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Sankt Martin oder Halloween: Welches Fest macht für Kinder mehr Sinn?

Warum Halloween nervt und was wir von Sankt Martin noch lernen können

Halloween steht vor der Tür, und in unserem Viertel werden sich wieder ganze Busladungen von hässlich verkleideten Jugendlichen bis spätabends von Tür zu Tür kreischen, um Süßigkeiten zu fordern. Wie viel sympathischer kam doch früher der St. Martins Umzug daher.

Sankt Martin feiern: Kind hält Laterne hoch und lächelt
Sankt Martin: Bei deisem Fest können unsere Kinder noch etwas sinnvolles lernen © dpa, Oliver Krato

Von Jutta Rogge-Strang

Unsere Nachbarn öffnen schon seit Jahren nicht mehr die Türen an Halloween. Nachdem sie ein Mal an Halloween gerade mit ihren (sichtbaren) Koffern von einer Reise nach Hause gekommen waren, hatten sie keine Süßigkeiten vorbereitet. Als „Dankeschön“ landeten zahlreiche rohe Eier an ihren Fenstern, die mühsam wieder weggekratzt werden mussten. Seitdem ist es mit ihrem Verständnis für Halloween vorbei. Früher haben sie immer großzügig Süßigkeiten verteilt, aber zwingen lassen wollen sie sich nicht.

Natürlich kann man verstehen, dass die Kinder und Jugendlichen sich ein Mal im Jahr verkleiden wollen: Wer nicht (wie im Rheinland) ausgiebig Karneval feiern kann, muss auf andere Gelegenheiten ausweichen. In den USA hat Halloween heute ungefähr den gleichen Stellenwert wie der Karneval in Köln: Wer nicht mitmacht, gilt als Spaßbremse und geht zum Lachen in den Keller.

Irische Einwanderer brachten Halloween nach Amerika und dort und in Kanada entwickelte es sich zu einem regelrechten Volksfest. Auch der Brauch, Rüben auszuhöhlen und zu beleuchten, um böse Geister abzuschrecken, stammt ursprünglich aus Irland. In den USA, der Heimat der Garten-Kürbisse, fiel diese Idee natürlich auf fruchtbaren Boden.

Teilen statt randalieren

In Deutschland gibt es mittlerweile fast keine Familie mit Kindern mehr, die ohne ausgehöhlten Kürbis auskommt. In Bau- und Supermärkten hängen Kostüme, Masken, Make-up, Porzellan-Kürbisse, Kürbiskerzen, - servietten, - Lichterketten, - Fensterbilder, - Kekse, - Süßigkeiten, die prall gefüllte Konsum-Maschinerie hat Halloween für sich entdeckt. Abends geht es in den Kneipen weiter, Halloween lässt auch dort die Kassen klingeln.

Wie viel stiller kommt St. Martin daher! Mit einem langen Mantel bekleidet reitet ein St. Martin an der Spitze des Laternenzuges und erinnert daran, dass er einst seinen Mantel teilte, um die Hälfte selbstlos einem armen Bettler zu überlassen. Im Vorfeld des 11. November basteln die Kinder in den Kindergärten und Grundschulen Laternen, lernen Martinslieder und bereiten sich auf den Martinszug vor. Zum Abschluss des Umzuges gibt es ein großes Martinsfeuer und für jedes Kind einen Weckmann oder Stutenkerl aus süßem Hefeteig mit Rosinen.

Danach gehen die Kinder in der Nachbarschaft umher und bitten um Süßigkeiten. Die gibt es aber nicht „umsonst“: Die Kinder müssen Martinslieder singen und sich ein bisschen Mühe geben. Wer ein Mal erlebt hat, wie sich eine paar kleine Sängerinnen und Sänger mühsam trauen, an der Haustür zu singen, während die Eltern im Hintergrund als moralische Unterstützung warten, wird gerne und von Herzen Süßigkeiten verteilen. Gerade ältere Menschen freuen sich über den charmanten Kurzbesuch und die Möglichkeit, die Kinder aus der Nachbarschaft mal aus der Nähe kennenzulernen.

St. Martin gilt seit jeher als Vorbild: Er teilte seinen wenigen Besitz mit einem noch viel ärmeren, buchstäblich nackten Mann. Seine Botschaft war teilen, nicht nehmen, raffen, drohen oder einfordern. Gerade jetzt, wo so viele hilfsbedürftige Menschen nach Deutschland kommen, ist seine uralte Botschaft aktueller denn je.

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