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Sandkastenliebe: Schmetterlinge im Kinderbauch

Sandkastenliebe: Schmetterlinge im Kinderbauch

Ist mein Kleiner etwa verknallt?!

Ab wann interessieren sich kleine Jungs eigentlich für das andere Geschlecht? Also, ich meine nicht die üblichen Doktorspielchen, die zwischen drei und sechs Jahren zur ganz normalen sexuellen Entwicklung gehören. Ich meine das Verliebtsein. Ich hatte immer damit gerechnet, dass mein Sohn mir seine erste Freundin mit frühestens vierzehn vorstellt. Ich habe mich geirrt.

Von Britta Dorn

Für meinen Sohn gibt es offenbar Mädchen und Mädchen. Nämlich solche, mit denen er von klein auf regelmäßig spielt, auf Bäume klettert, Pyjama-Partys feiert. Kumpel-Mädchen also. Daneben gibt es aber neuerdings auch welche, mit denen er etwas anderes verbindet. "Heute hab ich mit der Lea gespielt. Ganz alleine", sagte er letztens beiläufig zu mir. Aha, wer ist denn Lea? Ich kenne diesen Namen nicht und hake nach. "Die ist in der anderen Gruppe", antwortet er und grinst mich schief an. Sind das etwa rote Bäckchen? Krass. Ist der verliebt?

Ich frage meine Freundin, ihr Sohn ist ein Jahr älter. Ist der auch so drauf? "Nee, also der Emil hat glaub ich noch gar nicht gecheckt, dass es ein anderes Geschlecht gibt." Ok, mein Kleiner ist also frühreif. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, wie sich eine Woche später herausstellt, als ich ihm einen Spielplatzbesuch vorschlage. "Ich will heute lieber auf dem Marktplatz spielen. Da sind mehr Mädchen." Jetzt wird es interessant. Ich hole mir einen Kaffee und stelle mich auf Beobachtungsposten.

Zielstrebig pirscht sich der kleine Mann auf seinem kleinen BMX-Rad an eine Gruppe Mädchen heran. Sie beachten ihn zuerst nicht. Er kurvt rasant um sie herum, post ein bisschen, und zack ist er mit ihnen im Gespräch. Da kann sich so manch großer Junge noch was abschauen. Ich merke, wie Stolz in mir aufsteigt. Stopp! Er ist doch erst vier!

Die Liebe ist anstrengend

Während vor meinem inneren Auge schon der verärgerte Vater einer Zwölfjährigen bei uns klingelt, um sich mit uns über unseren dreizehnjährigen Flegel zu unterhalten, merke ich gar nicht, dass mein Sohn längst mit ein paar anderen Jungs Fußball spielt. Ah, es war nur eine Phase! Wie immer: Nur eine Phase!

Doch dann steht der fünfte Geburtstag seines kleinen Freundes an. Johan drückt ihm eine Einladung in die Hand und verkündet verheißungsvoll: "Kommst du? Es kommen ganz viele Mädchen." Mein Kind überschlägt sich fast vor übermütiger Freude, und die beiden kleinen Casanovas steigen direkt in die Detailplanung ein. "Oh super, dann können wir die ärgern" - "Und fangen!" - "Und fesseln!". UND WAS? Johans Mutter und ich blicken uns verstört an. "Warum wollt ihr denn die Mädchen fesseln?", frage ich. "Mensch Mama, weil wir die doch in den Turm sperren müssen. Damit die in Sicherheit sind, weil wir doch den Drachen besiegen müssen!". Ach soooo! Also doch ganz normale kindliche Phantasien. Aber krass sexistisch. Gut, das ist ein anderes Thema.

Als ich Wochen später nachfrage, was denn aus Lea geworden sei, wechselt mein Sohn galant das Thema. „Kann Madita mal wieder bei uns schlafen?“. Das ist seine kleine beste Kumpel-Freundin. „Warum? Willst du sie fangen und fesseln?“ Er schaut entsetzt zu mir hoch. „Nein! Ich will mit ihr eine Höhle bauen und da drin Pommes essen. Und Papa soll uns Räuber Hotzenplotz vorlesen.“ Ich muss grinsen. Die Liebe ist manchmal einfach zu anstrengend. Das weiß auch schon mein Vierjähriger.

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