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Risiken für Frühgeburten nehmen zu: Ist das Alter der Mütter Schuld?

Risiken für Frühgeburten nehmen zu: Ist das Alter der Mütter Schuld?
Es gibt immer mehr Frauen, die im hohen Alter noch ein Kind bekommen © dpa, Britta Pedersen

Neun Prozent aller Geburten sind Frühgeburten

Dank moderner Medizin überleben heute immer mehr Babys, die zu früh auf die Welt kamen. Dennoch nimmt das Risiko, dass Frauen eine Frühgeburt erleiden, immer mehr zu. Ein Grund dafür könnte ein neuer gesellschaftlicher Trend sein: Es gibt immer mehr ältere Mütter und immer mehr Zwillings- und Drillingsschwangerschaften nach künstlichen Befruchtungen. Doch auch Wohlstandskrankheiten wie Übergewicht erhöhen das Risiko, ein Frühchen zu bekommen.

Neun Prozent aller Geburten sind Frühgeburten, teilte die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie am Donnerstag in Berlin mit. Damit ist die Rate der verfrühten Geburten in den vergangenen Jahren nicht gesunken und liegt nach Angaben der Gesellschaft international nur im Mittelfeld. Vor rund 40 Jahren starben jedes Jahr etwa 12 000 Babys in Deutschland in ihren ersten Lebenswochen oder Monaten, berichtet Gerhard Jorch, Direktor der Universitätskinderklinik Magdeburg. Heute seien es nur noch 2200. Mehr als die Hälfte von ihnen sind zu früh geborene Kinder.

2013 gab es rund 63.000 Frühgeburten in Deutschland. Ältere Mütter, mehr künstliche Befruchtungen und auch Übergewicht erhöhen das Risiko für eine Frühgeburt. Die Ursachen dafür seien oft Infektionen und unausgewogene Ernährung, erklärt Babett Ramsauer, Geburtsmedizinerin am Berliner Vivantes-Klinikum Neukölln. Die soziale Situation spiele ebenfalls eine Rolle. Schwangere mit wenig Bildung und Einkommen gingen oft seltener zu Vorsorgeuntersuchungen, bei denen Risiken für eine Frühgeburt erkannt werden können. Ein Gegensteuern sei zu einem frühen Zeitpunkt oft noch möglich.

Ist das "social freezing" Schuld?

Mit Blick auf das Alter der Mütter sieht Ramsauer auch die Idee des "social freezing" sehr kritisch. Dabei werden jungen Frauen Eizellen entnommen, eingefroren und in höherem Alter befruchtet wieder eingepflanzt. Ab 35 Jahren stiegen trotzdem alle Risiken für eine Schwangerschaft - und damit auch für eine Frühgeburt. Das beste Alter für ein Kind liege für Frauen um die 25 Jahre, betonte Ramsauer.

Unimediziner Jorch sieht aber auch einen Fehler im System. Mehr als 200 Krankenhäuser in Deutschland böten heute spezielle Abteilungen für Früh- und Neugeborene (Perinatalzentren) an. Doch nicht alle könnten es sich leisten, sie mit allem auszustatten, was dazu nötig sei: Kinderchirurgen, Kinderanästhesisten, ausreichend geschultes Pflegepersonal, Einzelzimmer für die winzigen Patienten und Nachsorge-Experten. Deshalb wäre es sinnvoller, weniger Zentren mit mehr Geld auszustatten, sagte Jorch.

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