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Rückenschmerzen? OP ist oft unnütz

Diese Übungen helfen gegen Rückenschmerzen
Diese Übungen helfen gegen Rückenschmerzen Sofort im Alltag durchführbar 00:04:00
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Rücken-OP: Unnütz, teuer, riskant

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Nach Informationen der Techniker Krankenkasse (TK), die 4,1 Millionen Menschen in Deutschland versichert, ging 2013 jeder zehnte Fehltag am Arbeitsplatz auf Rückenbeschwerden zurück. Jeder zwölfte Erwerbstätige hat "Rücken". Insgesamt gingen 40 Millionen Fehltage im Jahr 2013 auf das Konto von Rückenschmerzen.

Rücken-OP: Unnütz und riskant
Jeder zehnte Krankheitstag in Deutschland ging 2013 auf das Konto von Rückenbeschwerden. "Rücken" hat den Status einer Volkskrankheit, aber viele Ärzte wählen die falsche Behandlung. © imagesource/science, health and medicine II

Rückenbeschwerden sind aus zwei Gründen fatal: 1. Sie sind sehr schmerzhaft. Betroffene leiden sehr unter dieser Erkrankung, auch weil Rückenleiden Menschen oft ans Bett fesseln und einen normalen Alltag unmöglich machen. 2. Viel zu oft raten Ärzte bei Rückenproblemen zu einer Operation, so die Experten der Techniker Krankenkasse. Er verstehe, wenn Patient und Arzt sich dann schnell zu einer Operation entschlössen, sagt TK-Chef Jens Baas. Dies sei aber oft eine Fehlentscheidung. 85 bis 90 Prozent aller Rücken-OPs sind sinnlos, das stellten Experten schon auf dem Wirbelsäulen-Kongress 2011 in Hamburg klar.

Das Problem: Sehr viele Rücken-Operationen bringen keine Verbesserung der Beschwerden. Schmerz- und Physiotherapie eignen sich wesentlich besser zur Behandlung der Probleme. Der Schmerztherapeut Thomas Nolte warnt auch vor zu zügigen Versuchen, durch bildgebende Verfahren die Ursache von Rückenschmerzen herauszufinden. Denn oft würden die Schmerzen durch Probleme in den Muskeln ausgelöst, die etwa durch Röntgenbilder gar nicht erkennbar seien. So würden viele Versicherte an den Bandscheiben operiert, wenn auf den Bildern hier Probleme festgestellt werden. Die Patienten hätten danach oft aber immer noch dieselben Schmerzen - die Bandscheiben seien oft gar nicht die eigentliche Ursache der Schmerzen.

Am Rücken lässt sich - mit der falschen Behandlung - gut verdienen

Dennoch wird operiert, was das Zeug hält: Zwischen 2005 und 2011 hat sich die Anzahl der Operationen an der Wirbelsäule mehr als verdoppelt. Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion geht hervor, dass es 2011 mehr als 730.000 Rücken-OPs in Deutschland gab. Warum? Vielleicht, weil OPs ein gutes Geschäft sind.

Pro Patient und Quartal zahlt die gesetzliche Krankenversicherung dem Arzt nur um die 40 Euro als Beratungspauschale. Verschreibt der Arzt Krankengymnastik oder Physiotherapie, bleiben die Kosten niedrig. Eine Wirbelsäulen-OP erzeugt demgegenüber Rechnungen zwischen 5.000 und 15.000 Euro. Gesundheitsexperten raten Patienten mit Rückenbeschwerden, vor der Entscheidung über eine Operation unbedingt eine zweite Arztmeinung einzuholen.

Es gibt noch einen anderen Auslöser für Rückenschmerzen, der durch Mediziner selten behandelt wird. "Sicher" sei, so der TK-Chef Jens Baas, dass es einen Zusammenhang zwischen Stress, psychologischen Belastungen und Rückenbeschwerden gibt. Dieser Hintergrund erklärt beispielsweise auch, weshalb so viele Arbeitslose unter Rückenschmerzen leiden und nicht nur Bauarbeiter und Pflegekräfte.

Schmerz-Experte Nolte rät zu einer Schmerztherapie mit Physiotherapeuten und Psychologen. Die Ergebnisse sprächen für sich: Vier Fünftel der Patienten, die länger als sechs Wochen Rückenschmerzen haben und diesen sanfteren Weg einschlagen, könnten nach rund einem Monat ins Alltagsleben zurückkehren. Solche Werte erreichten Operationen nicht.

Bei Rückenbeschwerden müsste die erste Frage eines Arztes an den Patienten also eigentlich lauten: "Was belastet Sie genau?"

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