GESUNDHEIT GESUNDHEIT

Riskantes Baden in Seen und Flüssen: Wo die größten Gefahren lauern

Lebensgefährliche Strömungen

Kaum beginnt die Badesaison so richtig, fordert die Abkühlung in deutschen Gewässern ihre Todesopfer. Aber wie kommt es zu einem Badeunfall und kann man einen Ertrinkenden erkennen? Unser Reporter macht den Selbstversuch und zeigt, wie gefährlich das Schwimmen in Seen und Flüssen ist.

Polizei beobachtet Badesee
Polizeibeamte beobachten am Badesee Selker Noor ihre Kollegen, die zuvor eine Leiche geborgen haben. © dpa, Carsten Rehder

Besonders gefährlich ist die Strömung: Nicht mal in Ufernähe ist die Strömung für geübte Schwimmer zu schaffen. Und doch gehen sogar Kinder immer wieder zum Schwimmen in deutsche Flüsse und Seen. Die meisten Eltern glauben, ihren Nachwuchs sicher im Blick zu haben. Auch Tatjana Mitterhuber hatte ihren achtjährigen Sohn Felix die ganze Zeit im Blick. Er durfte ausnahmsweise alleine ins Wasser, ist ein sicherer Schwimmer. Sie blieb mit dem Säugling am Strand. Als ihr Sohn unerwartet in eine Elb-Strömung geriet, konnte sie nur hilflos zusehen. Felix konnte sich aus eigener Kraft nicht mehr retten, obwohl er nur ein paar Meter vom Ufer entfernt war. Ohne die schnelle Hilfe der DLRG wäre der Badeausflug für Felix wohl tödlich ausgegangen.

Im letzten Jahr sind in Deutschland alleine in Seen 144 Menschen ertrunken. Fast genauso viele Todesfälle gab es in Flüssen. Im Meer kamen deutlich weniger Menschen ums Leben: 29. Das Schwimmbad ist im Vergleich mit elf Ertrunkenen wesentlich sicherer. Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass gerade Flüsse und Seen besonders gefährlich sind.

An diesen Anzeichen erkennt man Ertrinkende

Extrem risikoreich ist das Schwimmen an den sogenannten Buhnen oder Kribben. Diese ins Wasser gebauten Mauern dienen der Schifffahrt, locken aber durch das scheinbar ruhige Gewässer viele Menschen zum Baden an. Das Wasser bewegt sich zwischen den Buhnen kreisförmig und wird an der Spitze der Mauer zu einem gefährlichen Strudel, der sich regelrecht in den Boden bohrt.

Genauso idyllisch wie die großen Flüsse, aber leider auch genauso gefährlich, sind die beliebten Badeseen. Vor allem Jugendliche sind besonders gefährdet: Alkohol und der damit oftmals verbundene Leichtsinn bringen sie in große Gefahr. Wenn Betrunkene ins niedrige Wasser springen, können schwere Verletzungen die Folge sein.

Für Nichtschwimmer gefährlich sind die sogenannten Abbruchkanten am Grund des Baggersees. Hier geht es vom seichten Wasser schlagartig in die Tiefe. Umso wichtiger ist es daher, dass Kinder die richtige Schwimmhilfe haben. Schwimmkissen oder -flügel werden von Experten empfohlen. Ein Schwimmbrett hat im Vergleich zu einem Schwimmreifen den Vorteil, dass sich das Kind nicht vermeintlich sicher fühlt, sondern genau weiß: Wenn es hier loslässt, ist es alleine. Sie werden auch im Schwimmunterricht eingesetzt.

Und woran erkennt man, ob jemand ertrinkt? Grundsätzlich ist das Ertrinken ein lautloser Unfall. Es gibt aber einige Anzeichen, an die man Ertrinkende erkennen kann. Zum Beispiel, wenn die Person versucht zu schwimmen, aber nicht vorankommt oder versucht, sich auf den Rücken zu drehen. Ertrinkende haben den Mund auch häufig auf der Wasserhöhe und ringen verzweifelt nach Luft. Ebenfalls ist es ein alarmierendes Zeichen, wenn sich der Körper aufrecht im Wasser befindet, die Beine aber kaum bewegt werden.

Die Erfahrungen unseres Reporters, die er im Rhein und im See gemacht habe, zeigen deutlich, wie sehr Gefahren im Wasser unterschätzt werden. Gerade, wenn Alkohol im Spiel ist oder mit Kindern gilt oberste Vorsicht – damit die schönen Badetage auch im Guten enden.

Anzeige