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Regretting Motherhood: Ein Kind - "der Albtraum meines Lebens"

"Ich hätte meinen Sohn nicht bekommen"

Seit Tagen ist eine heiße Diskussion über eine Studie im Gange, die ein Tabu bricht: Frauen bekennen sich dazu, ihre Mutterschaft zu bereuen.

"Hätte ich vorher gewusst, was Muttersein bedeutet, dann hätte ich meinen Sohn nicht bekommen." Die 27-jährige Berlinerin Franziska gibt zu, dass ihr Sohn sie manchmal in den Wahnsinn treibt. Für die junge Mutter kam die Schwangerschaft ungelegen, sie habe damals versucht, sich eine Stellung als Filialleiterin aufzubauen. Und auch mit dem Vater des Kindes wollte die damals 24-Jährige nicht zusammenleben. Vom Tag der Geburt ihres Sohnes bis heute fühlt sie sich fremdbestimmt und unfrei.

Diese Aussage ist mutig, denn nur die wenigsten Mütter würden einen solchen Gedanken aussprechen, selbst wenn es ihnen genauso geht.

Psychologin Haik Schönherr meint dazu: "Normalerweise gilt es ja als Ideal, Kinder zu haben und glücklich mit Kindern zu sein. Ein Nest geschaffen zu haben. Dieses Ideal hat natürlich so seine Tücken. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, wo ganz viele Rollen bekleidet werden müssen. Die Mutter. Die Freundin. Die Partnerin."

Mit dem Phänomen 'Regretting motherhood' hat sich eine aktuelle israelische Studie beschäftigt. Können die eigenen Kinder wirklich ein Albtraum sein? Scheinbar ja: 23 Frauen bekennen sich wie Franziska dazu, ihre Mutterrolle zu bereuen. Eine Mutter sagt, sie könnte auf Kinder verzichten, „auf alle drei“. Eine andere Frau geht noch weiter: "Eine Katastrophe. Mehr noch: Es ist der Albtraum meines Lebens."

Es ist ein Tabu, das diese Mütter brechen. Denn wie soll man erklären, dass man zwar sein Kind liebt, jedoch nicht die Mutterrolle? So werden viele dieser Frauen vom eigenen Umfeld schnell als 'Rabenmutter' abgestempelt. Nur weil sie sich ihre Freiheit zurückwünschen und das Muttersein nicht so lieben, wie andere Frauen. Doch für die Psychologin ist klar, wie wichtig das Gespräch darüber ist, damit die Kinder nicht unter der Situation leiden und die Mütter eine Chance auf Hilfe haben. Sie findet "es auch für die Mutter eine enorme Belastung sich vorzustellen, [sie] hätte ein viel schöneres Leben gehabt oder ganz andere Rollen leben können.“

Für Franziska steht jedenfalls fest, dass sie ihr Leben ohne Kind vermisst: "Man kann mit Freunden unterwegs sein. Man muss nicht ständig fragen, ob man den Kleinen irgendwo abgeben darf.“ Es seien die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Auch finanziell sei sie sehr eingeschränkt: "Man lebt nur noch für das Kind. Man selber muss viel zurückstecken."

Anders als Franziska bereuen die meisten Mütter ihre Entscheidung für ein Kind allerdings nicht. Die israelische Studie will vor allem auch eine Diskussion in Gang bringen. Denn wohl jede Mutter kennt die Augenblicke, in denen der Alltag mit Kindern überfordert und die eigene Welt alles andere als "heil" ist.

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