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Rituale beim Fußballgucken: Mit Aberglaube zum Sieg - geht das?

Rituale gehören einfach zum Fußballgucken

Ohne das Trikot des Lieblingsspielers Fußball gucken? Das steht für viele Fans gar nicht zur Debatte. Immerhin könnte das gebrochene Ritual ja Unglück bringen. Ist das alles bloß Hokuspokus oder hilft Aberglaube wirklich? Wir haben die Psychologin Katharina Ohana befragt.

Rituale beim Fußballgucken: Mit Aberglaube zum Sieg - geht das?
© Getty Images, franckreporter

Sie glauben, Maskottchen & Co. beeinflussen Sie nicht weiter? Dann täuschen Sie sich. Studien beweisen nämlich: Alle Menschen tendieren zum magischen Denken. Und das eben ganz besonders beim Sport. Manche Fußballfans zählen auf ihre Glücksunterwäsche, andere auf einen bestimmten Tagesablauf. Und auch die Spieler haben so ihre Marotten: Kapitän Schweinsteiger schwört beispielsweise darauf, immer als Letzter aus dem Mannschaftsbus zu steigen. Der ehemalige Nationalstürmer Miroslav Klose folgte einem festen Ritual beim Anziehen der Schuhe und betrat den Rasen immer mit dem rechten Fuß.

Welche Marotten unter den Spielern noch verbreitet sind und welche Rituale die deutschen Fans haben, erfahren Sie im Video. Außerdem erklärt die Psychologin Katharina Ohana, welchen Einfluss der Aberglaube auf unsere Psyche hat.

Rituale helfen in Stresssituationen

Rational gesehen ist Aberglaube ziemlicher Unfug. Allerdings kann er trotzdem helfen, wie unzählige Studien beweisen - darunter eine von Psychologen der Universität zu Köln. Das Team um die Sozialpsychologin Lysann Damisch hat eine Reihe von Versuchen zum Thema 'Aberglaube im Sport' unternommen. Sie luden unter anderem 28 Studenten zum Golfspielen ein. Bevor die Versuchsteilnehmer jedoch abschlagen durften, erklärten die Psychologen der Hälfte von ihnen, ihr Ball habe sich bisher als Glücksball erwiesen.

Die Probanden mit dem angeblichen Glücksball - welcher natürlich ein ganz normaler Golfball war - lochten im Schnitt mehr als sechs von zehn Bällen ein. Das berichten die Wissenschaftler im Fachjournal 'Psychological Science'. Die Kontrollgruppe mit dem gewöhnlichen Ball schnitt schlechter ab. Hier beförderten die Studenten weniger als fünf von zehn Bällen ins Loch. Auch die anderen Versuche gingen so ähnlich aus. Mit einem Glücksbringer erbrachten die Teilnehmer immer bessere Leistungen. Der Grund laut Forschern: Die Teilnehmer mit Talisman waren einfach zuversichtlicher.

Die Marotten, die viele Spieler und Fans an den Tag legen, haben natürlich keinen Einfluss auf die Außenwelt, so Katharina Ohana. Doch sie beeinflussen unsere Psyche positiv. Sie geben nämlich Sicherheit, helfen in Stresssituationen und können durchaus zum Erfolg beitragen. Warum also nicht weiterhin auf Trikot, Glücksunterwäsche und Maskottchen zählen?

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