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Rente mit 70 - geht's noch? Warum auch in Zukunft ein sorgenfreier Ruhestand möglich sein muss

ARCHIV - Zwei ältere Frauen gehen mit ihren Rollatoren über einen Platz in Frankfurt (Oder).
Der Weg in die Rente könnte in Zukunft für Arbeitnehmer ganz schön lang werden. © dpa, Patrick Pleul, ppl pzi jhe

Wirtschaftsverbände kritisieren Bundeskanzlerin Angela Merkel

Es war eine der wenigen Überraschungen des insgesamt faden TV-Duells zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem SPD-Gegenkandidaten Martin Schulz: Merkel sprach sich in einer für sie ungewöhnlich klaren Form gegen die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre aus. Von ihr gab es dazu ein "klares Nein". Und sie verwies darauf, dass nicht alle Menschen so lange arbeiten könnten - ein begrüßenswerter Vorstoß der Kanzlerin, von dem besonders Frauen profitieren können.

Ist ein sorgenfreier Ruhestand überhaupt noch möglich?

Von Christiane Mitatselis

Das Renteneintrittsalter wird bis 2030 bereits stufenweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Betroffen sind alle ab 1964 Geborenen. Vielen reicht das immer noch nicht. Einige von Merkels CDU-Parteifreunden, zum Beispiel Finanzminister Wolfgang Schäuble (75), denken seit einiger Zeit laut darüber nach, das Renteneintrittsalter nach 2030 Schritt für Schritt auf 70 Jahre zu erhöhen. Und sie verweisen auf die Finanzierbarkeit der Renten in Zeiten des demographischen Wandels.

Merkel hat für ihre Absage an ein solches Modell umgehend harsche Kritik von arbeitgebernahen Wirtschaftsverbänden geerntet. Dahinter verbirgt sich – wie immer - die Angst, dass womöglich die Renditen der Unternehmen leiden könnten, dass sie höher belastet werden könnten. Die simple Lösung lautet: Einnahmen erhöhen, Kosten senken. Menschen, die ein langes Arbeitsleben hinter sich haben, sind in diesem Diskurs lediglich Größen in einem Zahlenspiel - als Kostenfaktor. Man lässt die Leute einfach immer länger arbeiten. Am besten so lange, bis sie direkt vom Schreibtisch oder vom Baustellen-Gerüst ins Grab kippen. Denn dann verursachen sie gar keine Kosten mehr.

Dabei ist es jetzt schon so, dass viele Erwerbstätige erschöpft sind, bevor sie 65 Jahre alt werden. Im Durchschnitt gehen die Deutschen mit knapp 62 Jahren in Rente. In besonders anstrengenden Berufen, zum Beispiel in der Frauen-Domäne Pflegebereich, muss das auch möglich sein, ohne dass die Betroffenen direkt in die Altersarmut schlittern. Für Frauen ist das ein wichtiges Thema. Denn einerseits werden sie sowieso schlechter bezahlt als Männer, so dass sie weniger Rente bekommen. Andererseits sind sie häufig besonders belastet, wenn sie neben dem Job hauptverantwortlich eine Familie managen.

Merkel hat Recht: Es ist vielen Menschen nicht zuzumuten, bis zum Alter von 70 Jahren arbeiten zu müssen. Überhaupt sollte man bei diesem Thema  die Menschen und nicht die Zahlen in den Vordergrund stellen. Es muss in einem reichen Land wie Deutschland möglich sein, ein Rentensystem zu etablieren, dass den Bürgern einen sorgenfreien Ruhestand ermöglicht – in einem Alter, in dem sie ihn noch genießen können. Gelingen könnte es zum Beispiel dadurch, dass alle Erwerbstätigen, auch Beamte, Selbstständige und Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlten. Und sie somit zu einer so solidarischen Versicherung für alle würde.

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