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Rollenklischees in Kinderbüchern: Achtjährige wehrt sich gegen sexistisches Buch

Rollenklischees in Kinderbüchern: Achtjährige wehrt sich gegen sexistisches Buch
© © Screenshot Constancecooper.com

Leider strotzen viele Kinderbücher vor Klischees

Hut ab vor dem kleinen Mädchen, das sich so heftig gegen Sexismus in einem Kinderbuch gewehrt hat, dass das literarische Mistwerk aus dem Regal geflogen ist. War das eine Riesenausnahme? Welches Rollenbild vermitteln die Bücher von heute eigentlich?

Von Dagmar Baumgarten

"Boys only" und "Girls only": Als Überlebensratgeber wurden diese Bücher in Kalifornien angepriesen. In den Büchern sollen Jungs lernen, wie man sich bei Erdbeben verhält, sich alleine durch einen Wald kämpft, oder eine Hai-Attacke abwehrt. Für Mädchen scheinen allerdings nur Styling-Tipps notwendig um zu überleben - und wie man einer Katze "Sitz!" beibringt. Die beiden Bücher sind so vollgestopft mit Klischees, dass selbst die Buchverkäuferin der wütenden Achtjährigen verschämt zustimmte, dass so etwas in einem modernen Buchladen nichts zu suchen hat. Und da wir uns so sehr über die junge Feministin freuen, räumen wir doch gleich mal in unseren deutschen Regalen auf.

Da erscheint nämlich zu Weihnachten das Buch: "Glorious Book for Christmas - Das einzig wahre Weihnachtsbuch für die ganze Familie". Das könnte man frei übersetzen mit „Grausige Klischees“. Kleiner Auszug aus der Inhaltsangabe: "Mütter erfahren, warum sie sich jedes Jahr mit einem Gänsebraten herumärgern müssen und Väter, welcher Weihnachtsbaum der größte ist, Töchter lernen, Fäustlinge zu stricken, die auch wirklich warm halten, und Söhne was ‚Frohe Weihnachten!‘ auf Finnisch heißt." Rikka heißt auf Finnisch übrigens Müll, und genau dahin gehören solche Machwerke auch.

Dürfen denn Jungs nur die Schwerter putzen?

Mädchen: Prinzessin - Junge: Ritter. Diese mittelalterlichen Themen sind auch im Jahr 2013 immer noch ziemlich aktuell. Das klingt aber verstaubter, als es ist. Das Buch „König & König“ von Linda de Haan beschäftigt sich auch mit den Schwierigkeiten eines Kronprinzen, der nur König werden kann, wenn er heiratet. Damit das endlich was wird, muss die Königin ihrem Sohn helfen. Dieses etwas andere "Schwiegertochter gesucht"- Märchen ist völlig frei von Klischees, und findet auch ein ziemlich überraschendes liberales Ende.

Glücklicherweise sind mittlerweile die meisten Mädchen nicht nur zum Schönsein und Kochen da - und "Dürfen denn Jungs nur die Schwerter putzen"-Bücher schon in der Altpapierverwertung gelandet. Viel mehr sind Mädchen wie "Greta" jetzt die Heldinnen, die witzige Ideen haben, und mutig Dinge tun, die man sich als Erwachsener gerne trauen würde. Im "Muffin-Club" ist die Hauptfigur die kleine Lulu, die sogar ein Genie in Mathe ist! Wenn man gezielt nach Mädchenbüchern sucht, stößt man auf jede Menge kleiner Heldinnen, die mutig, klug und originell auch große Abenteuer meistern. Selbst in Vampirromanen sind sie nicht mehr die blutarmen Opfer, sondern beißen selber zu!

Es ist viel los im deutschem Kinderbücherwald. Im dichten Gestrüpp verstecken sich leider auch immer mal wieder literarische Rückschläge, deren Inhalt eine Ansammlung von Klischees ist. Aber die Mehrzahl der Kinderbücher ist angenehm frei von ermüdenden Rollenverteilungen. Es gibt viele Lottas und Tinkas, die sich mit Problemen wie Freundschaften und Rivalitäten auseinandersetzen müssen, und das ziemlich pfiffig und charmant meistern. Constance Cooper hat ihrer Tochter offensichtlich viel daraus vorgelesen, oder selber lesen lassen. Vielleicht war die Achtjährige deshalb so schockiert, als sie das sexistische "Girls Only"-Pamphlet aus dem Regal gezogen hat. Wohin es dann dank ihres Aufstands ja auch nicht mehr zurück kehrte!

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