Rezension

Rezension

Sie haben Spanien in Ihr Herz geschlossen? Dann sind Sie mit Robert Wilson auf einer Wellenlänge. In seinem neuen Thriller „Andalusisches Requiem“ entführt er uns wieder nach Sevilla. Für den Engländer eine der schönsten Städte Europas.
Doch der schöne Schein trügt. In seinem vierten Fall muss Kommissar Javier Falcón an allen Fronten kämpfen.

Terroristen aus Marokko treffen auf die russische Mafia der Costa del Sol, dubiose Bauunternehmer bekriegen sich mit korrupten Politikern. Am Ende geraten alle aneinander. Und dazwischen immer wieder Kommissar Falcón und ein bisschen spanische Landeskunde: Fluchen auf Spanisch sollte nach der Lektüre kein Problem mehr für Sie sein. Vielleicht sehen Sie sogar den Stierkampf mit anderen Augen.

In Wilsons Thriller können die Protagonisten den Schein ihres fröhlichen Lebens in einer bezaubernden Stadt nicht lange aufrecht erhalten. Im Mittelpunkt stehen nicht der oberflächliche Thrill oder massive Brutalität, sondern die Figuren. Kommissar Falcón ist einer von diesen Einzelgängern, die für die Rolle des Kommissars reserviert sind.  Doch er erscheint dem Leser auch wie ein Freund.

Dessen innere Kämpfe, Zweifel und Gefühle lassen sich gut nachempfinden. Im Finale der Falcón-Reihe trifft ihn das Schicksal besonders hart: Seine Beziehung zu seiner Freundin Consuelo steht auf dem Spiel als ihr Sohn entführt wird, sein bester Freund droht auf die falsche Seite zu wechseln und Falcóns Leben schwebt in Gefahr.

Doch der Gegner ist nicht greifbar. Wilson spinnt ein enges Netz von Verstrickungen. Für die Morde und die Entführung könnte fast jeder der rivalisierenden Gruppen verantwortlich sein.
Bei Wilson macht die Psychologie die Spannung aus. Langsam lüftet sich der trügerische Schein der Protagonisten und zeigt die wahren Menschen.
Er spielt mit Ängsten, die wir alle kennen. Den diffusen Ängsten, wie vor einem terroristischen Anschlag und den fassbaren, wie der Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren. Wilson beschreibt in seinen Thrillern keine losgelösten, nur auf dem Papier bestehenden Welten. Er nimmt das aktuelle Geschehen auf: Menschenhandel in Spanien, Korruption im Baugewerbe, die Geldwäsche der Mafia. Das ist die andere Seite des sonnigen und fröhlichen Landes.  

Wilson schreibt tiefgründige Romane mit einem großen Schuss Psychologie, anhaltender Spannung und viel Liebe zur iberischen Halbinsel. Wenn sich Kommissar Falcón bisher noch nicht in Ihrem Bücherregal wiederfindet, sollten Sie seinen letzten Fall nicht verpassen.  

 

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