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Rückreise-Effekt: Darum erscheint uns der Rückweg viel kürzer als der Hinweg

Rückreise-Effekt: Darum erscheint uns der Rückweg viel kürzer als der Hinweg
© picture alliance/KEYSTONE, SIGI TISCHLER

Der Rückreise-Effekt schlägt zu

Jeder kennt es: Sie sind auf dem Weg in den Urlaub oder beim Wandern, aber das Ziel will einfach nicht näher kommen. Die Strecke kommt einem ewig lang vor. Aber ist das Ziel erst einmal erreicht und der Rückweg steht bevor, ist dieser oft viel kürzer als wir denken. Woran liegt dieses Phänomen?

Ein japanisches Forscherteam der Universität Kyoto hat eine Studie zum sogenannten 'Rückreise-Effekt' durchgeführt und diese nun in der Online Zeitschrift 'Public Library of Science' vorgestellt. Mit Hilfe eines Experimentes fanden die Forscher heraus, dass die Erinnerungen schuld daran seien, dass uns der Rückweg viel kürzer vorkomme als der Hinweg. Denn auf dem Rückweg können wir uns nur schwer daran erinnern, wie lang der Hinweg wirklich war. Denn: „ Der Rückreise-Effekt entsteht vielmehr dadurch, dass wir das Zeitempfinden aufgrund unserer Erinnerung beurteilen“, erklärt der Wissenschaftler Ryosuke Ozawa gegenüber der 'Los Angeles Times'.

Für das Experiment sahen sich 20 Männer zwischen 20 und 30 Jahren dreimal einen 20-minütigen Film an. In diesem Film zu sehen: Ein Spaziergänger, der sich filmt, während er zweimal den identischen Weg hin und zurück läuft und einmal einen Rundweg geht. Die Probanden bekamen zusätzlich einen Stadtplan, um den Weg nachempfinden zu können und das Gefühl vermittelt zu bekommen, den Weg selbst zu bestreiten. Alle drei Minuten sollten die Männer ein Zeichen geben, um ihr Zeitempfinden zu kontrollieren.

Das erstaunliche Ergebnis

Während bei den identischen Strecken der Rückweg als deutlich kürzer empfunden wurde, machten sich bei dem Rundweg keine zeitlichen Unterschiede bemerkbar. Der von den Forschern vermutete Grund: Während bei den identischen Strecken ein Rückweg klar zu erkennen war und bereits gegangen wurde, lässt sich bei dem Rundweg kein klarer Rückweg erkennen. Der bekannte Rückweg ist bereits im Kopf als ewig lang andauernd abgespeichert. Die Männer erwarten demnach einen langen Rückweg. Dementsprechend fällt auch der Rückweg-Effekt aus: Die Probanden sind von der Länge des Rückweges positiv überrascht.

Ähnliches hat auch der Psychologe Niels van de Ven herausgefunden. Er legt allerdings den Schwerpunkt seiner Rückweg-Effekt-Theorie nicht auf das Erinnern, sondern an das Erwarten. Laut van de Ven erwarten die Menschen auf dem Hinweg, schnell da zu sein. Durch die viel zu große Erwartung erfolgt allerdings schon bald die ernüchternde Wahrheit. Auf dem Rückweg hingegen erwarten wir bereits einen langen Weg. Der Psychologe erklärt: „Wenn wir zurückkehren, denken wir 'Es wird wieder so lange dauern', weshalb es sich dann nicht ganz so schlimm anfühlt.“

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