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Scheidung mit Kindern: Der richtige Umgang

Scheidung mit Kindern: Der richtige Umgang
Scheidung: Der richtige Umgang mit Kindern © Tomasz Trojanowski - Fotolia

Wie bringen wir die Trennung den Kindern bei?

Eine Scheidung durchziehen und trotzdem irgendwie als Familie bestehen bleiben , das ist der Wunsch vieler frisch getrennter Elternpaare. Aber geht das überhaupt? Zumindest kann und sollte man eine Trennung so gestalten, dass sie für die Kinder möglichst ertragbar wird. Für sie ist es schwer genug, damit fertig zu werden, dass Papa jetzt nicht mehr jeden Abend da ist, um eine Geschichte vorzulesen.

Drei Punkte müssen Scheidungs-Eltern klären

1. Wie bringen wir es den Kindern bei?

2. Wie sorgen wir weiter für die Kinder?

3. Was kann man tun, damit die Kinder möglichst wenig unter der Trennung leiden?

Der beste Zeitpunkt, die Kinder mit der bevorstehenden Scheidung zu konfrontieren, ist der Moment, in dem die Entscheidung endgültig feststeht, sagt Josef Zimmermann, Leiter der Katholischen Erziehungs- und Familienberatungsstelle in Köln.

In einem Interview mit aok.de rät der Diplom-Psychologe dazu, dass Vater und Mutter gemeinsam die Kinder mit den künftigen Veränderungen in der Familie vertraut machen: "Für viele Familienmitglieder bricht dann eine Welt zusammen. Trauer, Wut oder Angst sind natürliche Reaktionen auf diese Lebenskrise", weiß der Diplom-Psychologe.

"Um mit dieser schwierigen Situation zurechtzukommen, brauchen die Kinder die Unterstützung ihrer Eltern – zum Beispiel durch klare Informationen."

Scheidung: Regeln geben Sicherheit

Klare Informationen – das heißt: Die Kinder müssen erfahren, was sich ändern wird. Wohin zieht Papa? Wie oft werden wir ihn sehen? Gerade bei kleineren Kindern müssen hier einfache Worte gefunden werden – und vor allem:

Es müssen Taten folgen. "Papa hat ein zweiwöchiges Besuchsrecht" – nicht zu kapieren. Wenn Papa aber regelmäßig anruft und die Kinder abholt, gibt das Sicherheit.

Zu den klaren Informationen gehört aber auch – darin sind sich die Experten einig - dass man dem Kind von Anfang an vermittelt, dass die "Schuld" für die Trennung nicht beim Kind liegt, sondern Sache der Eltern ist. Zimmermann plädiert außerdem dafür, Punkte zu finden, die sich eben nicht ändern –und auch das den Kindern zu sagen.

Hilfreich kann es nach Meinung des Experten zum Beispiel sein, wenn der Nachwuchs in der bisherigen Wohnung oder zumindest im gewohnten Viertel wohnen bleibt.

Der Alltag muss weitergehen, und das ist auch gut so. Kinder finden Geborgenheit und Rückhalt nämlich auch in einem geregelten Tagesablauf, in wiederkehrenden Ritualen und klaren Spielregeln fürs Familienleben.

"Verwöhnen Sie Ihre Kinder nicht, weil sie womöglich ein schlechtes Gewissen haben, sondern halten Sie eine Alltags-Routine aufrecht. Formulieren Sie auch weiterhin klare Verhaltensregeln und setzen Sie eindeutige Grenzen", empfiehlt Zimmermann.

Wichtig ist es auch, betont der Experte im Interview, dass sich sowohl die Mutter als auch der Vater weiterhin um die Erziehung kümmern. "Die Entwicklung sollte nicht dahingehen, dass ein Elternteil ausschließlich für Schul- und Disziplinarangelegenheiten und der andere ausschließlich für Freizeitaktivitäten zuständig ist".

Schätzungen gehen davon aus, dass etwa ein Drittel der geschiedenen Eltern es schafft, sich aus der Ehe ohne den ganz großen Beziehungskrieg zu verabschieden. Das ist verdammt schwer, denn dazu gehört der Wille, sich mit dem inzwischen ungeliebten Ex-Partner zu arrangieren.

Wenn die Fronten unheilvoll zu verhärten drohen, sollte man deshalb auf jeden Fall Hilfe suchen in einer Therapie oder bei einem Mediator. Allein wegen der Kinder: Nach Trennung oder Scheidung leiden über die Hälfte der betroffenen Kinder unter gesundheitlichen oder psychischen Beschwerden – die sich manchmal erst Jahre nach der Trennung zeigen.

Wenn Papa und Mama keine heile Einheit mehr sind, ist das schwer zu verkraften – ein fairer Umgang der Ex-Partner miteinander kann helfen, den Kindern die Trennung zu erleichtern.

Denn Studien zeigen: Die Qualität des menschlichen Umgangs, wie er Kindern vorgelebt wird, ist ausschlaggebend dafür, in wie weit ein Kind zu einer stabilen Persönlichkeit heranwächst.

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