Sabine Lisicki: Neue Frauenpower auf dem Tennisplatz

Sabine Lisicki
Endlich wieder Frauenpower auf dem Tennisplatz © imago sportfotodienst

Ist Sabine Lisicki die neue Steffi Graf?

Sabine Lisicki ist ins Finale von Wimbledon gestürmt. Die 23-jährige Berlinerin tritt beim berühmtesten Tennis-Turnier der Welt wie ein echter Champion an - und tatsächlich hat sie gute Chancen, als erste Deutsche nach der großen Steffi Graf in Wimbledon zu triumphieren.

Von Christiane Mitatselis

Sabine Lisicki schreibt in Wimbledon mit beeindruckender Geduld Autogramme. In den Interviews plaudert sie wie ein Wasserfall, immer fröhlich lächelnd. Und auf dem Tennis-Court spielt sie so konzentriert und druckvoll wie nie zuvor in ihrer Karriere. Kurzum, die 23-jährige Berlinerin ist in Wimbledon in ihrem Element und zu Großtaten bereit. Am Samstag spielt sie gegen die Französin Marion Bartoli um den Sieg.

Experten wie der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker trauen Lisicki zu, dass sie als erste Deutsche nach Steffi Graf 1996 auf dem heiligen Rasen triumphiert. Auch für die Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner ist Lisicki Favoritin.

Lisicki, die Bälle beim Aufschlag mit 200 km/h über den Platz dreschen kann, wirkt als Spielerin gereift. Ihren Hang, auf dem Platz zu viel zu riskieren, hat sie unter Kontrolle. In den letzten Jahren warfen sie Verletzungen zurück, nun ist sie gesund und strotzt vor Selbstbewusstsein. 2011 stand sie bereits einmal im Wimbledon-Halbfinale - und scheiterte an der Russin Maria Scharapowa. Diesmal sei sie bereit für den großen Triumph, meint Lisicki: „Ich wusste schon vor dem Turnier, dass hier alles möglich ist. Ich fühle mich besser, fitter und frischer als vor zwei Jahren.“

Sabine Lisicki erinnert Engländer an Boris Becker

Lisicki begann als Kind in ihrer Geburtsstadt Troisdorf mit dem Tennis. Später zog sie mit ihren Eltern Richard und Elisabeth, die aus Polen stammen, nach Berlin um. Ihr Vater, ein Sportwissenschaftler, war lange ihr Trainer. Als Jugendliche zog es Lisicki nach Florida in die Tennis-Akademie von Nick Bolletieri, in der schon Champions wie André Agassi ausgebildet wurden, der Ehemann von Steffi.

Apropos Graf: Nach deren Laufbahnende im Jahr 1999 hatte keine deutsche Tennis-Dame so gute Chancen wie Lisicki, ein Grand-Slam-Turnier (Melbourne, Paris, Wimbledon, New York) zu gewinnen. Sie selbst bezwang im Achtelfinale die Turnierfavoritin und Weltranglisten-Erste Serena Williams. Die weiteren Top-Spielerinnen Wiktoria Asarenka, Maria Scharapowa und Petra Kvitova sind ebenfalls ausgeschieden. Das zweite Halbfinale bestritt Marion Bartoli (Frankreich) und Kirsten Flipkens (Belgien). Keine der Damen, die in der Runde der letzten vier standen, hat schon in Wimbledon gewonnen. Warum sollte also nicht Lisicki zur neuen Championesse aufsteigen?

Zumal sie die die große Bühne liebt. Je mehr Aufmerksamkeit sie hat, desto besser spielt sie. Außerdem ist Lisicki beim Londoner Publikum aufgrund ihres emotionalen Spiels und ihrer harten Schläge sehr beliebt. Sie erinnert die Engländer an Boris Becker - und ist ihre „Bum-Bum-Bine“. Oder auch „Doris Becker“. Was kann da noch schief gehen?

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