GESUNDHEIT GESUNDHEIT

Rote Karte für WM-Lebensmittel

Rote Karte für WM-Lebensmittel
© dpa, A3397 Gero Breloer

Finger weg von den Fußball-Knabbereien!

Es ist WM in Südafrika, Fußball boomt, Deutschland siegt und alle wollen schauen, jubeln und genießen. Die Lebensmittel-Industrie lässt sich dieses Geschäft natürlich nicht entgehen, ist bestens vorbereitet auf ein solches Großereignis und wirft rechtzeitig zu den Titelkämpfen allerlei WM-Knabbereien und -Leckereien auf den Markt.

Aber Achtung, der Konsument sollte hier lieber extrem defensiv spielen. Foodwatch testete elf solcher WM-Produkte und befand: Gefährliches Spiel, sämtliche Produkte erhielten eine Rote Karte. Platzverweis für die Süßigkeiten!

Foodwatch versah die WM-Produkte mit der Ampelkennzeichnung der vier wichtigsten Nährwerte (Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz) mit den Signalfarben Rot (=hoch), Gelb (=mittel) und Grün (=niedrig) gekennzeichnet. Das Ergebnis: Kein einziges der 11 Produkte kommt ohne rote Ampel aus. Bei sieben Lebensmitteln zeigen sogar gleich drei der vier Ampelfelder Rot.

Die Produkte in der 'Einzelkritik'

"Viele WM-Produkte haben sich die roten Ampelkarten redlich verdient und wären im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung gar nicht spielberechtigt", erklärte foodwatch-Sprecher Martin Rücker. "Die sportlichste Werbung wird ausgerechnet für die unsportlichsten Produkte gemacht: für Junk Food, Softdrinks und Süßigkeiten."

Die Produkte in der 'Einzelkritik':

Tor: Das Tor hüten ja vor allem in den Jugendmannschaften oft die dicken Würstchen. Daher stellen wir 'Herta Knacki Ball (Nestlé)', das sind Würstchen in Ball-Form ins Tor. Hier herrscht akute Rot-Gefahr in den Kategorien Fett, gesättigte Fette und Salz. Wer hier zuschlägt, muss nachher das Tor mindestens dreimal um den Platz tragen, um das Fett wieder abzubauen.

Abwehr: Eher defensiv sollte man auch mit der Yogurette WM-Edition umgehen. Warum? Mehr Kalorien kann man sich kaum einverleiben. 567 kcal pro 100 Gramm. Wenn Jogis Jungs sich davon ernährten, wären sie kugelrund wie Ailton.

Ebenfalls extrem rotgefährdet sind die Kinder-Riegel. Auch für die „Extra-Portion Milch“ gibt es drei Mal Rot (Fett, gesättigte Fette und Zucker, dazu jede Menge Kalorien). Die Kinder-Riegel in der Viererkette also unbedingt auswechseln. Vielleicht gegen einen Apfel….

Hersteller Kraft und seine Milka Alpenmilch Haselnuss gehören eigentlich auch auf die Ersatzbank. Auch hier gibt es dreimal Rot! Und: Selbst die vierte Kategorie, der Salzgehalt, erhält eine Gelbe Karte. Für die Milka Alpenmilch Schokolade Haselnuss gibt es also gar kein grünes Licht. Ab zum Duschen!

Hanuta packt die deutschen Spieler als Klebebildchen in seine Schoko-Waffel. Doch auch hier sollte der Verbraucher sehr defensiv agieren. Dreimal Rot und einmal Gelb. Mit Hanuta gewinnt man keine Titel.

Bifi im Salzgehalt nicht zu schlagen

Rote Karte für WM-Lebensmittel
© picture alliance / ZB, Martin Schutt

Mittelfeld: Im Mittelfeld sind normalerweise die Dauerläufer im Einsatz, die viele Kalorien verbrennen. Wer also meint, er müsse richtig zulangen, der kann sich eine Bifi reinhauen. Denn die Bifi kommt mit mehr als 500 Kalorien pro 100 Gramm daher. In Sachen Fett liegt Bifi in der Negativliste mit 45 von 100 Gramm einsam an der Spitze, auch beim Salzgehalt ist Bifi ‚nicht zu schlagen’. Dreimal Rot für die Salami.

Im defensiven Mittelfeld nehmen die kleinen m&m’s den Platz neben der Bifi-Wurst ein. Die beiden passen gut zueinander und harmonieren prima. Denn auch m&m’s bekommen gleich drei Rote Karten und haben mehr als 500 Kalorien pro 100 Gramm.

Etwas offensiver dürfen Sie mit den Pringoooals umgehen, der WM-Ausgabe der Pringels. Zwar haben die Chips von Procter & Gamble mehr als 500 Kalorien pro 100 Gramm, aber immerhin kommen sie nur auf zwei Roten Karten. Zucker- und Salzgehalt sind nicht im roten Bereich.

Cola ist noch das kalorienärmste Getränk

Angriff: Kommen wir zur Abteilung Attacke: Hier dürfen Sie etwas sorgloser zu Werke gehen. Dreimal grün und somit nur eine Rote Karte gibt es für Müller Milchreis. Einzig der Zuckergehalt dieses WM-Produktes erhält glatt Rot.

Neben dem Milchreis stürmen die Haribo Pasta-Flagga, das ist zuckriges Naschwerk in Schwarz-Rot-Gold. Rot für Haribo gibt es nur in der Kategorie Zucker, da aber ordentlich: 56,8 von 100 Gramm sind Zucker - der 'Bestwert'. Was für eine Bombe. Dafür kommen diese Süßigkeiten ganz ohne Salz aus.

Genau wie die Coca-Cola, die das einzige Getränke in der ‚Lebensmittel-WM-Elf’ ist. Die WM-Cola ist das kalorienärmste Produkt. Eine Rote Karte gibt es nur beim Zuckergehalt.

Wie viel diese Produkte tatsächlich mit Sport zu tun haben, zeigt die Prämienaktion von Ferrero in Zusammenarbeit mit dem DFB: Verbraucher können zum Beispiel auf ‚Kinder Riegeln’ Punkte sammeln und gegen Preise eintauschen. Für 100 Punkte gibt es beispielsweise ein "DFB Fan-Trikot" - dafür müsste man 500 Kinder-Riegel verzehren.

500 Kinder-Riegel, das bedeutet:

- 59.000 Kalorien (kcal),

- 5,5 Kilogramm Zucker (umgerechnet mehr als 1.800 Stück Würfelzucker) und

- 3,65 Kilogramm Fett (umgerechnet rund 18 Päckchen Butter).

Um diese Kalorienmenge wieder abzutrainieren, müsste ein Erwachsener (70 kg Körpergewicht) bei allen 64 Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika über 90 Minuten mitspielen, von der Vorrunde bis zum Finale.

Anzeige