FAMILIE FAMILIE

Scheidung: Hilfe im Internet

Scheidung: Hilfe im Internet
Scheidung: Hilfe auf einer Internetseite © picture-alliance/ dpa, Lehtikuva Tuomas Marttila

Eine Website für Scheidungswillige

Um die Jahrtausendwende erreichte die Scheidungsrate in Großbritannien ein Rekordhoch. Schuld daran - so vermuteten britische Eheberater - sei das Internet. Durch Plattformen, die den Kontakt zu ehemaligen Partnern ermöglichen, vergrößere sich auch die Zahl der möglichen Seitensprünge. Eine gewagte Theorie. Was würden diese Paartherapeuten erst zu der neuesten Erfindung auf dem Online-Beziehungsmarkt sagen: Eine Scheidungs-Website für alle, die sich, zumindest virtuell, schon längst von einem Leben mit dem Liebsten verabschiedet haben.

Von Merle Wuttke

Wissen Sie was ein STBX ist? Nein? Also, wenn Sie in einer unglücklichen Beziehung leben, nein, besser noch: Wenn Sie Ihrem Partner für die nächsten Jahrzehnte irreversiblen Hautausschlag, den Verlust seiner Potenz und des Porsche Cayenne an den Hals wünschen, dann sollten Sie sich dieses Kürzel merken. STBX bedeutet nämlich "soon to be ex", also so etwas wie "baldiger Ex-Mann".

Internetseite erteilt Scheidungs-Ratschläge

Und diese Abkürzung ist Ihre Eintrittskarte für die Foren auf der Website "wikivorce.com". Denn wer keinen STBX vorweisen kann, der hat hier nichts verloren. 3000 Besucher hat die Website täglich, Tendenz steigend. Kein Wunder: Seit 1980 haben sich die Scheidungszahlen in Europa verdoppelt. In Deutschland sank die Quote immerhin zuletzt auf 187 000 Scheidungen pro Jahr. Trotzdem sagt damit jedes zweite Ehepaar nach 13,9 Jahre immer noch "Adé" zum anderen. Zweit-Ehen sind besonders gefährdet: An die 60 Prozent von ihnen landen vor dem Scheidungsrichter.

"Wikivorce.com" will all denen Hilfestellung geben, die sich mit dem Gedanken tragen, bald keinen Ring mehr am Finger zu tragen. Man kann sich auf der Seite den möglichen Unterhalt, der einem zusteht ausrechnen lassen, Scheidungsanwälte finden und sich vor allem so richtig schön auskotzen. Über den Mann, der sich lieber mit der Hornhaut unter seinen Füßen als mit seinen Kindern beschäftigt, über die Frau, die jeden Krümel hinter einem her wischt und der man am liebsten den Putzlappen in den Rachen stopfen würde und überhaupt darüber, dass die Ehe und die Liebe das Schlimmste ist, was einem jemals im Leben passieren konnte.

Auf "Wikivorce.com" heißt es: "Make war, not love". Denn davon sind garantiert 99 Prozent der User dieser Seite überzeugt. Zumindest lassen das ihre Online-Äußerungen vermuten. Da ist von "zerstörten Herzen und zerschmetterten Seelen" die Rede, da schreiben Frauen hasserfüllt über ihre Männer und behaupten dennoch, vor den gemeinsamen Kindern die Contenance bewahren zu können. Oh ja, diese Menschen sind von der Liebe aufs Bitterste enttäuscht worden. Und um all das loszuwerden, ist "Wikivorce.com" bestimmt irgendwie hilfreich - z. B. dann, wenn selbst die besten Freunde sich das Gejammer und Gejaule über die kaputte Ehe nicht mehr anhören mögen.

Aber auf Dauer? Da läuft man wohl Gefahr, das Verzeihen zu verlernen und sich in Selbstmitleid und Bitterkeit zu versinken. Es ist schließlich nie gut, sich ständig mit Negativem zu beschäftigen. Besser lebt und liebt es sich meist nach dem Motto: Lass es raus und lass es gut sein. Und immer dran denken: Zu viel Frust ist gar nicht gesund!

Anzeige