LIEBE LIEBE

Rosarote Brille: Warum der Rat der Eltern da helfen kann

Rosarote Brille: Warum der Rat der Eltern da helfen kann

Es zählt das Verhältnis zu den Eltern

Zu den großen emanzipatorischen Errungenschaften unserer Zeit gehört das Recht auf freie Partnerwahl, ein Privileg, das leider nicht alle Frauen auf dieser Welt haben. Dieses hart erworbene Recht bedeutet wirklich eine Revolution im Sinne der wahren Liebe, denn Liebe ist ein Kind der Freiheit. Was waren das für düstere Zeiten, als Mädchen von ihren Eltern zu einer Ehe mit einem ungeliebten Mann gedrängt wurden und keine Chance hatten, sich den Mann an ihrer Seite auszusuchen?

Es ist auch heute noch für junge Mädchen und Frauen ein Meilenstein auf dem Weg zur inneren und äußeren Unabhängigkeit, unbeirrt auf die Stimme ihres Herzens zu hören, selbst wenn die Eltern mit dem Partner nicht einverstanden sind und wollen, dass man die Finger von ihm lässt. Es ist ja nicht so, dass sich besorgte Mütter und Väter heutzutage nicht mehr in das Liebesleben ihrer Kinder einmischen, sie tun es aber in der Regel dezenter als früher. Und: Ihr Wort ist nicht mehr Gesetz.

Nun gibt es seit einiger Zeit eine Art Rückwärtsbewegung, was den Einfluss der Eltern angeht. Immer mehr Frauen entschließen sich, ihre Eltern ganz bewusst in die Entscheidung für oder gegen einen Mann mit einzubeziehen. Es heißt, dass die Jugend allgemein konservativer wird, dieser Trend, die Eltern mit ins Boot zunehmen, was Beziehungen angeht, ist ein deutliches Zeichen dafür.

Die Frage ist: Wie finde ich das? Vielleicht erstaunt es Euch, doch ich, die ich stets für Freiheit plädiere, begrüße diese Entwicklung durchaus. Wir leben in einer Gesellschaft, in der erwachsene Kinder mit ihren Eltern auf einer anderen Art auf Augenhöhe sind als je zuvor in der Geschichte. Ich kenne viele Frauen, die ein freundschaftliches Verhältnis zu Mutter und Vater pflegen, die den Rat der Eltern sehr schätzen, weil das einfach die Menschen sind, die sie am besten und am längsten kennen – und am meisten lieben.

Wer sich von seinen Eltern unterdrückt fühlt, würde gewiss nicht ihren Rat annehmen, aus einem Gefühl der Stärke heraus, kann es jedoch anregend und bewegend sein, sich anzuhören, was die Eltern zum neuen Freund sagen. Eltern haben einen Blick auf ihren Nachwuchs, der eine lange Tradition hat, er fängt mit dem Blick in den Kinderwagen an. Eltern vermögen es, einzuschätzen, was für ihr Kind Bedeutung hat, was es glücklich macht. Das ist einfach nicht von der Hand zu weisen.

Eltern holen uns zurück in die Realität

Nehmen wir dieses Beispiel: Die Tochter ist ehrgeizig und klug, sie war es während der Schulzeit vom ersten Tag an, sie hat immer exzellente Schulnoten nach Hause gebracht. Ihr Traum: Karriere, Wohlstand, Unabhängigkeit!

Plötzlich sitzt ein Typ im Wohnzimmer, der sich eher als Aussteiger und Absteiger versteht. Er will die Tochter ehelichen, seine Vision: Er will mit ihr im Wohnmobil und von selbst angebauter Kresse leben. Beruf und Karriere ade.

Vielleicht ist die Tochter Feuer und Flamme für diese Art von Zukunft, die ihrem Liebsten vorschwebt. Der profane Grund: Sie ist verliebt, sie sieht den Wald vor Bäumen nicht, sie sieht sich nicht. Sie hat in der Phase der Verliebtheit ihre Identität vergessen, so ist das eben, wenn die Schmetterlinge im Bauch den Kurs angeben. Das ist normal, das ist gut, das ist schön. Allerdings ist es auch wunderbar, wenn jemand in diesem Moment sagt: „Du, Töchterlein, wie willst Du diese unkonventionelle Lebensform mit all den Plänen vereinbaren, die Du seit vielen Jahren zielstrebig verfolgt hast? Willst Du wirklich im Wohnmobil wohnen die nächsten Jahrzehnte?“

Diese Art von Einspruch kann natürlich auch von Freunden kommen, doch Freunde sind eher geneigt, dem Wechsel zuzusprechen, als sich auf die Konstanz zu beziehen. Mit Freunden ist man irgendwie in gemeinsamer Aufbruchsstimmung. Wenn Freunde sehen, dass es einem prächtig geht, dann reicht das, das ist für Freunde genau richtig. Das hilft aber bei wichtigen Entscheidungen im Leben nicht zwingend weiter.

Wenn die Eltern dagegen einfach die Erfahrung mit einbringen, die sie mit ihrem Kind gemacht haben, wenn sie deutlich aber sanft zur Sprache bringen, wie sie ihr Kind sehen, wie sie eine Beziehung sehen, die ihm auf Dauer gut tut, dann ist das wie ein Blick in einen Lebens-Spiegel, der manches klären kann.

Ich denke, dass die Freiheit der Partnerwahl durch die intensive Auseinandersetzung mit der Meinung der Eltern sogar noch an Dimension gewinnt. Es kann frei machen, sich selbst zu erkennen.

Hauptsache, am Ende zählt nur die Liebe. Eure Birgit

Anzeige