Rezension

Rezension

Sie ist blond, hübsch, schlank: Voller Angst hetzt sie durch die bedrohliche Dunkelheit. Von einem unsichtbaren Schlächter getrieben, stürzt sie durch den Wald. Vision oder grausame Realität? Bei Autorin Claudia Puhlfürst weiß der Leser nie genau, woran er ist. Ständig wird er getäuscht. Dieses verwirrende Spiel macht den Reiz des Thrillers „Ungeheuer“ aus.

Die Journalistin Lara Birkenfeld wird von Alpträumen gequält. In ihren Träumen werden nackte Frauen wie Vieh durch die Dunkelheit gejagt. Nach dieser mörderischen Hatz werden sie kaltblütig getötet und ihre Körper ausgeweidet. Die Journalistin ahnt, dass hinter ihren Visionen etwas Wahres steckt. Sie macht sich auf die Suche und kommt einem Serienmörder auf die Spur. Ihre Neugier bringt sie in Todesgefahr, denn sie passt genau ins Beuteschema des Mörders: blond, hübsch, schlank.

Nicht nur Lara Birkenfeld lernt der Leser auf den ersten Seiten kennen, auch die Gedanken- und Gefühlswelt des Mörders. Der Leser schaut dem Mörder bei seinen Grausamkeiten genau über die Schulter. Früh erkennt er sein Motiv. Immer ist er  der Journalistin voraus, erkennt die Zusammenhänge und lässt Lara Birkenfeld daher ziemlich naiv dastehen. Diese Nähe zu den Protagonisten lässt weniger Spannung zu und macht das große Finale kleiner als es hätte sein können. 

Dennoch ist dieser Thriller nichts für schwache Nerven. Wie in einen Selbstbedienungsladen greift der Mörder zu und schlachtet die Frauenkörper aus.
Puhlfürst beschreibt das Vorgehen des Mörders äußerst plastisch, vielleicht ein wenig zu einprägsam. Der Leser hört die Rippen förmlich knacken, wenn der Killer sie auseinander schneidet, um das Herz zu entfernen. Die Organe des Lesers ziehen sich unwillkürlich zusammen, wenn die Autorin das schaurig-eklige Vorgehen des Mörders schildert.

Drastische Bilder, das ist die Stärke von Puhlfürsts „Ungeheuer“.

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