Rosenkrieg vermeiden: Die wichtigsten Fragen zum Thema Scheidung

Rechtspflegerin Astrid Leonhardt
Astrid Leonhardt ist seit über 20 Jahren Expertin im Bereich des Jugend- und Familienrechts.

WIe kann man den Rosenkrieg umgehen?

Eine Scheidung ist für alle Betroffenen schlimm - und häufig extrem kompliziert. Besonders schwierig ist die Situation, wenn ein gemeinsamer Haushalt mit Kindern aufgelöst werden muss. Wer lebt in Zukunft bei wem? Welche Rechte und Pflichten hat der Ex-Partner? Und wie halten Eltern das Leid der Kinder in Grenzen? Rechtspflegerin Astrid Leonhardt hat im Experten-Chat die wichtigsten Fragen der RTL.de-Leser beantwortet.

frankenfee66 fragt: Mein Ex-Mann redet vor unserer Tochter immer schlecht über mich. Was kann ich tun?

Astrid Leonhardt: Sie sollten versuchen, die Situation in einem gemeinsamen Gespräch zu klären. Solche Termine vermittelt beispielsweise das Jugendamt. Es muss Ihrem Ex-Mann deutlich gemacht werden, dass er nicht berechtigt ist, den anderen Elternteil vor dem Kind schlecht zu machen. Beratungsstellen finden sich bei jedem Jugendamt oder auch der Diakonie. Die Jugendämter für Ihren Kreis finden sie übers Internet. Beratungen beim Jugendamt sind generell kostenlos.

Astrid Leonhardt weiß Rat beim Thema Scheidung

best_mama: Meine Kinder (12 und 10) leben beim Vater und wollen keinen Kontakt zu mir. Kann ich dagegen vorgehen? Das Jugendamt fühlt sich nicht zuständig.

Astrid Leonhardt: Ja, dagegen kann man gerichtlich vorgehen. Sie können die Regelung zum Umgang am zuständigen Familiengericht beantragen. Das Jugendamt sollte in jedem Fall vermitteln. Kinder darf man aber generell nicht zum Umgang zwingen. Sie können versuchen, vor dem Familiengericht zu klären, ob die Kinder wirklich keinen Kontakt wollen oder nicht dürfen.

Lisanne83: Wir sind eine Patchwork-Familie: Der Sohn meines Mannes lebt bei der Mutter. Diese möchte aber nicht, dass der Sohn Umgang mit mir als neue Frau hat. Darf sie den Umgang verbieten?

Astrid Leonhardt: Nein, die Mutter des Kindes hat es zuzulassen, dass das Kind beim Umgang mit seinem Vater auch Kontakt zu dessen neuer Partnerin hat.

marie126 fragt: Darf mein Noch-Mann einfach einen Wechselmodus durchführen? Ich soll das Kind nur 14 Tage im Monat bei mir haben dürfen.

Astrid Leonhardt: Nein, ein Wechselmodus ist nur in beiderseitigem Einverständnis durchsetzbar.

TeigTasche fragt: Meine Ex ist mit den Kindern weggezogen. Muss sie mir die Fahrtkosten für den Umgang bezahlen?

Astrid Leonhardt: Das kommt auf die Entfernung an. Wenn Sie sehr weit weggezogen ist und Ihnen erhebliche Kosten entstehen, muss Sie sich an den Kosten beteiligen. Im Moment ist das unter Experten sehr strittig und es werden Hinweise erarbeitet.

Baby_74 fragt: Ich möchte versuchen, das alleinige Sorgerecht zu erhalten. Habe ich da eine Chance? Der Vater kümmert sich nicht, möchte aber das Sorgerecht trotzdem behalten.

Astrid Leonhardt: Da werden Sie leider keine Chance haben, sofern dem Vater nicht schwerste Misshandlungen oder Ähnliches nachgewiesen werden können. Ein "nicht kümmern" ist kein aussagekräftiges Argument für ein Gericht, das alleinige Sorgerecht durchzusetzen.

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