Rudi Assauer hat Alzheimer

Was macht eine Krankheit mit der Partnerschaft?

Rudi Assauer hat Alzheimer. Der frühere Manager des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 spricht in seiner Autobiografie, die am 6. Februar erscheinen wird, ausführlich über sein Leiden - und zwar, wie man es von dem letzten großen Macho des Ruhrgebiets kennt, in klaren und deutlichen Worten: "Es gibt künstliche Knie, neue Hüftgelenke, andere freuen sich des Lebens mit einem Herzschrittmacher, aber der Kopf, die Birne. Schlimmer geht es nicht." Nicht nur für ihn, sondern auch für seine Angehörigen und Freunde, ist die Krankheit ein Schicksalsschlag.

Rudi Assauer: Alzheimer zerstörte seine Ehe
© Bongarts/Getty Images, Bongarts

Von Christiane Mitatselis

Der Titel des Buches des 67-Jährigen lautet "Wie ausgeblendet. Verblassende Erinnerungen an mein Leben." Wie der "Bild" zu entnehmen ist, leidet Assauer an der selteneren Form des erblichen Alzheimers, seine Mutter starb mit Alzheimer, sein zehn Jahre älterer Bruder leidet ebenfalls an der Krankheit. Erblicher Alzheimer trifft die Menschen schon mit 65 Jahren oder früher. Der weiter verbreitete, nicht erbliche Alzheimer tritt dagegen meist frühestens mit 70 auf, ohne dass man die Ursachen der Erkrankung kennt.

Die Symptome unterscheiden sich jedoch nicht. In beiden Fällen führt Alzheimer zu Erinnerungsverlust - sowohl das Kurzzeit- als das Langzeitgedächtnis sind betroffen. Weitere Symptome sind Orientierungsverlust und depressive Zustände. Bisher ist Alzheimer unheilbar, Medikamente können den Fortschritt der Krankheit nur verlangsamen.

Rudi Assauer wohnt jetzt bei seiner Tochter

Aufgrund seiner Familiengeschichte weiß Assauer also, was ihn erwartet. Wie es scheint, wollte er seine Erinnerungen niederschreiben, bevor ihn die Dunkelheit der Krankheit erfasst. Überhaupt scheint Assauer sein Leben auf die Krankheit ausgerichtet zu haben. Laut "Bild" wohnt er bei seiner 46-jährigen Tochter Bettina in Gelsenkirchen, die sich ebenso wie seine ehemalige Sekretärin um ihn kümmert.

Im April 2011 hatte Assauer zwar die 21 Jahre jüngere Britta geheiratet, die Ehe soll jedoch zerbrochen sein. Über die Gründe ist nichts bekannt. Es ist dem Fußball-Manager aber zuzutrauen, dass er die Verbindung selbst beendet hat. Mit dem Fortschreiten der Krankheit würde seine Frau zwangsläufig in die Rolle der Pflegerin eines immer hilfloseren Mannes geraten. Assauer gab sein Leben lang den harten, kompromisslosen Mann - eine solche Vorstellung muss für ihn die Hölle sein.

Assauer hat Recht, es gibt nichts Schlimmeres als Schädigungen des Gehirn. Nicht alle Menschen haben aber die Zeit, ihr Leben auf das Leiden auszurichten. Schlaganfälle oder Hirnblutungen erwischen die Menschen meistens aus heiterem Himmel. Wird das Hirn stark geschädigt, kann aus einem vitalen, hochintelligenten Menschen von einem Tag auf den anderen ein Pflegefall werden, der wie ein Alzheimer-Patient die Orientierung verliert - und sich an kaum etwas erinnert.

Der Partner eines solchen Menschen kämpft meistens zunächst voller Hoffnung darum, den Kranken zurück ins Leben zu holen. Mit unterstützender Therapie und liebevoller Aufmerksamkeit. Wenn aber die Zeit vergeht und kein Fortschritt eintritt, kann die Dauer-Fürsorge zur frustrierenden Belastung werden. Sie nimmt dann einen so großen Raum im Leben ein, dass kein Platz mehr für andere Dinge bleibt. Es gibt Menschen, die das nicht aushalten, die Pflege schließlich in professionelle Hände geben und ein neues Leben beginnen. Einen Vorwurf kann man ihnen nicht machen.

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