Scheidung in Würde: Mit Mediation ist das möglich

Scheidung in Würde
Paare müssen sich für eine Scheidung ohne Krieg gegenseitig verzeihen © picture alliance / Bildagentur-o, Bildagentur-online/Tetra-Images

Scheidung ohne Rosenkrieg – so kann es funktionieren

Was bleibt, wenn die Liebe sich irgendwann klammheimlich durch die Hintertür davongeschlichen hat? Oder türknallend aus der Wohnung gestürmt ist? Eine Scheidung, das Ende einer oft langen Beziehung, überfordert die Beteiligten schnell. Sie stehen vor einem Scherbenhaufen. Manche Noch-Paare bekämpfen sich mit allen Mitteln und überschütten sich mit Hasstiraden. Manche versuchen, die Gefühle aus der guten Zeit weiterleben zu lassen, auch wenn man jetzt getrennte Wege geht. So wie ein Engländer, der seiner Frau am Tag der Scheidung einen Liebes- und Dankesbrief schrieb. Und andere versuchen zumindest, sich einigermaßen einvernehmlich zu trennen. Eine Scheidung in Würde – wie kann man dieses Ziel erreichen? Darüber sprachen wir mit der Mediatorin Andrea Klaas.

Von: Ursula Willimsky

Andrea Klaas leitet die Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle in Karlsruhe. Als Mediatorin arbeitet sie mit Paaren, die sich gerade getrennt haben oder diesen Schritt zumindest erwägen. "Wenn alles gut läuft, wird es ein Prozess, an dessen Ende sich die beiden gegenseitig verzeihen", sagt die Beraterin. Was war schmerzhaft? Was hat besonders weh getan? Wer es schafft, diese Verletzungen nicht länger "wie einen Schuldschein" vor sich herzutragen, habe einen wichtigen Punkt wiedergewonnen: Die Freiheit. "Negative Gefühle binden genauso wie positive Gefühle", betont Klaas. "Wem es nicht gelingt, zu verzeihen und loszulassen, ist auch für eine neue Beziehung gehandicapt."

Zwei große Ziele hat die Mediation: Die Eheleute sollen im Guten auseinandergehen. Und für die Kinder soll gemeinsam eine gute Zukunft geschaffen werden. Wobei strenggenommen nicht die Mediation diese Ziele hat, sondern die Paare sie haben sollten. Die Mediatorin kann nur als Vermittlerin fungieren. Fünf bis zehn Doppelstunden nehmen sich die Paare in der Regel Zeit, um Lösungen für offene Fragen zu erarbeiten. Wobei Mediation weder ein Schiedsverfahren noch eine Paartherapie ist – hier geht es hauptsächlich um handfeste Konfliktpunkte wie den Umgang mit den Kindern oder die Verteilung des Geldes. "Vermögen, am schlimmsten natürlich negatives Vermögen, bindet sehr. Wenn sie ein Häuschen mit irrsinnig vielen Schulden haben, kann ein Lösungsprozess lange dauern."

Nach der Trennung: Freundschaft unwahrscheinlich

Aber auch hier kann Mediation helfen. Mann und Frau müssen eigenverantwortlich zu einer Lösung finden und daheim die großen Rechnungen aufmachen: Was habe ich für Einnahmen und Ausgaben? Wie oft sollte er seine Kinder sehen dürfen? Wie viel kann ich tatsächlich arbeiten? Frauen und Männer nach der Trennung plagen oft existentielle Ängste. Egal, ob es die Furcht ist, dass einem die Kinder für immer weggenommen werden oder man in Zukunft auf Hartz IV-Niveau leben muss. Für all das kann es konstruktive Lösungen geben, die zeigen, dass der Ex-Partner nicht der ist, "der mich kaputtmachen möchte".

Inspiriert von einer Mediatorin kann es Paaren gelingen, den Respekt voreinander zu behalten – eine wichtige Basis, um zermürbende Rosenkriege zu verhindern. Die Expertin hält es allerdings für sehr unwahrscheinlich, dass aus einer Scheidung ein Paar hervorgeht, das anschließend in tiefer Freundschaft verbunden ist: "Die Rechnung Beziehung minus Erotik ist gleich Freundschaft geht nicht auf. Freundschaft ist ja etwas radikal anderes als Liebe". Aber gänzlich verlieren müsse man den Partner nicht, es sei sogar durchaus möglich, irgendwann einmal doch mit ihm befreundet zu sein – allerdings erst, wenn es beiden gelingt, eine komplett neue Art der Beziehung von Null an neu aufzubauen.

Was sich einfach liest, ist für die Menschen, die es betrifft, eine Zäsur im Leben, die nur schwer zu bewältigen ist. Klaas rät deshalb auf jeden Fall dazu, sich Hilfe zu suchen – egal ob Mediation oder eine andere Form der Stütze und Beratung: "Allein ist man schnell überfordert, verliert vielleicht das Wohl der Kinder aus dem Blick oder ist sehr großen Stimmungsschwankungen unterworfen. Dann sagt oder tut man Dinge, die keinem gut tun: Nicht den Kindern, nicht dem Ex-Partner, und auch nicht sich selbst."

Wer sich trotz Trennungsschmerz und –stress zu einer Mediation entschließt, tut dies freiwillig. Manchmal schicken auch Scheidungsrichter Paare zur Mediation, zum Beispiel, wenn sie sich über den Verbleib der Kinder überhaupt nicht einigen können. Hier erhalten sie die Chance, eigenverantwortlich zu klären, zu wem die Kinder kommen und wie der Ex-Partner einen guten Kontakt zu ihnen behalten kann.

An einer Mediation müssen immer beide Partner teilnehmen – anders als bei einer Therapie, zu der Frau oder Mann auch allein gehen können. Eine Mediation ist ein Hilfsangebot, das es aber nicht kostenfrei gibt. Niedergelassene Mediatorinnen, meistens Anwältinnen oder Therapeutinnen, berechnen feste Stundensätze. Beratungsstellen wie zum Beispiel die Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle Karlsruhe oder die Profamilia berechnen einen Kostenbeitrag entsprechend den Möglichkeiten der Klienten. Geld, das man dafür investiert, mit einem einigermaßen guten Gefühl in einen neuen Lebensabschnitt starten zu können.

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