leben führten, ausgefüllt mit Hobbys oder Freunden. Oder Affären.

Frauen dagegen wollten oft klarere Verhältnisse - bei den Langzeitehen sind es vor allem sie, die die Scheidung einreichen. Die Kinder sind aus dem Haus, dafür ist vielleicht jetzt der Partner rund um die Uhr im Haus, weil er in Rente ging. Man selbst hat plötzlich auch viel mehr Zeit, weil man keinen Mehr-Personen-Haushalt mehr zu versorgen hat oder nicht mehr berufstätig ist.

Nach ein paar Jahrzehnten Ehe fällt Paaren vielleicht erst in einer dieser Lebens-Umbruchs-Phasen auf, dass es mit der Ehe schon lange nicht mehr stimmte oder man im Alltagsgeschäft nur noch aneinander vorbeilebte. Dass das, was Freunde und vielleicht auch man selbst als Vorzeige-Ehe empfand, jetzt zu wenig ist.

Dass es Zeit wird für einen Neuanfang. Ohne den alten Partner - oder vielleicht ja auch mit dem neu entdeckten alten Partner. Im Alter gibt es ja nicht nur Scheidungen - sondern immer noch auch Feste wie die "Goldene Hochzeit".

Anzeige