Rechtsextremismus: Frauen erobern die 'Männerdomäne'

Frauen keine Statisten im Rechtsextremismus

Rechte Frauen sind oft gewaltbereiter als die Männer. Jeder dritte Rechtsextremist ist eine Frau. Das Bild des braven, blöden Weibchens, das mehr oder weniger zufällig einem rechten Idioten hinterherläuft, ist längst nicht mehr die Realität. Beate Zschäpe war keine Mitläuferin. Sie hat bei den sogenannten 'Döner-Morden' eine tragende Rolle gespielt. Je mehr man sich mit der rechten Szene beschäftigt, umso erschreckender wird klar, wie viel Macht bereits von ihr ausgeht. Und dass besonders Frauen daran großen Anteil haben.

Rolle der Frau im Rechtsextremismus
Rolle der Frau im Rechtsextremismus © dpa, Bernd von Jutrczenka

Von Dagmar Baumgarten

Denn Frauen gibt es in allen rechten Schichten. Teilweise stehen sie Schmiere bei Gewalttaten oder fahren die Fluchtautos. Manche vermummen und schlagen sich. Nicht weil sie einem Kerl gefallen wollen, sondern weil sie plötzlich selber die Ideologie für sich entdeckt haben, und noch "besser", also noch radikaler und rechter sein wollen, als die Männer. Aber vor allem nimmt die Zahl derer zu, die man von außen gar nicht erkennt. Und die sind nicht weniger gefährlich.

Frauen mischen mit in der rechten Szene

Viel zu lange hat man sich der Illusion hingegeben, dass es zwar Rechtsextremismus gibt, aber dass der sich doch in Grenzen hält, und dass man als sogenannter Normalbürger ja damit wenig Kontakt hat. Die erkennt man ja auch leicht, dachte man. Die Rechten, das sind irgendwelche Glatzköpfe, die völlig verblödet irgendwelche stumpfen Hetz-Parolen grölen, und Ausländer verkloppen, so der allgemeine Glaube.

Aber Deutschland ist auf einem viel rechteren Weg, als uns oft bewusst ist. Und auf den führen uns immer häufiger rechte Frauen. Zu erkennen sind sie äußerlich gar nicht mehr. Auch Beate Zschäpe hat es abgelehnt, irgendwelche Bomberjacken zu tragen. Die heutigen Nazissen treten als dezent gekleidete nette Frauen auf, die sich besonders gerne durch Hilfsbereitschaft hervortun.

Der Gedanke dahinter: Statt mit Gewalt die Leute zu verschrecken, sucht man jetzt die Akzeptanz in der Bevölkerung. Wenn so ein "lieber Skinhead" der Oma über die Straße hilft, kann er ja so schlecht nicht sein. Und bei diesem Vorhaben sind besonders die weiblichen Mitglieder gefragt. Sie organisieren Nachbarschaftshilfen, treten Vereinen bei, und agieren gerne unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit. Dann lässt man bei einem Kaffee erst sehr dosiert und langsam immer mehr rechte Ideologien in Gespräche einfließen, bis sie völlig normal erscheinen. Sich langsam ins Vertrauen einschleichen, und dann rechts aufdrehen, lautet das neue Motto der Rechten.

'Braune Ladies' streuen rechtes Gedankengut

Aber was reizt Frauen an der rechten Szene? Als die NPD 2006 in Mecklenburg Vorpommern in den Landtag einzog, bedankte sich der Vorsitzende auch bei den Frauen, vor allem für das "Wäschewaschen für die Kameraden". Schon aus der rechten Ideologie heraus, kann man gar nicht für Gleichberechtigung sein! Was also geht in einer Frau vor, die sich der rechten Szene anschließt?

Es wäre zu verführerisch zu sagen: Nicht viel! Denn es sind ja eben nicht nur dumme Lämmchen sind, die rechte Parolen verbreiten, sondern durchaus gestandene Frauen, die in Stadträten Forderungen nach getrennten Schulklassen für Deutsche und Ausländer fordern.

Bei den Frauen, die blind vor Wut, und nicht weniger brutal als die Männer vorgehen, gibt es immer Gewalt in der eigenen Kindheit. Das ist aber bei den sogenannten "braunen Ladies" nicht der Fall. Teilweise nehmen sie einfach gerne die Rolle der rechten Helferin ein. Teilweise richten sie sich darauf ein, dass sie aus Imagegründen auch in gehobenen Positionen gebraucht werden. Egal, ob sie in Bomberjacke oder im klassischen Kostümchen auftreten. Sie alle folgen einer menschenverachtenden Ideologie. Und wir sollten künftig genau hinhören, wenn in unserer Nähe plötzlich rechtes Gedankengut von einem scheinbar ganz harmlosen Heimchen geäußert wird. Denn aus Ignoranz wird schnell Akzeptanz - und genau darauf bauen die Rechten.

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