Rechtsextreme Frauen: Welche Rolle spielen Frauen bei den Neonazis?

Rechtsextreme Frauen: Welche Rolle spielen Frauen bei den Neonazis?
© picture-alliance/ dpa, DB Matthias Hoch

Wie gefährlich sind rechtsextreme Frauen?

Seit einem Jahr steht die rechtsextreme Beate Zschäpe vor Gericht. Der Prozeß ist schwierig, denn rechtsextreme Frauen werden meist unterschätzt. Justiz und Polizei trauen den Frauen in der rechten Szene keine Gewalttaten zu, die Frauen gelten als friedfertig und fürsorglich. Das stimmt aber leider nicht, so eine neue Studie.

Jutta Rogge-Strang

Wieder einmal treffen wir auf ein sattes Vorurteil: Frauen werden als friedliche Mitläuferinnen eingestuft, die sich hauptsächlich um Heim und Herd kümmern. Ach, würde das doch dieses Mal stimmen! Denn es geht um Frauen in der Neo-Nazi-Szene, die alles andere als harmlos sind. Es hat sich offenbar auch bis in die rechte Szene herumgesprochen, dass Frauen etwas zu sagen haben. Sie sind fester Bestandteil der Szene - und nicht weniger radikal als die Männer.

Die langen blonden Zöpfe sind abgeschnitten, die rechte Frau von heute präsentiert sich modern und cool auf den NPD-Werbeplakaten. Selbstverständlich sollen die Frauen sich weiterhin um die Kinder kümmern und gute deutsche Mütter sein. Aber heute dürfen sie auch in den ersten Reihen mitmischen, ob auf dem Rednerpodium oder bei Demonstrationen. Die Studie "Rechtsextreme Frauen - übersehen und unterschätzt" der Amadeu Antonio Stiftung geht sogar noch weiter: Bei rassistischen und menschenfeindlichen Einstellungen gibt es keinen Unterschied zu Männern.

"Oft gelingt es ihnen so, ihre politischen Botschaften und rechtsextremes Gedankengut geschickt zu platzieren. Besonders heikel ist, dass ihre Ideologien auf diese Weise Eingang finden in sensible Bereiche wie Kitas, Schulen oder Sportvereine. Ich warne davor, rechtsextreme Frauen nicht ernst zu nehmen. Beim NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) ist deutlich geworden, dass rechtsextremer Terror auch von Frauen verübt wird", so Dr. Eva Högl (SPD) im Vorwort zur Studie.

Es werden drei rechtsextreme Frauenrollen unterschieden

In der rechten Szene gibt es natürlich die klassische Frauenrolle, die vor allem anderen gesunden, "rassereinen" Nachwuchs in möglichst großer Zahl gebären soll. Innerhalb dieses Rollenbildes gibt es zum einen die "starke Walküre", die in den historischen faschistischen Darstellungen tatsächlich mit vielen Kindern zu sehen ist, aber ohne den Vater, der im Krieg ist. Zum zweiten gibt es die traditionell bürgerliche Rolle, wo die Frau an der Seite des Hausherrn steht oder ihm untergeordnet ist. Bei beiden Frauenbildern ist die Mutter-Ideologie das Kernstück. Diese Frauen beteiligen sich nicht an Demonstrationen, Straßenschlachten, öffentlichen Reden oder politischen Ämtern.

Der zweite Frauentyp ist eine etwas modernisierte Form, wo Frauen nicht nur Mütter sind, sondern auch öffentlich-politisch auftreten sollen. Hier wird nach wie vor der Unterschied zu den Männern betont. Aber Frauen sollen ihre Sichtweise auch in den politischen Prozess einbringen dürfen. Dieser Typus ist vermutlich am häufigsten anzutreffen.

Der dritte Frauentyp übt durchaus Kritik an sexistischen Strukturen sowohl in der Gesellschaft als auch innerhalb der Szene. Bei ihnen ist teilweise sogar von Emanzipation bis hin zu Feminismus die Rede. Dieser Typ ist eher die Ausnahme, diese Frauen vertreten eine Sonderposition – aber es gibt sie.

Die klügeren Männer in der Szene wissen längst, dass Frauen imageförderlich sind. Wenn sich eine Frau an einer Demonstration beteiligt, soll sie auch in der ersten Reihe gehen – damit sie auf den Presse-Fotos auch zu sehen ist. Aber auch die Gewaltbereitschaft der rechtsextremen Frauen ist gestiegen. Zwar würden laut einer Studie von Renate Bitzan nur zehn Prozent der Gewaltstraftaten von Frauen begangen. Aber Frauen trinken genauso gerne Alkohol wie Männer und schlagen mittlerweile auch zu, erzählt Claudia Luzar, Leiterin der Opferberatungsstelle 'Back Up' in Dortmund: "Frauen können Anstiften, Anfeuern, Beifall klatschen, Schmiere stehen. Manche Frauen organisieren im Hintergrund, andere sind vor allem die Freundin-von, und es gibt eben einige, die sind aggressiv und gewalttätig."

Anzeige