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Sagen Sie endlich mal 'Nein'

Sagen Sie endlich mal 'Nein'
© http://foto.fritz.st, fritz langmann

Zeigen Sie Ihr Selbstbewusstsein

Sie haben es einfach satt, immer ausgenutzt zu werden? Sind Sie die gute Seele, die im Job vielen Kollegen regelmäßig einen Gefallen tut? Der verlässliche Helfer, der Arbeitsaufgaben übernimmt, Kaffee holt und Telefongespräche annimmt? Damit ist jetzt Schluss!

Psychologen betonen regelmäßig: Wer immer nur für andere da ist, für den bleibt selbst zu wenig vom Leben übrig. Die Zufriedenheit und das Gefühl, glücklich zu sein, nehmen ab, Betroffene sehen sich irgendwann nur noch als Handlanger der Anderen. Ihre eigenen Wünsche müssen sie stets hinten anstellen.

Gründe, sich nicht zu trauen, 'Nein' zu sagen, können vielfältig sein:

- Angst, abgelehnt und nicht mehr gemocht zu werden

- Angst vor Konsequenzen

- Man will nicht egoistisch oder herzlos wirken

- Das Bedürfnis, gebraucht zu werden

- Angst, etwas zu versäumen

Um sich nicht zum Spielball von Kollegen und Bekannten machen zu lassen, ist es unbedingt nötig, zeitweise auf Anfragen auch mal mit einem klaren 'Nein' zu antworten. Doch genau damit haben viele Menschen Schwierigkeiten. Dabei muss ein 'Nein' ja weder unfreundlich noch unverschämt sein. Freundlich geäußert stellt Ihre Ablehnung auf eine Anfrage überhaupt kein Problem da. Vielmehr ist es so: Wer auf ein 'Nein' von Ihnen mit Wut reagiert, bei dem ist selbst irgendetwas nicht in Ordnung!

Also, haben Sie Mut zum Nein sagen!

Kriminologie-Professor und Job-Coach Jens Weidner hat zudem noch ein paar Tipps parat, wie Sie Ihr 'Nein' noch effektiver nutzen. Dabei geht es nicht darum, Ihre Ablehnung zu begründen und sich danach auf eine Diskussion einzulassen.

Vielmehr sollte ein Nein von Anfang an Ihre bestimmte und endgültige Haltung signalisieren. Ergänzen Sie Ihr Nein beispielsweise mit dem Satz: „Und denken Sie mal genau darüber nach, warum Nein!“. Egal ob Freund, Kollege oder jemand anders, viele fangen danach wirklich an, verblüfft zu grübeln.

Ein weiterer Tipp: Üben Sie das Nein-Sagen zuerst in unspektakulären Situationen, etwa, wenn der Kollege sagt: „Bringst du mir bitte einen Kaffee mit?“ Oder: "Holst Du heute die Post?"

Wem es schwer fällt, direkt Nein zu sagen, der kann einen kleinen Trick anwenden: Bitten Sie bei einer Anfrage doch um einige Minuten oder auch eine eine Stunde Bedenkzeit. Dann rufen Sie den Betreffenden an oder suchen ihn persönlich auf und sagen Nein - ohne eine weitere Begründung abzugeben.

Oft sagen wir viel zu schnell 'Ja' zu etwas, weil wir uns schlicht und einfach überrumpeln lassen. Anliegen und Bitten werden ja meist ganz schnell mal zwischendurch an uns herangetragen und bevor Sie sich versehen, haben Sie zu etwas zugesagt, was Sie womöglich viel Zeit kostet oder überhaupt keinen Spaß macht.

Ein weiterer Tipp: Überlegen Sie sich in aller Ruhe zu Hause eine Art Abwehr-Rhetorik. Also Sätze, die Ihr 'Nein' noch einmal unterstreichen. So sind Sie im Beruf und Alltag besser vorbereitet und verhaspeln sich nach Ihrem 'Nein' nicht in einer langatmigen Diskussion. Klare Ansagen wirken souverän und selbstbewusst.

Komplizierter ist es in Situationen mit mehreren Menschen. Etwa einer Konferenz im Berufsalltag. Hier ist laut Coach Weidner ein sofortiges 'Nein' oft unangebracht. Es macht hier mehr Sinn, Abwehr-Ausreden als hilflosen Rechtfertigungen für ein zu schnelles Nein zu formulieren. Beispiele:

- Entschuldigen Sie, ich habe nicht zugehört

- Ich denke, das gehört nicht hierher...

- Das ist wirklich interessant, ich denke darüber nach.

- Jetzt wird mir klar, wie Sie denken

Zu guter letzt der Tipp an Sie, nur dann auch Nein zu sagen, wenn Sie es so meinen und nicht aus Übungszwecken bei jeder Gelegenheit.

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