Religiöse Beschneidung bei Jungen ist illegal

Religiöse Beschneidung bei Jungen ist illegal
Das Kölner Landgericht könnte mit seiner Entscheidung zur Strafbarkeit von Beschneidungen aus religiösen Motiven ein wegweisendes Urteil gefällt haben. © dpa, Bea Kallos

Kölner Landgericht urteilt: Beschneidung ist strafbar

Das Kölner Landgericht hat entschieden: Die Beschneidung von minderjährigen Jungen aus religiösen Motiven ist grundsätzlich strafbar, auch wenn die Eltern ihre Zustimmung geben. Die 1. Kleine Strafkammer gab dem Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit den Vorrang vor Religionsfreiheit und dem Erziehungsrecht der Eltern. Beides würde durch eine Beschneidung zu einem späteren Zeitpunkt, an dem das Kind selbst entscheiden könne, nicht eingeschränkt.

Den Kölner Arzt, der 2010 eine Beschneidung bei einem vierjährigen muslimischen Jungen vorgenommen hatte, sprach das Landgericht aber trotzdem vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung frei. Die Uniklinik Köln hatte den Arzt angezeigt, nachdem die Mutter den Jungen zwei Tage nach dem Eingriff mit Nachblutungen in die Notaufnahme brachte.

Das Urteil des Landgerichts bestätigt nun den ersten Freispruch des Amtsgerichtes. Gegen diesen hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Jedoch fiel die Begründung des Landgerichts anders aus: Die Richter stützten sich darauf, dass der Arzt zu dem Zeitpunkt davon ausgegangen war, dass der Eingriff erlaubt sei.

Ist Beschneidung Teil der Religionsfreiheit?

Das Amtsgericht hatte den ersten Freispruch jedoch anders begründet: Die Eltern hätten nur zum Wohle ihres Kindes gehandelt - die Beschneidung sei als zentraler Bestandteil der religiösen Kultur zu verstehen. Außerdem führte der Richter an, dass die Praxis der Beschneidung in anderen Ländern wie den USA weit verbreitet sei, dort allerdings eher aus hygienischen statt religiösen Gründen.

Während sich die Ärztekammer Nordrhein noch nicht zu dem potenziell wegweisenden Urteil äußern wollte, zeigten sich die Religionsgemeinschaften, in denen die Beschneidung von Jungen üblich ist, besorgt. Ein Verbot von Beschneidungen sei eine ernsthafte Einschränkung der Religionsfreiheit. So kritisierte der Zentralrat der Juden die Entscheidung des Kölner Landgerichts als "beispiellosen und dramatischen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften."

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